Kontrollieren statt wegwerfen!

Ist ein Lebensmittel noch essbar, obwohl das Verfallsdatum abgelaufen ist? Ein Gadget namens Food Sniffer verschafft Klarheit.

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Umgangssprachlich nennt man es «Verfallsdatum». Aber eigentlich bezeichnet die auf den Lebensmitteln angebrachte Angabe die Mindesthaltbarkeit. Bei sorgfältiger Lagerung sollte ein Lebensmittel bis zum fraglichen Datum problemlos konsumiert werden können. Was nicht bedeutet, dass es danach sofort schlecht werden würde – doch aus Sicherheitsgründen landen die «abgelaufenen»Produkte dann doch im Müll. Etwa ein Drittel der Nahrungsmittel wird hierzulande weggeworfen, obwohl ein Grossteil davon noch konsumierbar wäre. Umgekehrt können durchaus auch Esswaren eine Lebensmittelvergiftung verursachen, die noch gut sein müssten, weil sie nicht richtig gelagert wurden.

Der litauische Erfinder Augustas Alesiunas will nun sowohl die Gefahr einer Lebensmittelvergiftung verringern als auch Food-Waste eindämmen. Seine Vision ist, dass die smarte Küche der Zukunft entsprechende Sensoren bereits eingebaut haben wird und in Echtzeit über die Qualität der gelagerten Lebensmittel informiert. So weit ist es noch nicht. Doch bis dahin glaubt er, wird uns der Food Sniffer weiterhelfen.

Das knapp handlange Gerät weist an dem breiteren Ende einen Gassensor auf, der die Luft in der Nähe eines Lebensmittels analysiert und anhand von Gasen sowie organischen Verbindungen in der Luft die Frische und Geniessbarkeit beurteilt. Berücksichtigt werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Die Messdaten werden per Bluetooth ans Smartphone übermittelt, wo die eigentliche Berechnung stattfindet – und eine Anzeige angibt, ob das getestete Produkt bedenkenlos gegessen werden kann, gut gekocht werden sollte oder besser wegzuwerfen ist.

Keine Hexerei, aber auch nicht narrensicher

Das klingt simpel – und ist zwar keine Hexerei, aber auch nicht komplett narrensicher. Um eine Analyse vorzunehmen, schaltet man das Gerät über den einzigen Knopf ein und öffnet am Smartphone die Food-Sniffer-App. Als Erstes findet ein Kalibrationsvorgang statt, der möglichst in frischer Luft ablaufen sollte und eine gute Minute dauern kann. Dann wählt man in der App das passende Lebensmittel (Schweine-, Rinds-, Lamm-, Hühnchenfleisch, Fisch oder Meeresfrüchte). Dann platziert man die Sensornase in der Nähe des Lebensmittels und startet den Analysevorgang, der etwa zwanzig Sekunden dauert und bei dem eine Kurve die Messergebnisse zeigt. Dann erscheint sofort das Resultat und die Empfehlung der App.

Zur Verfeinerung der Resultate gibt es auch einen Aufsatz, mit dem man den Food Sniffer direkt auf dem Lebensmittel aufsetzen kann. Dieser Aufsatz kann, anders als der Food Sniffer selbst, unter Wasser gereinigt werden – was man denn auch vor und nach Verwendung tun sollte. Eine zweite Möglichkeit, die Messgenauigkeit zu verbessern, besteht darin, das Messgut für einige Minuten in einen geschlossenen Behälter zu legen, dann den Deckel leicht anzuheben und die Sensornase durch die Lücke für die Messung in den Behälter zu stecken.

Über die Zuverlässigkeit der Messresultate kann ich mir kein Urteil erlauben. Das wäre nur durch vergleichende Labortests möglich. Der Food Sniffer hat in meinem Test aber zuverlässig bei der abgelaufenen Wurst aus der Newsroom-Küche angeschlagen und empfohlen, sie gut zu kochen – ein Urteil, durch die äusserliche Inspektion untermauert wird. Auch nach dem Schnüffeln an meiner Komposttonne schlug der Sensor sofort Alarm, ebenso bei der Prüfung einer verdorbenen Mandarine.

Eingeschränktes Analysespektrum

Es ist allerdings klar darauf hinzuweisen, dass der Sensor im Moment nur Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte überprüfen kann, aber keine Früchte, Milch oder andere Lebensmittel. Die Lebensmittelkategorie darf auch nicht ignoriert werden: Ein Joghurt, das mit der Einstellung Fisch gescannt wird, erscheint als verdorben, selbst wenn es topfrisch und einwandfrei geniessbar ist. (Nicht in die Irre führen lassen hat sich das Gerät von anderen starken Gerüchen: Das Schnüffeln am Schuhschrank blieb ohne Befund.)

Diese relativ eingeschränkte Einsatzmöglichkeit ist das grösste Problem des Food Sniffer. Auch bei Milchprodukten und Früchten wäre es hilfreich. Alesiunas gibt aber an, das Spektrum der Lebensmittel künftig ausweiten zu wollen.

Fazit: Der Food Sniffer steckt noch in den Kinderschuhen. Wie verlässlich die Technik ist, lässt sich nicht absehen – man muss einen Vertrauensvorschuss leisten. Dennoch ist Alesiunas’ Vision ein erster Schritt in die Zukunft, in der die Kühlschränke smart und die Lebensmittelverschwendung viel, viel kleiner sein wird.

119 Franken bei galaxus.ch, die uns auch das Testgerät zur Verfügung gestellt haben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 04.02.2016, 15:25 Uhr)

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