3-D-Bilder in der eigenen Stube
Bald möglich: 3-D-Bilder in der eigenen Stube. (Bild: zvg)
Artikel zum Thema
SwissquoteExklusiver Trading-Partner
Als im 3-D-Film «Avatar» Darstellerin Zoe Saldana in der Rolle der Kriegerin Neytiri auf dem Rücken ihres Flugdrachens im Sturzflug in eine Schlucht hinabrast, stockt wohl jedem Kinobesucher der Atem. Dass die Zuschauer sich nur mitten im turbulenten Geschehen wähnen, solange sie ihre Brille aufbehalten, vergisst jeder im Saal.
Die Begeisterung der Kinobesucher für 3-D-Filme wie «Ice Age 3», «Up» oder eben «Avatar» steckte die Hersteller von Heimelektronikgeräten an. Die Folge: Noch im laufenden Jahr sollen Fernsehgeräte auf den Markt kommen, die ein vergleichbares 3-D-Erlebnis bieten. Wie im Kino werden auch vor dem Fernseher also bald ausschliesslich Brillenträger sitzen.
Die entsprechenden Fernsehgeräte sind marktreif: An Fachausstellungen wie der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin oder der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas zeigten Philips, (PHG 14.31 0.07%) Sony ( 13.3 -3.34%) und vor allem Panasonic ( 5.286 -0.02%) 3-D-taugliche TV-Geräte. Auch der südkoreanische Hersteller LG und Sharp in Japan halten mit der 3-D-Entwicklung Schritt.
3-D-Bilder ohne Brille
Philips zeigte bis zur IFA 2008 das zuschauerfreundlichste 3-D-Gerät: Der dreidimensionale Effekt war ohne Brille vor den Augen zu sehen. Danach stoppte das Unternehmen jedoch die Produktion – wegen fehlender Nachfrage. «Unser System ohne Brille war vor allem für Werbeprojektionen in grossen Einkaufszentren im Einsatz», erklärt Philips-Pressesprecher Raphael Wermuth. «Als Heimgerät war es mit seinen Kosten von 20'000 bis 30'000 Franken einfach zu teuer.»
Das skurrilste Gerät zeigte dagegen Sony: Das dreidimensionale TV-Bild entstand in einem Glastubus. Die Zuschauer konnten ringsum gehen und sich die Rückseite des Motivs ansehen. Das Sony-Gerät, dessen 3-D-Bilder ebenfalls ohne Brille sichtbar sind, ist aber noch nicht marktreif.
Anders die 3-D-Technik von Panasonic. Sie nötigt den TV-Zuschauern zwar eine Brille auf, soll aber zu Preisen angeboten werden, die sie als dreidimensionales Heimkino qualifiziert. Die 3-D-Apparate sollen höchstens 20 Prozent mehr kosten als TV-Geräte mit herkömmlichen LCD-Bildschirmen. Geräte dieser 3-D-Technik mit Brille stellt auch Sony her. Diese Apparate sollen ab kommenden Juni verkauft werden.
Speicherstandard etabliert
Hinzu kommt, dass die Blu-Ray-Disc Association (BDA) am 17.Dezember 2009 in Los Angeles einen weltweit gültigen Speicherstandard für die 3-D-Technik festlegte. Seither steht der 3-D-TV-Zug voll unter Dampf: Panasonic will noch 2010 einen Camcorder anbieten, der den HD3D-Standard unterstützt, und LG und Skylife sowie Sony, Disney und Imax schlossen Verträge über 3-D-Netzwerke ab.
Qualitativ schwingt 3-D-TV im Vergleich zum 3-D-Kino ohnehin oben aus. «Avatar»-Regisseur James Cameron befürchtet nicht ohne Grund, dass 3-D-TV die Kinobranche ruinieren könnte. Er forderte in einem Interview mit der US-Zeitschrift «Variety», dass die Kinofrequenz von 24 auf 48 Bilder pro Sekunde zu erhöhen sei. Erst dies würde eine einwandfreie 3-D-Kino-Projektion ohne störendes Flimmern ermöglichen. Das 3-D-Fernsehen hat es da einfacher: Es strahlt 3-D-Sendungen mit 60 bis 200 Bildern pro Sekunde aus – und ist damit absolut flimmerfrei. Cameron: «Es geht nicht an, dass das TV-Bild besser ist als die grosse Projektion im Kino.»
Ob seine Sorge begründet ist, scheint freilich unklar. Die Zuschauer sind bereit, für zwei Stunden im Kino eine 3-D-Brille aufzusetzen. Ob sie das vier Stunden lang zu Hause vor der Glotze auch tun, steht in den Sternen. Ausserdem: Bei Sportveranstaltungen und Actionfilmen mögen 3-D-Bilder attraktiv sein. Aber weite Programmteile des Fernsehens sind quasi Radio mit Bild. Und was die dreidimensionale Technik Sendungen wie «Club» oder «Arena» bringen kann, wissen die Götter. (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.02.2010, 09:48 Uhr

































































