«Der Preiszerfall ist dramatisch»
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 03.09.2009 2 Kommentare
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Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Leser F. K. (Name der Redaktion bekannt) ist verärgert: Letztes Jahr kaufte er bei Mediamarkt einen neuen Flachbildschirm-Fernseher für 2500 Franken. Vor Kurzem sah er das gleiche, 47-Zoll-grosse Teil, diesmal aber stand es für 1100 Franken zum Verkauf. «Wenn ich das gewusst hätte! Ich habe über 1000 Franken zu viel bezahlt.»
Tatsächlich sind die Preise in der Heimelektronik-Branche in den letzten Monaten rapide gefallen. So verkauft Interdiscount derzeit einen Full-HD-Fernseher von Panasonic mit einer Bildschirmdiagonale von 106 Zentimetern für 999 Franken. Konkurrent M-Electronics offeriert für einen LCD-TV (HD mit 81 Zentimeter Diagonale) von Sony einen Preisnachlass von 30 Prozent: Der Flachbildschirm-TV kostet dort noch 699 Franken.
Der grösste Online-Anbieter der Schweiz, Digitec, spricht Klartext: «Innerhalb eines Jahres sind die Preise in Europa bei Fernsehern um etwa einen Drittel gefallen. Augenscheinlich werden beispielsweise 40-Zoll-, 46-Zoll- oder auch 52-Zoll-Geräte für jedermann erschwinglich.»
Enorme Überproduktion
«Was für Kunden eine frohe Kunde ist, ist für Hersteller, Importeure und Verkäufer schlimm. Manchmal frage ich mich, wie man mit Unterhaltungselektronik noch Geld verdienen kann», sagt Bernard Loosli. Er ist beim Wirtschaftsverband für die Digitale Schweiz (Swico) verantwortlich für Unterhaltungselektronik.
Für die aus seiner Sicht extreme Entwicklung hat Loosli keine befriedigende Erklärung parat. «Mit ein Grund dafür ist sicher, dass sich immer mehr No-Name-Brands auf dem Markt tummeln. Die Überproduktion ist enorm. Dieses Jahr hatten wir auch keinen grossen Sportanlass, welcher die Kunden in Massen in die Geschäfte holte.» Das sei 2008 mit der Fussball-Europameisterschaft noch anders gewesen.
Der Preiszerfall habe zwar die gesamt Branche erfasst, bei den Flachbildschirmen akzentuiere sich das Problem aber. «Vor zwei Jahren machte die Branche in der Schweiz mit Flachbildschirmen noch etwa 1 Milliarde Franken Umsatz, Ende nächsten Jahres werden es, bei ungefähr gleicher Stückzahl, wohl 25 Prozent weniger sein.»
Technologie und Standards lösen sich rasch ab
Die Unterhaltungselektronik sei eine spezielle Branche. Kaum sei eine neue Technologie auf dem Markt, werde sie schon billiger: «Der Preiszerfall ist dramatisch.» Dass die Ursache für den starken Preiszerfall bei den Onlinehändlern zu finden ist, wie die «SonntagsZeitung» vor Kurzem geschrieben hat, kann Loosli nicht bestätigen. «Das ist, wenn schon, nur ein Grund unter vielen.»
Nicoletta Studer vom Online-Händler Digitec.ch sagt: «Die Ursache für die tiefen Preise nur dem Internet-Handel zuzuschreiben, wäre falsch.» Als Ursachen für die Preisnachlässe ortet sie den hohen Konkurrenzdruck, der zu Anpassungen zwinge und den schnellen Lebenszyklus der Produkte. Zudem würden sich Technologien und Standards rasch ablösen und es käme seltener zu Engpässen: «In der Regel sind die Produkte seitens der Hersteller überdurchschnittlich gut verfügbar.»
Auch DVD-Player und Hi-Fi-Anlagen günstiger
Dass die Durchschnittspreise gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sind, bestätigt M-Electronics. «Vor allem betroffen ist der TV-Markt, aber auch die Bereiche DVD-Player (Bluray), portable Audio und Home-Cinema/Hi-Fi und Foto», sagt Pressesprecherin Nathalie Eggen. Verglichen mit 2008 koste heute in der Schweiz ein Flachbildfernseher rund ein Viertel weniger. Dies obwohl die Geräte immer grösser würden und technisch besser ausgestattet seien.
Die Konkurrenz unter den Herstellern und Händlern spiegle sich natürlich auch im Internet wieder. Aber: «Wären die Internet-Anbieter tatsächlich immer so viel günstiger wie die etablierten Anbieter im stationären Geschäft, müssten deren Marktanteile in den letzten Jahren massiv gestiegen sein.» Dies sei bei den TVs nicht der Fall.
Und die Rolle der Wirtschaftskrise? «Die Wirtschaftssituation spielt beim Preiszerfall nur eine Nebenrolle», sagt Andrea Bergmann von Interdiscount. Auch sie verweist auf die immer kürzeren Produktzyklen und die Zunahme der Angebotsbreite für Konsumenten. Der Preiskampf wird in den nächsten Wochen unvermittelt weitergehen. Andrea Bergmann verspricht: «Als Discounter präsentiert Interdiscount während des ganzen Jahres aggressive Angebote. So natürlich auch zur Weihnachtszeit.»
Leidet die Qualität?
Sinken werden unter anderem auch die Preise für Bluray-Player: «Bis Weihnachten wird es Geräte um unter 200 Franken geben, mit allen aktuellen Features», ist Ralph Weber vom Vergleichsdienst Comparis.ch überzeugt. Er sieht diese Entwicklung nicht nur positiv: «Hält der Preisdruck an, könnte sich dies eventuell auf die Qualität der Produkte niederschlagen.»
In den nächsten Monaten werden Flachbildschirme laut Weber noch günstiger zu kaufen sein als bis anhin, da sie die Hauptumsatzträger der Branche seien. «Es wird auf einen Preiskampf mit viel Rabatten hinauslaufen, der nach Weihnachten im Sonderverkauf weitergeführt wird.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.09.2009, 16:37 Uhr
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2 Kommentare
Analog zum Preiszerfall sehen wir Den Wertzerfall. Ein anfängliches "Schnäppchen" entwertet sich im Besitz des Konsumenten innert kurzer Zeit gegen Null. Das ist die Folge der Beschleunigung und der Mengenausweitung einerseits und des rückläufigen Konsums anderseits. Am Ende der Linie werden heute tonnenweise funktionierende Geräte als Schrot entsorgt. Ein rapider Wertzerfall zu wessen Lasten ? Antworten
































































