Die Gamezukunft ist online
Von Andreas Grote. Aktualisiert am 27.04.2010
Spielmodule haben Tradition. Auf ihnen speicherten Atari, Sega und Nintendo schon vor über 30 Jahren die ersten Games. Auch aktuelle mobile Spielkonsolen wie die Nintendo DS oder die Playstation Portable (PSP) nutzen sie als robuste Speichermedien, während die stationären Konsolen Wii, XBox 360 und Playstation 3 auf die DVD und ihre Nachfolger ausgewichen sind. Doch all diesen physischen Datenträgern steht nun dasselbe Schicksal bevor wie den Musik-CDs und den Video-DVDs: Ihr Inhalt lässt sich auch übers Internet transportieren. Alle Konsolen verfügen mittlerweile über einen Internetzugang und ein eigenes Onlineportal inklusive Shop. Darin proben die Konsolenhersteller, wie sich die Games online verkaufen lassen.
Praktisch für Hersteller...
Anfangs waren in den Onlineläden nur Minispiele herunterladbar – oder aber nicht mehr erhältliche Klassiker aus der PacMan- und Donkey-Kong-Ära. Mittlerweile stehen dort aber auch Games zur Verfügung, die in derselben Liga spielen wie jene aus dem richtigen Laden.
Ein Onlineladen macht die Distribution der Spiele für den Hersteller einfacher, günstiger und flexibler. Er kann den Preis nach Belieben anpassen und auf Trends schnell mit neuen Spielen reagieren. Ist der Kunde erst einmal im Shop am Stöbern, kann er ihm noch mehr verkaufen. Sehr beliebt und vom Erlös her nicht zu unterschätzen sind zusätzliche Welten oder Levels für bereits gekaufte Spiele. Auch virtuelle Gegenstände oder Programmteile als Add-ons verkaufen sich schon heute gut. Seit Ende des letzten Jahres können Besitzer von XBox und Playstation online Filme ausleihen beziehungsweise im Playstation-Store auch kaufen– für die stationäre wie für die portable Konsole. Nintendo ist in den USA mit einem ähnlichen Dienst auch gestartet, nach Europa soll er erst später kommen.
Daneben hoffen die Hersteller, mit der Onlinedistribution das Problem der Raubkopien in den Griff zu bekommen. Für jede Konsole sind heute Mittel und Wege gehbar, um kostenlos und illegal im Internet an Spiele zu kommen, die dann auf ein beschreibbares Spielmodul oder DVD kopiert werden. Können die Spiele nur noch online geladen werden, ist dieser Weg versperrt. Sony ( 19.13 -1.80%) testet seit letzten Herbst mit der PSP Go, dem Schwestermodell der weiterhin erhältlichen PSP, diesen konsequenten Weg. Das Gerät besitzt keinen Modulschacht und kann Spiele ausschliesslich aus dem Onlineshop laden. Die meisten der im Laden für PSP erhältlichen Spiele sind daher auch online im Playstation Store verfügbar.
...und für die Spieler
Die Hersteller setzen darauf, dass die junge Hauptnutzergruppe der Konsolen neben Musik und Filmen künftig auch Spiele online bezieht. Immerhin jede dritte Person soll schon mal im Onlineshop der jeweiligen Konsole Spiele gekauft haben. Im Gegensatz zum Laden müssen sie nicht für viel Geld die Katze im Sack kaufen. Im Laden von XBox live und Playstation gibt es für viele Titel anspielbare Demoversionen oder Trailer, Nintendo bietet gelegentlich Light-Versionen zum Testen an.
Ein Bewertungssystem, in dem andere Käufer ihre Meinung zum Spiel abgeben können, erleichtert derzeit nur bei XBox live die Auswahl. Häufen sich negative Bewertungen für ein Spiel, nimmt es der Hersteller aus dem Store und hält dadurch die Qualität der eingestellten Spiele hoch. Dass pro Woche nicht Hunderte, sondern nur eine Handvoll neue Titel in den Store wandern, soll die Kunden vor einer unüberschaubaren Überflutung schützen. Dies ist beim iTunes-Store, wo Besitzer von iPod Touch und iPhone aus über 12000 Spielen auswählen können, zum Problem geworden. Nur einige Promille der Games sind wirklich spielenswert.
Die Hersteller sind sich einig, dass Konsolen Games in Zukunft nur noch online beziehen werden. Schon heute komplett darauf umzustellen, ist indes nicht möglich. Zum einen gibt es noch in zu vielen Haushalten keinen oder nur einen langsamen Breitbandanschluss. Zum anderen kauft immerhin jede fünfte Person noch immer gerne im Laden, weil sie das haptische Erlebnis schätzt, die Verkaufsbox in den Händen zu halten, nach Hause zu tragen, auszupacken und den Datenträger in die Konsole einzulegen. Das fällt beim Onlinekauf ohne physischen Datenträger genauso weg wie die Möglichkeit, schnell mal das Modul oder die DVD einer Freundin oder einem Freund auszuleihen. Auch das Zurückgeben des Spiels an den Händler, weil es ein totaler Flopp ist, oder das Weiterverkaufen, wenn das Spiel durchgespielt wurde, ist nicht mehr möglich.
Immerhin merken sich die Onlinestores, welcher Kunde welche Spiele gekauft hat. Sollte ein Spiel versehentlich oder aus Platzgründen von der Konsole gelöscht worden sein, dann kann er es noch einmal herunterladen, ohne erneut dafür zahlen zu müssen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 27.04.2010, 22:09 Uhr




