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«Dieser kranke Psycho war doch in einem Schützenverein»

Von Reto Knobel. Aktualisiert am 26.07.2011 181 Kommentare

Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik soll ein leidenschaftlicher Gamer gewesen sein. Die Computerspiel-Gemeinde wappnet sich schon jetzt gegen neue Verbotsinitiativen.

1/5 «Die wahrscheinlich beste Militärsimulation»: Breivik gibt zu, «Modern Warfare 2» genutzt zu haben – Auszug aus dem Manifest des norwegischen Massenmörders.
Bild: Chip.de

   

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Für Josef Sachs ist die Sache klar: «Die Videospiele haben sicher eine Rolle gespielt», wird der Schweizer Gerichtspsychiater im «Blick» zitiert. In Computerspielen wie «World of Warcraft» und «Call of Duty: Modern Warfare» habe der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik Gewalt «praktizieren können». Von einer direkten Verbindung zwischen Games und Massentötung spricht Sachs jedoch nicht.

Anders die Tonalität in vielen deutschen Medien. In der Berichterstattung und der Analyse des Unfassbaren wird dort immer wieder auf den Umstand hingewiesen, dass Breivik oft und gerne «World of Warcraft» und «Call of Duty: Modern Warfare» gespielt habe.

Medien: «Fan des umstrittenen Ego-Shooter-Computerspiels ‹World of Warcraft›»

Ersteres wird fälschlicherweise – etwa vom Nachrichtensender N-TV oder der Online-Ausgabe der «Süddeutschen Zeitung» – als Kriegs- und/oder Killerspiel bezeichnet. Ntv.de beantwortete die Frage nach der Quelle von Breiviks Hass gleich selber: «Als sicher gilt, dass der 32-Jährige zur Nazi-Szene gehörte. Auch klar: Er war ein Fan des umstrittenen Ego-Shooter-Computerspiels ‹World of Warcraft›.»

Fakt ist: In dem von Breivik online publizierten Manifest gibt es tatsächlich eine Passage, in welcher er bestätigt, vor dem Computer zu gamen (siehe auch Bildstrecke oben).

«Ich habe mir ‹Modern Warfare 2› gekauft, das Game. Das ist wahrscheinlich die beste Militär-Simulation da draussen und eines der heissesten Spiele des Jahres. Ich habe auch ‹MW1› gespielt, aber es hat mir nicht wirklich gefallen. Mir gefallen eigentlich mehr Fantasyspiele wie ‹Dragon Age Origins› (...). Ich sehe ‹MW2› daher eher als Teil meiner Trainings-Simulation denn als etwas anderes. Dennoch habe ich es lieben gelernt, vor allem der Multiplayer-Modus ist grossartig. Man kann damit mehr oder weniger komplette Operationen simulieren.»

«Auf die Spieleindustrie schimpft es sich halt leichter»

Kein Wunder, quellen die Online-Foren der Gamergemeinschaft derzeit über vor Beiträgen: «Dieser kranke Psycho war doch in einem Schützverein», schreibt etwa Nutzer «PsiGhost» in einem Kommentar zu einem Artikel des Magazins «Chip». «Auf die Spieleindustrie schimpft es sich halt leichter», heisst es in einem ähnlichen Beitrag. «Ich habe das Fussballspiel auch mit Videogames gelernt», steht in einem weiteren Kommentar.

Nicht wenige Online-Beiträge sind mit Aversionen gegen «World of Warcraft» und «Modern Warfare» gespickt («total krank und geschmacklos»), die grosse Mehrheit warnt jedoch vor voreiligen Spieleverboten. «Das wird Zensurursula (die deutsche Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, Red.) & Co. ja freuen, da haben sie wieder eine Vorlage, um nach Verboten zu kreischen», schreibt etwa Nutzer «Bloody-Dust» auf Gamecaptain.de.

Schweizer Parlamente geben Gas

Vieles spricht dafür, dass auch in der Schweiz die Debatte neu aufflammen wird. Vor wenigen Monaten erst beschloss der Luzerner Kantonsrat, eine Standesinitiative für ein nationales Verbot von Spielen mit Gewaltinhalten zu lancieren. Ähnliche Vorstösse haben zuvor bereits die Kantone Bern, Freiburg, St. Gallen und Zug gemacht. Auf Bundesebene schliesslich sind zwei Motionen von SP-Nationalrätin Evi Allemann und CVP-Mann Norbert Hochreutener angenommen worden.

Die Aktionitis erstaunt, denn bis heute konnte keine Studie einen ursächlichen Zusammenhang zwischen gewalttätigem Verhalten und dem Konsum von Computerspielen nachweisen konnte - wenn, dann werden im Gegenteil eher positive Wirkungen wie Stressabbau und Depressionsverminderung konstantiert, wie etwa in der Studie der Texas A&M International University. Auch Forscher der Ryerson Universität in Toronto widersprechen der landläufigen Meinung, dass Gewalt in Computerspielen Aggressionen fördert.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.07.2011, 12:38 Uhr

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181 Kommentare

Thomas von Euw

25.07.2011, 13:28 Uhr
Melden 44 Empfehlung

Ich würde die 11´000´000 WoW (World of Warcraft) Nutzer alle in vorsorgliche Schutzhaft nehmen, das sind tickende Zeitbomben. Antworten


Cris Fetscherin

25.07.2011, 14:21 Uhr
Melden 39 Empfehlung

War ja klar, dass das wieder kommt. Viel beängstigender müsste doch sein, dass praktisch alle Amokläufer Sportschützen waren. Am PC mit der Maus kann man nicht schiessen lernen, am Schiessstand hingegen sehr wohl. Wieso wird dann nicht über ein Verbot der Sportschützenvereine debattiert? Weil das absurd wäre? Richtig. Genauso absurd wie ein Verbot für Cpomputerspiele. Antworten



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