Neil Young rettet die Seele der Musik

Mit einer Kickstarter-Kampagne hat der Altrocker innert eines Tages 800'000 Dollar für einen Musikplayer eingefahren, der besseren Sound verspricht.

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Die MP3-Komprimierung hat die Seele aus der Musik gequetscht – dieser dezidierten Ansicht ist Altrocker Neil Young, dessen Markenzeichen verzerrte Gitarren und eine durch den Vocoder verfremdete Stimme sind. Er hat auf der Schwarmfinanzierungsplattform Kickstarter darum eine Kampagne lanciert, um die digitalen Mängel auszumerzen. Die Annehmlichkeiten der digitalen Musik in Verbindung mit der Emotionalität, die man aus der Vor-iPod-Ära kennt. Das ist das Versprechen von Ponomusic.

Im Zentrum von Youngs Mission steht ein dreieckiger Player, der ein bisschen wie eine zu kurze Toblerone aussieht. Der Player ist aber nicht alles – denn an hochwertigen Abspielgeräten mangelt es ja nicht. Um den Player mit Musik zu füllen, gibt es auch einen Store, in dem Musik in der höchstmöglichen Qualität zu erwerben ist: verlustfrei komprimiert im Flac-Format und viel feiner abgetastet, als das bei den Standardformaten der Fall ist. Vier Varianten werden gemäss FAQ erhältlich sein: von der verlustfrei komprimierten CD-Qualität über hochauflösend, höher auflösend bis zur ultrahohen Auflösung mit einer sagenhaften Datenrate von 9216 Kilobit pro Sekunde. Zum Vergleich: Das sind mehr Daten, als eine Film-DVD für Bild und Ton zusammen verwendet. Bei diesem Format wird die Musik 192'000-mal pro Sekunde abgetastet (bei der Audio-CD sind es 44'100-mal), und jedes Stück wird mit 24 bit gespeichert (die CD verwendet 16 bit). Die Musik im Store wird zwischen 15 und 25 Dollar pro Album kosten und sich auf allen kompatiblen Playern, nicht nur dem Pono, abspielen lassen.

Einen Nerv getroffen

Mit Ponomusic hat Young einen Nerv getroffen. In weniger als 24 Stunden erreichte die Kickstarter-Kampagne ihr Ziel von 800'000 US-Dollar. Inzwischen liegt der Stand bei über 1,1 Millionen Dollar – und steigt fröhlich weiter. Ein überraschender Erfolg: Bisher herrschte die Meinung vor, dass sich die Musikkonsumenten keinen Deut um Qualität kümmern. Die Plattenkäufer liessen den Loudness War, bei dem die Musik rücksichtslos auf maximale Lautheit getrimmt wird, mit wenig Protest über sich ergehen. Sie konsumieren die Musik mit billigsten Ohrstöpseln und annähernd zu Tode komprimiert. Und sie haben frühere Initiativen der Branche mit Verachtung gestraft. Sowohl die Super-Audio-CD als auch die Audio-DVD fristen ausserhalb der Klassikwelt ein Nischendasein.

Glaubwürdiges Engagement

Die Unterstützer auf Kickstarter kaufen Neil Young das Engagement für die Musik ganz offensichtlich ab. Ein Hauptgrund für den Erfolg dürfte sein, dass er kein weiteres Format propagiert, das alles Bisherige konkurrenziert und nur mit proprietärer Hardware läuft. Das Flac-Format ist seit Jahren bewährt. Es wird von vielen Programmen und Geräten unterstützt, und längst existieren auch Flac-Apps für Android- und iOS-Geräte. Auch Stores für unkomprimierte Musik gibt es bereits (zum Beispiel Hdtracks.com oder Bandcamp.com), doch Young verspricht nun ein ganzes «Ökosystem», das im Dienst des Hörgenusses steht. Er macht nicht den Fehler, in nostalgischer Verklärung der guten alten Analogzeit nachzuhängen, sondern sagt im Gegenteil, dass die Digitaltechnik nun endlich reif genug sei, ihre Vorteile auszuspielen. Namentlich, indem Flash-Speicherkapazitäten nun endlich gross genug sind, die grossen Datenmengen aufzunehmen, die bei hochauflösender Musik anfallen.

Der Player wird für 399 US-Dollar erhältlich sein und soll mit einem überragenden Digital-Analog-Wandler, rückkoppelungsfreien Schaltkreisen und Minimalphasenfiltern ganz auf störungsfreien Musikgenuss zugeschnitten sein. Wie viel besser das dann wirklich klingt – darauf kann man gespannt sein, wenn das Gerät im April erhältlich ist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 12.03.2014, 15:55 Uhr)

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