Digital

Rabattmarken im digitalen Zeitalter

Von Roger Zedi. Aktualisiert am 21.02.2011 1 Kommentar

Spar- und Kennenlern-Angebote sind das neue grosse Geschäft im Internet. Ganz vorne dabei ist die US-Firma Groupon.

Wenig sensibel, aber aufsehenerregend: Der Werbespot von Groupon, der mit vermeintlicher Sympathie für Tibet wirbt.

Wenig sensibel, aber aufsehenerregend: Der Werbespot von Groupon, der mit vermeintlicher Sympathie für Tibet wirbt.
Bild: PD

Die Apps

Die meisten Schnäppchen-Apps, die man im iOS App Store findet, beziehen sich ausschliesslich auf Deutschland und sind für die Schweiz unbrauchbar. Und nicht jede App, die einen Spar-Effekt verspricht, hält ihr Versprechen.

Toppreise.ch (gratis) ist die App des gleichnamigen Preisvergleich-Dienstes, mit diversen Gadget-Kategorien, die von Spielwaren bis Wein reichen. Angebote sind in der Regel online zu bestellen.

Tankguide (Fr. 1.10) ist ein bedingt empfehlenswertes Tankstellenverzeichnis mit Benzinpreisen. Die Preisangaben sind nicht aktuell, da sie von Nutzern eingegeben werden. User-Beteiligung funktioniert leider nicht in jedem Fall.

Shoppy (Fr. 2.20) zeigt Sonderangebote auf einer Karte an, derzeit werden Zürich und Bern bedient. Zu finden sind u. a. Kleider, Schmuck, Bücher, Games oder Menü-Angebote.

Auch bei der Telefonrechnung lässt es sich mit den richtigen Apps sparen. Solange man sich in einem WLAN befindet, verursachen diese Apps keine Kosten, via Mobilfunknetz gehen sie zulasten des Datenguthabens.

WhatsApp (Fr. 1.10) ist ein guter SMS- und MMS-Ersatz. Der Empfänger muss ebenfalls die App benutzen. Sie ist für iPhone, Blackberry, Android verfügbar, als Beta für Symbian.

Viber (gratis) verspricht kostenlose Anrufe, wenn beide Gesprächspartner die App verwenden. Die Sprachqualität lässt zu wünschen übrig, die Anrufe funktionieren nicht zuverlässig. Bisher nur für iPhone; Android und Blackberry sollen folgen.

Skype (gratis) bietet kostenlosen Chat, Videochat sowie Anrufe (gratis zu Skype-Anschlüssen oder günstige Anrufe aufs Telefonnetz). Die App gibt es für iPhone, Android und Blackberry.

FaceTime (gratis) ist die kosten-lose Videochat-Lösung von Apple für iPhone 4 (und Mac OS X). Funktioniert ausschliesslich im WLAN.(rcz)

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Öffentliche Entschuldigungen dürften für die erfolgsverwöhnte Firma Groupon etwas Neues sein. Letzte Woche aber kroch das weitherum bejubelte Vorzeige-Start-up-Unternehmen und der Liebling aller Sparfüchse zu Kreuze und bat die Welt um Verzeihung.

Zorn und Ärger hatten die Groupon- Werbespots ausgelöst, die rund 100 Millionen amerikanische TV-Zuschauer während der Superbowl – dem Final der American-Football-Profi-Liga – gesehen hatten: eindrückliche Bilder von tibetischen Klöstern, ein Schauspieler erzählt vom Leiden der Tibeter – und dann sitzt er plötzlich in einem tibetischen Restaurant in Chicago und schwärmt davon, wie viel er hier dank Groupon spart.

Bereits eine Milliarde Jahresumsatz

Ein anderer Spot widmet sich der Bedrohung der Wale, nur um anschliessend günstige Whale-Watching-Touren anzupreisen. Ein Dritter beginnt mit Bildern vom bedrohten brasilianischen Regenwald und bewirbt dann nahtlos eine Wachs-Haarentfernung mit den Worten: «Nicht jede Entwaldung ist schlecht.»

Viele Fernsehzuschauer empfanden diese Spots als zynisch, doch Groupons Ansehen haben sie offenbar kaum geschadet. Die Bekanntheit der Firma ist jedenfalls, wie beabsichtigt, weiter gewachsen. Das erst vor zwei Jahren gegründete Unternehmen macht mit seinen täglich online angepriesenen Rabatt-Aktionen bereits eine Milliarde Jahresumsatz und soll angeblich multimilliardenschwere Übernahmeangebote von Yahoo und Google ausgeschlagen haben. Jetzt plant man einen Börsengang, bei dem bis zu 15 Milliarden Dollar in die Kasse fliessen sollen.

Täglich Angebote in der Mailbox

Seit kurzem ist Groupon auch in der Schweiz aktiv. Wer seine E-Mail auf groupon.ch hinterlegt, dem flattern täglich Rabatt-Aktionen in die Inbox, etwa vergünstigte Massagen, Nachtessen oder Städtetrips (nach rund einer Woche wiederholt sich bereits einiges). Nur wenn genügend Leute an einer Aktion per Mausklick teilnehmen, findet sie auch statt. Das garantiert den Anbietern eine ausreichende Zahl an neuen Kunden. Lukrativ wird es, wenn die Schnupperkunden später wiederkommen und Produkte zum vollen Preis einkaufen.

Rund 50 Millionen Nutzer in Hunderten von Städten rund um den Globus machen bei Groupon mit. Wer also gehofft hatte, dass die allgemeine Geizgeilheit bald einmal ein Ende nimmt, wird ein weiteres Mal enttäuscht.

Facebook und Twitter als Unterstützung

Die Idee, sich als Kunden via Internet zusammenzutun, um so Mengenrabatte zu ermöglichen, ist nicht neu. Sie wurde schon Ende der Neunzigerjahre verfolgt, etwa auf letsbuyit.com. Jener Dienst ging damals aber mitsamt dem Rest der New Economy unter. Mittlerweile gibt es wieder ein ähnliches Angebot unter demselben Namen.

Heute sind die Erfolgschancen solcher Kennenlern-Rabatt-Dienste – man versteht sich nicht als reine Schnäppchenjäger wie damals – einiges höher. Das Internet ist ein etablierter Verkaufskanal, und die Integration in soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter stützt die Marketing-Aktionen von Groupon zusätzlich.

Ein Schweizer Anbieter, Meindeal.ch, hat die Groupon-Idee erfolgreich abgekupfert. Auch er verzeichnet hohe Zuwachsraten.

Coupons aufs Handy

Die Grossen im Internetbusiness wollen sich das Geschäft mit den Rabatten nicht entgehen lassen und springen auf den Zug auf. Google arbeitet an einem eigenen Dienst: Google Offers soll in den USA demnächst starten. Bereits aktiv, allerdings noch nicht in der Schweiz, ist die Alternative von Facebook, der grosse Chancen auf Erfolg zugesprochen werden. Facebook-Deals funktioniert etwas anders als die anderen Angebote. Die Angebote sind hier in Facebook Places integriert. Wer sich in einem Lokal eincheckt – sprich per Mobiltelefon seine Anwesenheit auf Facebook-Places bekannt gibt –, bekommt vor Ort direkt einen Rabatt auf ein bestimmtes Angebot. Noch sind die Angebote allerdings dünn gesät. Für ganz New York sind es gerade einmal deren sechs.

Sonderaktionen auf dem Smartphone anzuzeigen, das ist auch die Idee hinter Shoppy, einer in der vergangenen Woche lancierten App fürs iPhone (siehe Kasten). Entwickelt wurde sie in Bern von 89grad. Ein Team von sogenannten Scouts klappert für Shoppy täglich lokale aktuelle Angebote ab, die zum Beispiel auf einem Schild vor dem Laden oder im Restaurant angepriesen werden – und bringt diese auf das iPhone, wo sie dann auf einer Ortskarte angezeigt werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.02.2011, 10:05 Uhr

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1 Kommentar

Patrick Stähler

21.02.2011, 11:31 Uhr
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Lieber Tagi, schön, dass ihr immer Werbung für die Grossen macht, aber Schweizer Startups nicht erwähnt. In der Schweiz gibt es bessere als Groupon z.B. DeinDeal. Sie haben zwar das Groupon Geschäftsmodell kopiert, aber am Angebot merkt man, dass sie die Schweiz besser kennen als Groupon. Antworten



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