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Warum der Cablecom-Service nicht besser wird

Von Angela Barandun. Aktualisiert am 14.05.2009 73 Kommentare

Am schlechten Kundendienst der Cablecom wird sich auch unter dem neuen Chef nichts ändern. Denn guter Service ist den amerikanischen Besitzern das Geld nicht wert.

Die Cablecom hätte das Potenzial gehabt, eine zweite Swisscom zu werden. Sie hat ein eigenes, leistungsfähiges Netz. Sie versorgt eine Mehrheit der Schweizer Haushalte mit Fernsehen; einen Dienst, den die Kunden täglich nutzen. Sie arbeitet äusserst profitabel, profitabler als die Swisscom. Und: Die Cablecom hat sich bislang dem Zugriff der staatlichen Regulierung entzogen. Ein Umstand, der ihr gegenüber der Swisscom grosse Vorteile hätte verschaffen können.

Stattdessen ist die Cablecom heute das wohl unbeliebteste Unternehmen der Schweiz und spielt je länger, desto mehr bloss noch eine Nebenrolle auf dem Schweizer Telecom-Markt. Seit Jahren jagt ein Desaster beim Kundendienst das nächste. Fahrlässig verspielt die Cablecom jegliche Sympathien. Nicht einmal als Arbeitgeber ist sie mehr attraktiv: Wer will schon an jeder Party von neuem die Klagen seiner Mitmenschen anhören müssen.

Hinter dem miserablen Kundendienst steckt allerdings nicht etwa Unvermögen oder Pech, sondern Absicht. Und das wiederum hat mit der Geschichte der Cablecom zu tun – oder besser: mit der Historie ihrer Eigentümerstruktur.

Die Cablecom ist eine Milchkuh

In den letzten zehn Jahren hat die Kabelnetzbetreiberin dreimal den Besitzer gewechselt. Zuerst gehörte sie zu gleichen Teilen der Swisscom, Siemens und der deutschen Veba. Aus dieser Zeit stammt ihre ausgezeichnete Infrastruktur. Dann ging sie für 5,8 Milliarden Franken an die amerikanische NTL, welche sie die Schuldenlast für die Finanzierung des übertriebenen Kaufpreises selbst tragen liess und damit fast erdrückte. Danach wurde die Cablecom an eine Gruppe von Beteiligungsfirmen weitergereicht, die sie für einen Verkauf fit trimmte. Und so endete sie 2005 im Schoss des amerikanischen Konzerns Liberty Global, welchem sie bis heute gehört.

Zehn Jahre lang hatte kein Besitzer eine Vision für die Kabelnetzbetreiberin, bei allen endete der Zeit- und Investitionshorizont nach zwei, drei Jahren. Niemand war bereit, auch nur einen Franken in den Kundendienst zu investieren. Die Zufriedenheit der Kunden spielte keine Rolle, weil sie sich nicht in den Zahlen niederschlug. Mit dem TV-Anschluss verfügt die Cablecom über ein Quasi-Monopol, mit dem sich auch unzufriedene Kunden über Jahre hinweg schröpfen konnte. Kurz: Die Cablecom war eine attraktive Milchkuh.

An dieser Strategie hat sich bis heute nichts geändert, wie die jüngsten Kundendienstdesaster zeigen. Allerdings hat sich die Wettbewerbssituation verschärft: Der Markt für schnelles Internet ist gesättigt, Digital-TV gibt es auch bei der Swisscom. Die Folge: Seit letztem Sommer wächst die Cablecom nicht mehr, die Kundenzahlen sind erstmals rückläufig. Um die Zielvorgaben des – defizitären – Mutterkonzerns trotzdem zu erreichen, muss die Cablecom schärfere Geschütze hochfahren. Im September hob sie erst die Tarife für die Festnetztelefonie an und kündigte im Dezember den Abbau von 150 Stellen an.

Strategiewechsel gefordert

Seither werden intern jene Stimmen lauter, die einen Strategiewechsel fordern: Weg vom kurzfristigen Melken, hin zum langfristigeren Entwickeln. Dass sich der Mutterkonzern dagegen entschieden hat, dürfte mit ein Grund dafür sein, dass der langjährige Cablecom-Chef Rudolf Fischer Ende 2008 den Sessel räumte. Gut möglich, dass er resignierte. Immer wieder musste er der Öffentlichkeit erklären, wieso sich die Cablecom nicht um die Bedürfnisse ihrer Kunden schert.

In eine ähnliche Richtung deutet die Wahl des neuen Chefs, des Amerikaners Eric Tveter. Liberty Global hat sich für jemanden entschieden, welcher der eigenen Konzernleitung nahesteht – und damit gegen einen Kandidaten, der den Schweizer Markt und dessen Eigenheiten kennt. Auch die Tatsache, dass die Cablecom die Festnetzpreise per 1. Juli erneut erhöhen will, spricht gegen einen Strategiewechsel. Dann werden sich die Gesprächsgebühren innert eines knappen Jahres verdoppelt haben – in einem Markt, in dem die Preise seit Jahren nur noch sinken. Ein Grund, der gegen den Strategiewechsel gesprochen haben könnte, ist die finanzielle Situation von Liberty Global. Vielleicht kann es sich der Konzern heute einfach nicht leisten, heutige gegen zukünftige Gewinne zu tauschen.

Für die Schweizer Kunden bedeutet das, dass sich der Kundendienst auf absehbare Zeit nicht verbessert. Für den Telecommarkt Schweiz heisst das, dass der Swisscom weiterhin der ebenbürtige Konkurrent fehlt, vor dem sich das Unternehmen seit der Liberalisierung fürchtet. Und für die Cablecom bedeutet das, dass sie weiterhin an Bedeutung verliert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.05.2009, 10:40 Uhr

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73 Kommentare

Sacha Sommer

14.05.2009, 17:45 Uhr
Melden 1 Empfehlung

@ Ekisabetg Zücker: Die Swisscom musste CableCom auf Geheiss bürgerlicher Politiker verkaufen! Die Swisscom hätte CableCom nie verkauft. Das Hauptproblem ist die Monopolstellung der CableCom. Man hätte das Cable-Com Netzwerk verstaatlichen und dann den Anbietern zur Verfügung stellen sollen. Das gleiche hätte man auch mit dem Telefonnetzwerk der Swisscom tun sollen. Antworten


Rudolf Seiler

19.05.2009, 10:50 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Die Servicequalität bei Cablecom hängt stark vom Wohnort ab, weil sie als vom Staat völlig unregulierte Firma viele Kabelnetze der Konkurrenz zusammenkaufte. Nur waren deren Ausbaustandards höchst unterschiedlich. Dass hier neben der Swisscom eine zweite Marktmacht entstand, war vom Staat (ComCom, BAKOM) durchaus gewollt. Ich erlebe die Cablecom als vergleichsweise arrogant und bevorzuge Swisscom. Antworten



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