Was ist eigentlich NFC?

Swatch setzt bei seinen neuen Uhren darauf, viele Smartphones haben es, es steckt in Kreditkarten und Kopfhörern – ­ selbst an Postautohaltestellen sieht man es: Das kann die Technologie.

Mobiles Bezahlen: Nur eine von vielen Möglichkeiten, die NFC bietet. Foto: Rio Patuca (Alamy)

Mobiles Bezahlen: Nur eine von vielen Möglichkeiten, die NFC bietet. Foto: Rio Patuca (Alamy)

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«Wir sind eine Uhrenfirma, keine Unterhaltungselektronikfirma.» Diesen Satz wiederholte Nick Hayek an der Medienveranstaltung letzte Woche mehrfach. Die Swatch Group wolle keine Telefone aufs Handgelenk bringen, sie wolle ihre Uhren aber mit Zusatzfunktionen ein bisschen smarter machen. Die interessanteste Zusatzfunktion die präsentiert wurde, war ein NFC-Chip. Damit könnten vielleicht sogar alle künftigen Swatch-Uhren ausgerüstet werden, verkündete der Firmenchef. Da der Chip keinen Strom brauche, funktioniere er sogar in mechanischen Uhren. Weil es eine etablierte Technologie mit offenen Standards ist, könne jeder mit dem Chip machen, was er oder sie wolle.

Der Grundstein für die NFC-Technologie wurde 2004 gelegt, als Nokia, Sony und Philips das NFC Forum gründeten. Zwei Jahre später wurden die Standards für smarte Poster vorgestellt. So konnte man beispielsweise in einem Museum zusätzliche Informationen zu einem Bild abrufen, wenn man mit einem Lesegerät den in der Infotafel verbauten Chip berührte. Wegen der geringen Reichweite und aus Sicherheitsgründen ist fast immer eine Berührung nötig.

Vom Prinzip her funktioniert ein NFC-Chip wie ein kleines Postfach. Man kann darauf kurze Informationen – etwa Identifikationsnummern, Befehle oder Links – speichern, abrufen und verändern. Dazu braucht man nur ein Gerät, das ebenfalls einen NFC-Chip hat. Mit einem Smartphone etwa kann man NFC-Chips selbst beschreiben – vorausgesetzt, der Chip erlaubt den Schreibzugriff.

Smartphones, Kreditkarten, Kopfhörer

2006 wurde mit dem Nokia 6131, das erste NFC-fähige Handy vorgestellt. Inzwischen gibt es diese Funktion in den meisten neuen Smartphones, aber auch in Kreditkarten, Fernsehfernbedienungen, Kopfhörern, Fotokameras, Visitenkarten, Printwerbungen und Postautofahrplänen – häufig zur Überraschung ihrer Besitzer, die die Funktion nie bemerkt und schon gar nie gebraucht haben. Selbst Apples neuste iPhones der 6er-Reihe haben einen NFC-Chip. Allerdings ist der aktuell noch ausschliesslich für das Bezahlsystem Apple Pay reserviert. Ansonsten scheint der Konzern für den Moment Bluetooth mit seinem iBeacon-Dienst gegenüber NFC zu ­favorisieren.

Wer dagegen ein Smartphone mit uneingeschränktem NFC hat, kann schon heute folgende Sachen ausprobieren:

Die prominenteste Funktion ist das Bezahlen. Zahlreiche Banken, Kreditkartenanbieter, Technologiekonzerne und Ladenketten mit eigenen Diensten, Apps und Kundenbindungsprogrammen, tummeln sich in dem Bereich. Aktuell verderben die vielen Köche aber noch den Brei. Auch in anderen sicherheitssensitiven Bereichen, wie dem ­Öffnen von Autos, Hotelzimmern oder Wohnungstüren braucht die Technologie noch Eingewöhnungszeit.

Automatische Bluetooth-Verbindung

Deutlich alltagstauglicher ist das Verbinden verschiedener Geräte mit NFC. Wer beispielsweise einen Kopfhörer an ein Smartphone anschliessen möchte, hats einfach: Stecker rein und es läuft. Mit Funkkopfhörern ist es komplizierter. Da muss man bei beiden Geräten die Bluetooth-Suche aktivieren und – so sich die zwei auch finden – die Kopplung einleiten. Hier kann NFC entscheidend helfen. Hat der Kopfhörer auch einen solchen Chip, muss man nur Smartphone und Kopfhörer an den markierten Stellen aneinanderhalten und schon wird die Bluetooth-Verbindung automatisch hergestellt. Auf dem NFC-Chip sind alle nötigen Informationen gespeichert, die die zwei Geräte einander finden lassen. Ähnlich einfach funktioniert es etwa auch bei Fotokameras, die ihre Bilder per WLAN an ein Smartphone übertragen können. Ohne NFC muss man sich mit dem Smartphone erst ins WLAN der Kamera einwählen, bevor man die Fotos per App übertragen kann. Dank einer NFC-Berührung merkt das Telefon von selbst, dass es ins WLAN wechseln und die App öffnen muss. Hält man zwei Smartphones richtig aneinander, kann man so Fotos oder andere Dateien hin- und herschicken. Auf dieselbe Weise kann man bei Nintendo sogar Plastik­figuren mit einer NFC-Berührung in digitale Spielwelten übernehmen.

Die ursprüngliche Funktion der smarten Poster hat NFC aber nicht verlernt. Das Verlinken von Zusatzinhalten klappt ebenfalls auf Berührung. So gibt es beispielsweise Visitenkarten, die auf einem berührten Smartphone einen Link zur Website mit einem ausführ­lichen Businessprofil öffnen. An Post­autohaltestellen in der Ostschweiz zeigt das Smartphone nach der Berührung des NFC-Symbols ohne weiteres Zutun die nächsten Abfahrtszeiten. Man muss dazu keine Apps installieren. Das Smartphone öffnet in beiden Fällen automatisch den Browser, als hätte man wie in der digitalen Welt einen Link angeklickt. Vereinzelt wurde NFC sogar schon in Hochglanzmagazinen für aufwendige Werbeaktionen genutzt.

Für welche dieser Funktionen sich die neuen Swatch-Uhren dann bewähren, wird sich zeigen, wenn sie in einigen Monaten auf den Markt kommen.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 17.03.2015, 19:17 Uhr)

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Die Alternativen

RFID, Bluetooth und QR-Code

RFID (Radio-frequency Identification) funktioniert vom Prinzip her ähnlich wie NFC. Tatsächlich ist NFC eine Weiterentwicklung von RFID. Auf einem Chip (teilweise ohne Batterie) sind Informationen gespeichert, die aus der Distanz gelesen werden. Diese Technologie kommt heute etwa bei Reisepässen, dem automatischen Bezahlen an Maut-Stationen oder beim geplanten Swiss Pass zum Einsatz. Anders als NFC sind die Chips teilweise auf grössere Reichweite ausgelegt.

Bluetooth ist ein Funkstandard zur Datenübertragung zwischen zwei Geräten. Bei einem Smartphone dürfte die Reichweite in einem Haus bei 10 bis 20 Metern liegen. Anders als bei den anderen Diensten kann man darüber grössere Datenmengen, etwa Musik zu einem Lautsprecher, übertragen. Im Gegensatz zu RFID oder NFC ist Bluetooth auf eine eigene Stromversorgung angewiesen.

QR-Codes (Quick Response) sind die Lowtech-Alternative zu NFC. Statt eines Chips druckt man ein Pixel-Labyrinth auf eine Oberfläche. Die Kamera-App eines Smart­phones entschlüsselt das Bild und erkennt den darin verborgenen Link. Der Vorteil: QR-Codes sind billig und kommen ohne Chips aus. Der Nachteil: Man braucht ein Smartphone mit der entsprechenden App. QR-Codes kommen etwa in Zeitungen oder Werbungen zum Einsatz. (zei)


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