Digital

Worauf es beim TV-Kauf wirklich ankommt

Interview: Anatol Heib. Aktualisiert am 04.12.2010

Der Kauf eines Fernsehers ist so kompliziert wie noch nie. Ein Experte verrät, welche Funktionen entscheidend sind.

1/6 Fernsehkauf in den USA (1954). Damals war die Wahl einfach – es gab noch nicht einmal farbige Bilder. Aber natürlich waren auch die Möglichkeiten begrenzt. Es gab kaum Sender, kein Vollprogramm und von irgendwelchen Aufnahmemöglichkeiten konnte man nur träumen.
Bild: Keystone

   

Bildstrecke

Living in a Fernseh-Box

Living in a Fernseh-Box
So kompliziert war Fernsehen noch nie.

Links

Artikel zum Thema

Sich im Laden nicht von hochauflösenden Präsentationsfilmen beeindrucken lassen: Michael Wolf

Heimelektronik liegt auch dieses Jahr bei den Konsumenten hoch im Trend. Vor allem bei LCD- und Plasmafernsehern purzeln die Preise beinahe wöchentlich – und das sogar im lukrativen Weihnachtsgeschäft. Doch welches Modell ist das richtige fürs Wohnzimmer? Michael Wolf ist TV-Experte bei der Stiftung Warentest in Deutschland. Er hat in der Vergangenheit bereits für «Kassensturz» Fernseher unter die Lupe genommen und verrät im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet, worauf der Kunde beim Kauf achten sollte.

USB-Recording, Kontrast, DVB-T+ etc. Der Konsument wird von den TV-Herstellern mit unzähligen Features bombardiert. Worauf kommt es wirklich an?
Ein erstes wichtiges Kriterium ist die Grösse: Wer nur begrenzt Platz hat, braucht sich keinen Riesenfernseher ins Wohnzimmer zu stellen. Und auch wer aufs Geld achten will, ist mit einem guten, etwas kleineren Gerät besser beraten als mit einem schlechten grossen. Ausserdem ist es wichtig, auf welchem Übertragungsweg man fernsieht: Wer zum Beispiel vor allem Satellitenfernsehen empfängt, nimmt am besten ein Gerät mit integriertem Satelliten-Tuner. Bei ein und demselben Gerät kann es bei der Bildqualität deutliche Unterschiede geben, je nachdem, wie das Bild auf den Fernseher kommt. Manche Extras wie zum Beispiel die Möglichkeit, auf USB-Speicher aufzunehmen, können sehr praktisch sein. Andere, wie Heimnetz- oder Internetfunktionen sind eher etwas für Spezialisten.

Worauf sollte der Kunde im Fachmarkt achten?
Man sollte sich nicht von den tollen, hochaufgelösten Präsentationsvideos blenden lassen. Die sind darauf ausgelegt, die Geräte im besten Licht erscheinen zu lassen – und laufen in den Elektronikmärkten auf den Fernsehern, die bevorzugt verkauft werden sollen. Wenn möglich, sollte man sich die Geräte mit den Signalquellen vorführen lassen, die man auch zu Hause nutzt: Kabel- oder Satellit-TV? Fotos vom USB-Stick? Vielleicht auch eine mitgebrachte Lieblings-DVD? Die Aussichten auf so eine Privatvorführung sind allerdings beim kleinen, etwas teureren Einzelhändler sicher besser als beim Elektronik-Discounter.

Spielt es heute noch eine Rolle, ob man sich für LCD oder Plasma entscheidet?
Eine Zeitlang sah es aus, als habe sich das Thema Plasma erledigt. Jetzt versuchen einige Anbieter, diese Technik im Zuge des 3-D-Hypes doch noch durchzusetzen, weil Plasma-Schirme schneller schalten können als LCD-Schirme. Doch gilt weiterhin: Sie sind weniger hell und verbrauchen bei gleicher Bildfläche deutlich mehr Strom.

Aktuell wirbt die Branche mit 3-D-fähigen Fernsehern. Lohnt sich der Kauf bereits?
Es besteht keine Eile, sich einen 3-D-Fernseher anzuschaffen. Schliesslich sind 3-D-Fernseher noch teuer und die passenden 3-D-Inhalte noch ziemlich rar. Andererseits sind die beiden besten Fernseher in unserem aktuellen Test 3-D-Geräte. Deren Bildschirme müssen nämlich besonders hell und besonders schnell sein. Davon profitiert dann auch die klassische 2-D-Darstellung.

Wann ist ein Beamer die richtige Wahl?
Ein Beamer ist gut fürs Heimkino im Keller: Er bietet ein riesiges Bild, das man auch in einer grösseren Gruppe von Zuschauern geniessen kann, braucht aber einen gut abgedunkelten Raum.

Die TV-Grösse variiert stark. Welche Diagonale empfehlen Sie?
Technische Neuerungen setzen die Anbieter meist zuerst bei den grösseren Geräten ab 102 Zentimeter Bilddiagonale ein – die teuren Riesenfernseher sind also eher auf dem neuesten Stand. Doch sie brauchen Platz: Der Abstand zum Zuschauer sollte das Drei- bis Sechsfache der Bilddiagonale betragen.

Bei den Fernsehern werden unterschiedlichste Kontrastverhältnisse von 4 bis zu 10 Millionen genannt. Bei welchem Gebrauch spielt das Kontrastverhältnis wirklich eine Rolle?
Das Kontrastverhältnis ist an sich schon eine wichtige Grösse – besonders, wenn man auch bei heller Umgebung fernsieht. Aber die Herstellerangaben hierzu kann man getrost vergessen. Die Messungen sind nicht genormt und darum nicht vergleichbar. Oft erreichen Anbieter mit irgendwelchen Messtricks abenteuerlich hohe Werte, die nichts mit der Realität zu tun haben. Da verlässt man sich besser auf sein eigenes Auge oder auf unabhängige Testergebnisse.

Nach dem Kauf muss man oft noch das Bild justieren. Wie erreiche ich optimale Werte?
Wir prüfen auch die Voreinstellungen, mit denen die Fernseher ausgeliefert werden: Meist sind sie nicht optimal. Aber die perfekte Einstellung zu finden, ist eine Wissenschaft für sich. Als Faustregel kann man sagen, dass Bildeinstellungen wie Farbdynamik, Kontrast oder Schärfe eher etwas herunter geregelt werden sollten. Schaltungen zur verbesserten Bewegtbilddarstllung bringen oft eigene Bildfehler mit sich und werden bei vielen Fernsehern besser abgeschaltet.

Ein Problem der grossen Flachbildfernseher: Analoge Bilder sehen schlechter aus als auf den alten Röhren-TVs.
Tatsächlich ist es eine Herausforderung, niedrig aufgelöste, gar analoge Fernsehbilder in ansehnlicher Qualität auf einen grossen Fernsehschirm zu bringen. Das schaffen nur wenige Geräte wirklich gut. Aber es ist möglich: Im aktuellen Test schaffen es sogar zwei 102-Zentimeter-Geräte! Aber wer nur Standard-Fernsehen schaut, braucht eigentlich wirklich keinen so grossen Schirm. Technisch sind analoge Fernseh- und Videosignale nicht mehr zeitgemäss. Wer sich ohnehin einen teuren neuen Fernseher anschafft, sollte überlegen, auch auf digitales Fernsehen und auf Zuspielgeräte mit digitalem HDMI-Anschluss umzusteigen.

Viele Hersteller preisen an, dass man mit ihrem TV auch im Web surfen kann.
Das Surfen im Worldwide Web macht mit Fernbedienung und TV-Schirm wenig Spass. Wer dies auf dem Sofa tun will, ist mit einem Netbook oder einem Tablet-Rechner besser beraten. Trotzdem kann ein Netzwerk-Anschluss am Fernseher sinnvoll sein: Für Download-Videos, für bestimmte Dienstprogramme wie Skype oder auch fürs Einbinden ins Heimnetz. Bisher ist das aber wohl eher noch etwas für ausgewiesene Technikfreunde als für jedermann.

Die LCD- und Plasmafernseher galten lange auch als Stromfresser.
Beim Stromverbrauch hat sich einiges getan. Besonders Fernseher mit LED-Hintergrundbeleuchtung sind oft vergleichsweise sparsam. Wie hoch der Verbrauch eines Fernsehers ist, hängt natürlich auch von der Bildgrösse ab. Die sparsamsten 102-Zentimeter-Geräte im aktuellen Test brauchen im Betrieb weniger als 80 Watt. Hier sind die Herstellerangaben unserer Erfahrung nach übrigens meist recht verlässlich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.12.2010, 09:55 Uhr

Digital

Populär auf Facebook Privatsphäre

Telefonbuch

Marktplatz

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.