Zwischen Plausch und Propaganda
Von Christoph Kummer. Aktualisiert am 31.10.2011 16 Kommentare
Es ist das Duell des Jahres zwischen «Battlefield 3» und «Call of Duty: Modern Warfare 3», zwei Blockbuster-Videospielen, die in diesen Tagen erscheinen. Gerüchten nach sollen die Produzenten Electronic Arts und Activision je rund 100 Millionen US-Dollar in das Marketing für die Spiele investiert haben.
So flimmert zurzeit auch in den Kinos ein Trailer von «Battlefield 3» über die Leinwand. Die Spiele werden wohl Rekorde brechen: Analysten prophezeiten, dass beide zusammen über 20 Millionen Mal verkauft werden. Zum Vergleich: Die erfolgreichste DVD des letzten Jahres war «Avatar». Sie ging 10 Millionen Mal über den Ladentisch. Doch «Battlefield 3» (BF3) und «Modern Warfare 3» (MW3) sind Kriegsspiele, die Nutzer in die Haut von Soldaten schlüpfen lassen.
Ist Krieg sexy?
Das Genre ist von jeher beliebt. Das futuristische «Spacewar!» aus dem Jahr 1961 gilt als erstes weit verbreitetes Videospiel. Damals aber war die Grafik noch primitiv, alles wurde der Fantasie des Spielers überlassen. Was heute über den Bildschirm flimmert, sieht real aus. Die Waffen, die Umgebung – alles fotorealistisch. Man steuert den Soldaten aus der Ego-Ansicht, zielt, schiesst und rennt. Die Bilder sind kaum von echten Videoaufnahmen aus dem Krieg zu unterscheiden.
Kriegsspiele sind Filme zum Mitspielen, doch Game-Entwickler beleuchten im Gegensatz zu vielen Filmregisseuren Krieg nicht kritisch. Er wird im Gegenteil oft sexy dargestellt. So werden in einem Werbespot zu BF3 die geradezu ästhetisch inszenierten Kampfszenen mit einem Song von Rapper Jay-Z unterlegt.
Ein möglicher Grund für diese unkritische Herangehensweise ist der Einfluss des Militärs. «Wir arbeiteten eng mit Militärexperten zusammen», sagt BF3-Entwickler Alexander Gröndal. Politik aber bleibe aussen vor. «Wir wollen kein politisches Statement abgeben. Wir wollen eine Geschichte erzählen und unsere Fans unterhalten», so Gröndal.
Doch wo endet der Spass, und wo beginnt die Verherrlichung? Kritiker könnten argumentieren, dass Kriegsspiele heute wirtschaftlich wie gesellschaftlich einen so hohen Stellenwert haben, dass ihre Urheber mehr Verantwortung übernehmen sollten.
Emotionale Erfahrung
Danjel Bout aus den USA diente im Irakkrieg. Er schreibt einen Blog, der vom amerikanischen «Time Magazine» als einer der besten Soldatenblogs bezeichnet wurde. Befragt nach seiner Meinung zu Kriegsspielen, schreibt Bout in einer E-Mail: «Ich spiele sie nicht, aber sie stören mich auch nicht. Für mich ist völlig klar, warum sie so beliebt sind: Die Leute wollen etwas erfahren, das sie im echten Leben nicht erfahren können.»
Gamer wollen sich auch messen. Wettkämpfe stehen bei fast allen erfolgreichen Videospielen im Mittelpunkt, und der Krieg ist hierbei die extremste und emotionalste Form. Im Internet messen sich die Nutzer mit Dutzenden von Gleichgesinnten. Sie entwerfen Taktiken und ziehen gemeinsam in die virtuelle Schlacht.
BF3 ist besser
Doch welches ist denn nun besser, rein nach Game-Massstäben beurteilt? BF3 und MW3 sind sehr ähnlich, und zu bemängeln gibt es nur wenig. Störend bei beiden ist, dass die Freiheit im Einzelspielermodus auf der Strecke bleibt. Insgesamt wirkt BF3 jedoch ausgereifter, was die Animationen, das Leveldesign und die künstliche Intelligenz anbelangt. MW3 ist eher ein Aufguss, der kaum Neues im Vergleich zum Vorgänger bietet. Und auch online ist BF3 stärker, da man Panzer und Jets steuern kann.
US-Soldat Bout, der sich beide Neuerscheinungen genau angesehen hat, bevorzugt BF3: «Die Kampfszenen decken sich eher mit meinen Erfahrungen als jene in ‹Modern Warfare 3›. Vor allem wegen der Details wie beispielsweise das Wegziehen von getroffenen Kameraden oder Landschaftsmerkmale, die typisch für den westasiatischen Raum sind.» Doch Danjel Bout betont auch: «Als realistisch würde ich allerdings keines der Spiele bezeichnen.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 31.10.2011, 11:59 Uhr
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16 Kommentare
Unkritisch?
Gerade bei BF3 stirbt ma oft ohne etwas "falsch" gemacht zu haben. Hauswände fliegen einem um die Ohren und auch andere Dinge- also plastischer kann die Sinnlosigkeit und absolute Brutalität des Krieges in meinen Augen nicht aufgezeigt werden.
Antworten
Wann schreiben im Tagi einmal Leute mit Ahnung von Computerspielen? BF3 und MW3 unterscheiden sich vor allem im Multiplayermodus. BF3 ist viel mehr auf Teamplay ausgelegt als MW3. Dass es in solchen Shootern nie kritische Töne zum Krieg gibt, stimmt nicht ganz, aber sie sind zugegebenermassen eher selten. Das trifft aber auch auf zahlreiche Actionfilme zu. Antworten
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