Nintendo Switch – etwas für Mutige

Über weite Strecken gefällt die neue Konsole. Es gibt aber auch ein paar Wermutstropfen.

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Nintendos neue Switch-Konsole ist seit dem 3. März weltweit in den Läden. Sie ist aus zwei Gründen höchst interessant. Zum einen setzt sie auf ein völlig neues Spielkonzept. Und zum zweiten hängt Nintendos Zukunft wesentlich vom Abschneiden der Switch ab: Einen zweiten Konsolen-Misserfolg wie ihn die Vorgängerin Wii U aufs Spiele-Parkett legte, würden die Japaner kaum überleben. Deshalb muss die Switch unbedingt abheben.

Die Zeichen für Letzteres stehen schon mal nicht schlecht. So sollen die Japaner in den ersten Wochen weltweit rund 1,5 Millionen Stück verkauft haben, wie das Marktforschungsunternehmen Superdata herausgefunden hat. Dazu hat es laut Gamesindustry.biz Daten der GFK und des japanischen Magazins «Famitsu» verwendet, was zu einigermassen realitätsnahen Ergebnissen führen sollte.

Nintendo selbst gibt keine Verkaufszahlen bekannt, nur soviel: "Nintendo Switch hat sich am Launch-Wochenende sowohl europaweit als auch in der Schweiz besser verkauft als jede andere Nintendo-Konsole im Zuge ihres Marktstarts." Darüber hinaus sei Zelda der erfolgreichste Nintendo-Konsolen Launch-Titel in Europa: "Selbst Wii Sports, das bisher diesen Titel trug und anfangs jeder Wii beilag, setzte am ersten Wochenende nicht so viele Exemplare ab", heisst es im offiziellen Statement von Nintendo Schweiz.

In der Schweiz ist die Switch bereits ausverkauft. Wann man mit Nachschub rechnen kann, gibt Nintendo nicht bekannt, es wird empfohlen, "sich im Einzelhandel über die Warenverfügbarkeit zu informieren".

Was gefällt:

Zwei in einer. Die Switch verwirklicht einen Gamertraum, weil man das Game, das man auf dem TV spielt, unterwegs weiterspielen kann und umgekehrt. Sie ist Portabel- und Fix-Konsole in einem und der «Switch» funktioniert wirklich gut: Steckt man das Tablet in die Dock-Station, erscheint das Bild sofort am TV. Dann zieht man die beiden Joy-Cons ab, das sind die beiden Gamepads links und rechts vom Tablet – das geht ganz leicht, wenn man es mal raushat – und spielt am TV weiter. Dazu steckt man sie entweder in die mitgelieferte Halterung und bekommt so einen ausgewachsenen Gamecontroller, der bestens in meiner Hand liegt (andere Tester monieren, er sei zu klein). Oder man spielt einzeln mit den Joy-Cons, ähnlich wie mit einer Wiimote.

Die Vielseitigkeit. Dieses Konzept macht die Switch extrem vielseitig, das heisst, unterschiedlichste Gamer, vom Wii-Gelegenheitsspieler im Seniorenalter, über den Hardcore-Gamer bis zur Handyzockerin können mit der Switch Spass haben.

Neue Spielideen. Das originelle Konzept öffnet gleichzeitig den Weg für neue Spielideen. Eine Ahnung davon gibt die Spielesammlung «1,2 Switch», wo es um Geschicklichkeit und Reaktion geht und der Bildschirm gleichzeitig in den Hintergrund tritt. Das hat es beim Konsolenspiel noch nie gegeben! Vom Fernseher kommt nur noch die Spielanleitung und das Kommando.

Die Mini-Spiele, mehr als 30, schlagen sofort ein. Im Nu waren drei Stunden um, es wurde viel gelacht und geschwitzt, am Ende müffelte es recht und manche Mitspieler trugen nur noch den nötigsten Stoff am Leib. Cool ist, dass Gross und Klein, Jung und Alt mitmachen können – und nicht selten gewinnen eben die Kleinen oder die Nicht-Gamer!

Im «Cowboy-Duell» geht es etwa darum, auf Kommando schneller als das Gegenüber die Pistole, also den Joy-Con, zu ziehen und abzudrücken. Den Yogis unter den Spielern hat das «Zen»-Spiel besonders gefallen, bei dem man eine wählbare Yoga-Haltung einnimmt und möglichst lange ruhig in ihr verharren muss. Die Joy-Cons «merken», wer sich stärker bewegt – der hat verloren. Für Nicht-Yogis (wie mich) ganz schön anstrengend!

Die 11-jährige Tochter hat sich besonders beim «Tanz mir nach»-Spiel amüsiert – Kunststück, hatte sie auch die besten Move-Ideen auf Lager (und ich kann andere Dinge besser als nachtanzen). Das Pingpong-Spiel hat uns alle nicht sehr überzeugt, weil nicht klar wird, worauf es dabei ankommt. Und mein persönlicher Favorit ist das Safeknacken, obschon ich immer verliere. Hier laufen die eingebauten Bewegungssensoren der Joy-Con mit Rumble-Funktion zur Hochform auf. Es geht darum, das Rad am Safe, den Joy-Con, vorsichtig zu drehen und den Code zu knacken, indem man spürt, wenn das Rad einrastet. Schwierig, aber möglich.

Auch im Partyspiel «Just Dance 2017» von Ubisoft, das schon für die Switch zu haben ist, sind die Teenies klar besser als ich. Kein Problem, wir tanzen einfach als Team. Das Tanzen mit Joy-Cons in der Hand geht übrigens besser, als wenn man Handys halten muss.

«Zelda». Das neue «The Legend of Zelda: Breath of the Wild» setzt für mich persönlich einen Glanzpunkt. Es ist das erste Spiel der Kultserie, das in einer offenen Welt spielt und auch ich als Gelegenheitsspielerin habe Spass, weil ich von Monstern nicht sofort gemeuchelt werde und nicht immer wieder dieselbe Herausforderung repetieren muss, wenn ich sie nicht geschafft habe (etwa von Dach zu Dach zu springen...).

Es lohnt sich, als Link die Aufgaben nicht linear abzuspulen, sondern in der herrlichen Landschaft von Hyrule etwas umherzuschweifen, mit Leuten zu sprechen, Wildschweine zu jagen, Rätsel zu lösen, Äpfel zu braten, Bäume zu fällen oder durch die Lüfte zu paragliden. Das hat etwas von Ferien. Böse Kreaturen gibt es natürlich auch, aber bis jetzt kann ich denen den Meister zeigen. Oder ich schleiche einfach an ihnen vorbei.

Die Grösse. Die Konsole braucht extrem wenig Platz und ist sehr leicht, man kann sie bequem auch auf Reisen mitnehmen.

Das gefällt weniger:

Unterwegs zocken. Dafür finde ich die portable Switch etwas zu gross und ein My zu schwer. Im Sitzen gehts besser, wenn man die Arme auf die Knie legt.

Der Akku. Er hält leider nicht sehr lange. Nach 3 Stunden ist er bei «Zelda» leer, schreiben Journikollegen – ich, I confess, kanns nicht sagen, weil ich schlicht noch nie so lange am Stück gezockt habe.

Spieleauswahl. Noch gibt es wenig Games für das japanische Wunderteil. Laut Nintendo kommen aber laufend neue dazu, noch im April wird «Mario Kart 8 Deluxe» erscheinen, «ARMS» noch im Frühling, «Splatoon 2» im Sommer, «Fire Emblem Warriors» im Herbst, «Super Mario Odyssey» zur Weihnachtssaison und «Xenoblade Chronicles 2» ebenfalls noch 2017 und im neuen E-Store sollen Ende 2017 über 60 Indie-Titel verfügbar sein. Optimistisch stimmt auch die Nachricht, dass die wichtigsten Entwickler der Branche wie EA, Activision, Ubisoft angekündigt haben, Games für die neue Switch zu entwickeln.

Der Preis. Das Vergnügen kostet was. Mit 350 Franken ist die Switch eher teuer (die Konkurrenzkonsolen PS4 Slim von Sony und Microsofts Xbox One S kosten rund 100 Franken weniger. Und auch das Zubehör schenkt ein: Ein zusätzlicher Switch-Pro-Game-Controller kostet stolze 70 Franken, das «Zelda»-Spiel ebenso.

Fazit: Nintendo hat eine Konsole aufgelegt, die ihresgleichen sucht, Spass macht und viel Potenzial hat. Die Japaner haben damit einmal mehr Mut zur Einzigartigkeit bewiesen. Belohnen wir die Kühnheit und zeigen auch etwas Wagemut, indem wir zugreifen. Die Games kommen dann von allein. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.03.2017, 12:16 Uhr

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