Eine Vision für Android

Das neue Smartphone von Google überzeugt mit einem schlichten Design und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit dem neuen Gerät führt Google zugleich vor, wie die Zukunft für Android aussieht.

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Schlicht, unauffällig: Wie das Äussere gestaltete sich auch die Lancierung des neuen Google-Flaggschiffs. Gleich wie die Vorgänger landet das Nexus 5 ohne Fanfaren im Verkauf. Nach einer knappen Woche mit dem Smartphone in der Tasche zeigt sich: Im Alltag überzeugt das Nexus 5 mit einer schlanken, schnellen Oberfläche ohne überflüssigen Ballast. Während andere Hersteller «ihr Android» meist aus- und umbauen, setzt Googles Nexus-Reihe auf eine unmodifizierte Version. Dabei kommt beim Nexus 5 die neueste Inkarnation von Android zum Einsatz, «Kitkat». Wer sich an den Zusatzapps und Widgets stört, die besonders Samsung auf seinen Geräten vorinstalliert, findet beim Nexus 5 eine erfreulich puristische Oberfläche vor.

Smartphone für Puristen

Gleiches gilt für das Äussere: Das Nexus 5 kommt in einem schlichten, matten Finish daher und hält sich mit Designelementen zurück. Die leicht gummiartige Oberfläche des Gehäuses fühlt sich aber wertig an. Für seine Grösseklasse ist das Gerät handlich. Der Vorgänger Nexus 4 war trotz eines kleineren Displays schwerer und dicker.

Der Name spielt dieses Mal auch auf die Gerätegrösse an: Das fünfte Gerät der Nexus-Reihe bringt ein 5-Zoll-Display (12,5 Zentimeter Bildschirmdiagonale) mit. Das Full-HD-Display überzeugt, könnte allerdings etwas heller sein.

Die Nexus-Reihe setzte schon immer auf Tempo. Hier macht auch das Nexus 5 keine Ausnahme, so wirkt das Gerät beinahe übermotorisiert. Ein flotter 2,3-Gigahertz-Prozessor sorgt für Bedienung ohne Verzögerungen und wäre für die meisten Anwendungen gar nicht nötig. Im Alltagseinsatz beeindruckt die Performance, Ruckeln beim Scrolling oder anderen Effekten gibt es nicht. Beim Speicher fährt der Hersteller zwei Varianten auf, 16 oder 32 Gigabyte stehen zur Wahl. Ein Hauptknackpunkt im Handyalltag ist die Batterielaufzeit. Produzent LG verbaut im Nexus 5 einen schwächeren Akku als Sony oder Samsung bei ihren aktuellen Flaggschiffmodellen. Hier glänzt das Gerät nicht, bei durchschnittlicher Nutzung kommt man aber trotzdem durch den Tag.

Smartphone-Kameras sind heutzutage kein Beiwerk mehr, mit ihnen steht und fällt der Gesamteindruck jedes Geräts. Nichts Besonderes liefert hier das Nexus 5, mit acht Megapixeln bietet das Gerät solide Standardkost. Auch sonst ist die Kamera durchschnittlich. Allerdings begeistern die von Google eingeführten Bearbeitungsoptionen, die von einer Instagram-ähnlichen Filterfunktion bis hin zu detaillierten Bildwert-Anpassungen reichen. Die Kamera-App bietet mit Photo-Sphere wie der Vorgänger einen Modus, mit dem sich Rundum-Ansichten aus Einzelbildern machen lassen, was gut funktioniert.

Showcase für die Smartphone-Zukunft

Insgesamt liefert das Nexus 5 ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis (Version mit 16 GB Speicher ab 450 Franken). Vor allem interessant ist das Gerät zudem als Blick auf Googles Vision mobiler Geräte. So liefert das Nexus 5 Hinweise darauf, wo Google mit Android längerfristig hinwill. Einzeln betrachtet sind die Neuerungen mit Version 4.4 eher unspektakulär. Bei der vermutlich zuerst auffallenden Neuerung wandelt man in den Fussstapfen von Apple. Google führt nämlich den Posteingang für SMS und seine Nachrichtenapp Hangouts zusammen, wie es Apple bereits mit iMessage verfolgt. Diese und die übrigen Neuerungen dürften Android-typisch nach und nach auf allen neueren Geräten Einzug halten. Seit gestern liefert der Play Store bereits die neue Hangouts-App aus.

Die Detailanpassungen deuten den Trend zur barrierelosen, modularen Oberfläche an. Das Paradeprojekt ist Google Now. Ihr räumen das Nexus 5 und Android 4.4 neu einen Logenplatz ein: Google Now ist mit einer Wischgeste nach links vom Homescreen aus erreichbar. Gleichzeitig wird klar: Google baut zielstrebig die Anbindung an seine hauseigene Cloud aus. Ob für Fotos, Geodienste oder anderes: Android rückt mobile Geräte zunehmend näher an Googles Webdienste heran.

Wichtiger wird ausserdem die zunehmend ausgebaute Meldungszentrale, die beim Herunterziehen der Nachrichtenleiste erscheint. Früher bloss ein Sammelbecken von Push-Mitteilungen, baut sie Google Stück für Stück zur Kommandozentrale aus. Hier erhalten abhängig vom Kontext und der momentanen Nutzung Apps flexibel Platz, um Informationen darzustellen. Eine Entwicklungsrichtung, aus der künftig mehr zu erwarten ist.

Das Nexus 5 wurde uns von Digitec.ch zur Verfügung gestellt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 08.11.2013, 14:16 Uhr)

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