Facebook kann Wachstumstempo nicht halten

Kurz vor dem Börsengang wächst Facebook langsamer. Für die Aktionäre blieb sogar weniger als im Vorjahr. Die Truppe um Zuckerberg kaufte von Microsoft zahlreiche Patente – und änderte die Nutzungsbedingungen.

Ende März 2012 waren es 901 Millionen aktive Nutzer: Eine Collage von Profilbildern im neuen Datenzentrum von Facebook in Forest City, North Carolina. (19. April 2012)

Ende März 2012 waren es 901 Millionen aktive Nutzer: Eine Collage von Profilbildern im neuen Datenzentrum von Facebook in Forest City, North Carolina. (19. April 2012) Bild: AFP

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Trotz einer weiteren Wachstumsverlangsamung stieg der Umsatz von Facebook (FB 74.82 1.31%) im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar (rund 960 Millionen Franken). Vom Jahr 2009 aufs Jahr 2010 hatte das Plus jedoch noch bei 154 Prozent gelegen. Von 2010 auf 2011 waren es immerhin noch 88 Prozent mehr gewesen.

Auch beim Gewinn musste das weltgrösste soziale Netzwerk Abstriche machen. Auf die gewöhnlichen Aktionäre entfielen 137 Millionen Dollar und damit 10 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus dem am Montag aktualisierten Börsenprospekt hervor.

Viel Geld für Marketing und Entwicklung

Grund für den Rückgang waren demnach unter anderem deutlich gestiegene Marketing- und Entwicklungskosten. Facebook hatte Ende März 901 Millionen aktive Nutzer. Angesichts der weiten Verbreitung trauen Beobachter dem Unternehmen einen Börsenwert von 100 Milliarden Dollar zu.

Facebook verdient sein Geld mit Werbung und gehört damit zu den Rivalen von Google und Yahoo. Das genaue Datum für den Börsengang ist weiterhin unklar.

Zahlreiche Patente gekauft

Kurz vor seinem Börsengang kauft Facebook für 550 Millionen Dollar zahlreiche Patente von Microsoft. (MSFT 45.43 1.23%) Dabei gehe es um 650 Patente oder Anwendungen, die Microsoft selbst erst jüngst von AOL erworben habe, teilten beide Firmen am Montag mit. AOL hatte Anfang April angekündigt, einen Grossteil seiner Patente für rund eine Milliarde Dollar an Microsoft zu verkaufen. Facebook will voraussichtlich im Mai an die Börse gehen.

Weltweit bemühen sich Technologiekonzerne, ihren Bestand an Patenten aufzustocken, um sich dauerhaft Lizenzen und damit Einnahmen zu sichern. Beispielhaft für Streitigkeiten in dem Bereich sind die Klagen, mit denen sich Yahoo und Facebook jüngst gegenseitig überzogen. Kreisen zufolge soll auch Google Interesse an den AOL-Patenten gehabt haben, die letztlich Microsoft erwarb.

Nutzungsbedingungen erneut überarbeitet

Facebook will den umstrittenen Entwurf für seine neuen Nutzungsbedingungen überarbeiten. Das Soziale Online-Netzwerk stellte am Wochenende eine modifizierte Version zur Diskussion, die Mitglieder bis Freitagnacht (27. April) kommentieren können. Damit sie Einfluss nehmen können, müssen sie allerdings hohe Hürden nehmen. Facebook wies nur einen Bruchteil seiner 845 Millionen Mitglieder aktiv auf die neuen Vorschläge hin: Sie werden lediglich auf der Seite «Facebook Site Governance» veröffentlicht. Nur gut 2,1 Millionen Nutzer abonnieren die Einträge dieser Gruppe, die unter dieser Adresse zu finden ist.

Facebook erklärte, dass die Kommentare «bei der Entscheidung helfen, ob wir einen bestimmten Vorschlag übernehmen oder noch einmal überdenken, oder ob eine Abstimmung erforderlich ist.» Das Online-Netzwerk will bei mehr als 7000 Kommentaren zu einer einzelnen Änderung mehrere Alternativen vorschlagen.

Hohe Abstimmungsbeteiligung gefordert

Die Hürde ist allerdings hoch: Weltweit müssten sich mindestens 30 Prozent der aktiven Nutzer an einer solchen Abstimmung beteiligen, damit Facebook das Ergebnis anerkennt. Nach derzeitigem Stand wären das mehr als 281 Millionen Mitglieder.

Facebook hatte im März eine neue Version seiner «Erklärung der Rechte und Pflichten» veröffentlicht. Diese war unter den Nutzern auf Kritik gestossen: Allein in Deutschland gab es rund 36'000 Kommentare. Die Datenschutzbeauftragten von Hamburg und Schleswig- Holstein kritisierten, die neuen Regeln schränkten die Rechte der Nutzer weiter ein. So behalte sich das Unternehmen vor, weitere Änderungen an den Nutzungsbedingungen vorzunehmen, ohne die Zustimmung der Nutzer einzuholen. (rub/sda)

(Erstellt: 23.04.2012, 22:37 Uhr)

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