«Surreal, wie weit wir so gekommen sind»

Fans sind das A und O auf Facebook. Ein Zürcher Architektenverlag schafft mit wenig Aufwand das, was Topfirmen nur mit viel Geld erreichen.

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Schweizer Grossunternehmen geben viel Geld aus, um auf Facebook eine gute Falle zu machen. Ihr Engagement zahlt sich jedoch nur selten richtig aus. In der Regel kommen bekannte Firmen nicht über die 100'000-Fan-Marke hinaus. Die Zahlen sind ernüchternd: Die Migros hat gerade mal rund 60'000 Fans, obwohl Social Media fast schon das Fundament der Onlinestrategie ausmachen. Das Gleiche gilt für den Telecomkonzern Swisscom. Dieser kommt auf knapp 90'000 Fans, was wenig ist, wenn man bedenkt, dass die Firma sich äusserst dialogstark gegenüber Usern zeigt, schnell auf Anfragen reagiert und regelmässig Kunden mit Promotionsmaterial ködert. Einen Achtungserfolg verbucht die Swiss mit rund 110'000 Fans.

Führende Schweizer Facebook-Seite

Was grosse Firmen nur mit viel Einsatz von Geld und Personal schaffen, kriegt ein «Nobody» spielend hin. Die Rede ist von den World Architects. Der Verlag mit Sitz in Zürich ist seit zwei Jahren auf Facebook mit einer Fanpage präsent. Heute zählt die Seite rund 220'000 Fans. Das macht die World Architects wohl zur führenden Schweizer Facebook-Seite, wenn man jene von Tennisstar Roger Federer oder gewissen Konsumgütern wie Toblerone oder Kitkat nicht mit einrechnet.

Imposant wirkt nebst der Anzahl Fans auch ein anderer Messwert: Fast 6000 User waren in den letzten sieben Tagen auf der Seite aktiv, hinterliessen Kommentare oder verlinkten die veröffentlichten Inhalte auf ihren Profilen. Nimmt man das als bare Münze in der Welt von Social Media, spielen auch hier die Architekten in einer anderen Liga als so manche bekannte Schweizer Topmarke.

Ohne multimedialen Schnickschnack zum Erfolg

Verantwortlich für die Facebook-Präsenz der World Architects ist António Sérgio Moreira. Im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet erklärt der Architekt und Kurator, dass er und seine Kollegen keine bestimmte Strategie verfolgen würden. «Um ganz ehrlich zu sein, wir bieten einfach interessante Inhalte an», sagt Moreira. Mehr gebe es eigentlich nicht zu sagen.

Tatsächlich ist der Auftritt einfach gehalten. Statt mit Apps oder anderem interaktiven Schnickschnack die User bei Laune zu halten, stellt Moreira einfach täglich Fotos und Informationen von aktuellen Projekten auf Facebook: «Was wir auf Facebook veröffentlichen, finden die User auch auf unserem Portal.» Selten kommentiert das Team, sondern lässt oft Bilder für sich alleine sprechen. Die Community dankts: Sie diskutiert und «likt» die Inhalte engagiert – auch wenn teilweise etwas gar auffallend kurz und knapp. Moreira erklärt: «Es wirkt fast schon etwas surreal, wie weit wir so gekommen sind.»

Werbung kein Thema mehr

In Werbung haben die Architekten übrigens nur einmal investiert. Vor zwei Wochen versuchten Moreira und sein Team mit Anzeigen, sogenannter Facebook-Ad, die Besucherzahl zu erhöhen. 60 Schweizer Franken wendeten sie für die Übung auf. Der Erfolg war allerdings bescheiden, der Traffic war marginal. Moreira meint: «Wir sahen uns bestätigt, dass wir mit unseren Inhalten weit mehr erreichen.»

Im Gegensatz zu Topfirmen, die teilweise mehrköpfige Teams für Social-Media-Projekte beschäftigen, wendet Moreira nur wenige Stunden in der Woche für die Pflege der Seite auf. «Mehr ist auch nicht nötig», erklärt der Architekt.

(lü)

(Erstellt: 22.02.2012, 16:02 Uhr)

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