«Verdammt, ich brauche eine Niere»
Von Christian Lüscher. Aktualisiert am 21.12.2011
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Der Grossteil der Meldungen, die auf dem Webdienst Twitter publiziert werden, lösen in der Regel wenig aus. Selten haben Postings der Zwitschergemeinde einen unmittelbaren Effekt im realen Leben der Nutzer. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Immer wieder schaffen einzelne Tweets das scheinbar Unmögliche. Der Kurznachrichtendienst listet seit November Geschichten auf einer Webseite auf, in denen Twitter-Meldungen tatsächlich eine tragende Rolle spielten. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat eine Auswahl der besten Twitter-Storys 2011 getroffen.
«Verdammt, ich brauche eine Niere»
So zum Beispiel die Story des US-Musikers Chris Strouth. Drei Jahren lebte der Mann mit einer kranken Niere und brauchte unbedingt eine Transplantation. Aus Verzweiflung, weil er nicht mit einer sofortigen Organspende rechnen konnte, twitterte er: «Verdammt, ich brauche eine Niere.» Tatsächlich bekam er eine Antwort. Innerhalb weniger Tage meldeten sich 19 Personen und boten ihm ihre Hilfe an. Scott Pakudaitis spendete schliesslich eine Niere und rettete das Leben von Strouth.
Nach 11 Jahren Tochter gefunden
Twitter änderte offenbar auch das Leben von Daniel Morales aus New York. Mithilfe eines Prepaid-Handys erstellte der ehemalige Obdachlose ein Twitter-Profil. Morales lebte jahrelang ohne seine Tochter Sarah Rivera. Um sie zu finden, veröffentlichte der Mann seine Handynummer, Sarahs Name und ein Foto von ihr im Alter von 16 Jahren. Die Nachricht verbreitete sich unter seinen Followern und in deren Netzwerken. Die Tochter meldete sich schliesslich am nächsten Tag. Zwei Tage später trafen sie sich nach elf Jahren im Bryant Park in New York. Eine Geschichte, die auf Twitter derzeit häufig kommentiert wird.
Buchladen der Mutter gerettet
Auch das Schicksal von Aaron Durands Mutter nahm durch Twitter eine gute Wendung. Die fortschreitende Digitalisierung machte der Buchhändlerin aus Portland (USA) schwer zu schaffen. Der Kundenstamm schrumpfte und trieb den Laden in finanzielle Nöte. Aaron schrieb über die Situation seiner Mutter auf seinem Blog und twitterte darüber. Die Folgen: Die Kunst- und Designszene vor Ort nahm von der Not der Familie Notiz. Tage später zeigten sich Hunderte Kunden solidarisch und kauften im Buchladen ein.
Zufallsbegegnung mit einem Spaceshuttle
Normalerweise ist der Blick aus einem Flugzeugfenster nichts Besonderes. Man sieht Wolken, die Konturen der Landschaft, Wasser oder vielleicht Sterne. Stefanie Gordon hatte offenbar mehr Glück. Auf dem Weg von New York nach Palm Beach sah sie das Spaceshuttle Endeavour. Sie machte ein paar Fotos und drehte ein kurzes Video mit ihrem Smartphone. Nach der Landung postete sie das Bildmaterial auf Twitter. Vor kurzem nahm das «Time Magazine» Gordons Foto in die Liste der «Top 10 Photos of the Year» auf.
Unwissentlich über Militäroperation getwittert
Der 33-jährige Programmierer Shohaib Athar aus Abbottabad (Pakistan) wurde über Nacht weltberühmt. Als er am 2. Mai mitten in der Nacht aufwachte und Hubschrauber über sich hörte, twitterte Athar darüber, wobei er allerdings nicht wusste, dass US-Militärs eine Operation gegen den meistgesuchten Terroristen Osama Bin Laden durchführten. Der junge Mann dokumentierte die Explosionen und Schüsse, die er hörte. Zum Ende der Nacht hin zeigte sich, dass er, ohne es zu wissen, live über den gesamten Überraschungsangriff auf Osama Bin Laden getwittert hatte. Nachdem die Nachrichten über den Angriff weltweit bekannt geworden waren, erhielt er grosse Aufmerksamkeit von den Medien, aus der er jedoch kein Kapital schlug. Später wird er sagen, dass er einfach jemand sei, der zu später Stunde noch wach war und darüber twitterte, was er sah und hörte.
Aufräumarbeiten nach den Unruhen in Grossbritannien
Unmittelbar nach den Unruhen in Grossbritannien diesen August wollten Dan Thompson, Sophie Collard und Sam Duckworth ihre Nachbarschaft aufräumen. Sie schlossen sich zusammen und organisierten via Twitter die Aufräumaktion. Die Idee sprach sich über den Kurznachrichtendienst schnell herum. Schliesslich konnten Hunderte freiwillige Helfer mobilisiert werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.12.2011, 15:37 Uhr
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