Chronik

Anfang der Siebzigerjahre taucht erstmals Heroin in Zürich auf. 1972 gibt es ein erstes Todesopfer im Zusammenhang mit Drogen. 1974 taucht erstmals Kokain in der Polizeistatistik auf. 1975 revidiert der Bund das Betäubungsmittelgesetz und stellt Drogenhandel und -konsum unter Strafe. Erstmals werden die Drogentoten in einer landesweiten Statistik erfasst – es sind 35. 1976 wird die Betäubungsmittel-Gruppe der Stadtpolizei von 3 auf 15 Personen aufgestockt. Im August 1980 wird das AJZ gegründet, die Drogenszene massiert sich. Im März 1982 wird das AJZ abgebrochen, das Sozialamt übernimmt Suchtprävention und Jugendberatung. Im Oktober 1982 Gründung der Wache Betäubungsmittel bei der Kriminalpolizei der Stadtpolizei. Im Dezember 1982 Gründung des Vereins Drogenentzug.

Repression: Die Polizei jagt die Drogenszene durch Zürich: Riviera, Utoquai Hirschenplatz, Bellevue-Rondell, Seepromenade. Trotz Repression wächst die Szene auf geschätzte 4000 Heroinkonsumenten. Ab 1986 etabliert sich die offene Drogenszene auf dem Platzspitz. Kokain wird aktuell, erste Aidsfälle tauchen auf. HIV-Epidemie unter den Süchtigen. 1986 wird das Spritzenabgabeverbot des Kantons aufgehoben und die Methadonabgabe erleichtert. (Quelle Luftbild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz)

1987 beschliesst der Stadtrat Massnahmen zur Drogenhilfe in der Stadt Zürich: Darunter fallen Kontakt- und Anlaufstellen, städtische Methadonprogramme, Krankenzimmer für Obdachlose, Notschlafstellen, Gassenküche, Arbeitsangebot. Zur sogenannten Dreisäulenpolitik mit Therapie, Repression und Prävention kommt Überlebenshilfe dazu.

1988 Jede zweite Frau und jeder dritte Mann in der Zürcher Drogenszene ist HIV-positiv. Aussprache zwischen Emilie Lieberherr mit Vertretern von fast 60 Gemeinden, um diese zu Hilfseinrichtungen für ihre Drogenabhängigen dezentral zu motivieren.

1989 Ab 1989 installiert sich Zipp-Aids auf dem Platzspitz für Spritzenabgabe und erste medizinische Hilfe. Studie der eidg. Betäubungsmittelkommission verlangt Entkriminalisierung der Konsumierenden.

1990 Der Stadtrat verabschiedet zehn drogenpolitische Grundsätze. Das Zürcher Stimmvolk sagt Ja zu weiterer Sozialhilfe für die Süchtigen und Nein zu Fixerräumen.

1991 Der Stadtrat beauftragt den Drogenstab (Chefbeamte des Polizei-, Sozial-, Gesundheits-, Wirtschafts- und Bauamts 1) bis Oktober 1991 einen Massnahmekatalog betr. Drogenszene zu erarbeiten. 30.10. Der Stadtrat verabschiedet überarbeitete drogenpolitische Grundsätze und drückt seinen Willen aus, die offene Drogenszene Platzspitz oder andere offene Drogenszenen spätestens ab Sommer 1992 nicht mehr zu dulden. 12.11. der Stadtrat genehmigt Projektorganisation offene Drogenszene Zürich (PODZ). 25.11. Erste Arbeitssitzung PODZ

1992 Am 13.1. erfolgt die Nachtschliessung von Platzspitz und Shop-Ville. Ausschluss aller auswärtiger Drogenabhängigen von Zürcher Einrichtungen. 5.2. Der Platzspitz wird vergitttert und geschlossen.

1992 Am 13.5. bewilligt der Bund versuchsweise die ärztlich kontrollierte Abgabe von Heroin. 25.5. erhöhte Repression auf die Szene, um dem Kreis 5 wieder Luft zu verschaffen. Kampf in der Händlerszene um den Drogenhandels- und Marktplatz Zürich mit aggressiven Preis- und Mengenstrategien: Der Grammpreis für Heroin sinkt von 400 auf 100 Franken. Ab Herbst 1992: Offene Drogenszene auf dem Lettenareal.

1993 Am 21.4. Aussprache der kt. und städt. Drogendelegation betr. Einsetzung einer AG Stadt-Kanton unter Leitung des Polizeidirektors. Mitte 1993: Stundenweise Wiedereröffnung des Platzspitzareals. Juli 1993: Mitarbeit der Kapo in der offenen Szene in zugewiesenen Quartierteilen, Mitarbeit des Verkehrsdienstes für mehr Präsenz in den an die Drogenszene angrenzenden Gebiete. Der Grammpreis für Heroin pendelt zwischen 50 und 100 Franken. 17.11. Bundesrätin Dreifuss besucht den Letten, inkognito.

1994 Im Januar: Beginn der Projekte ärztlich kontrollierte Drogenabgabe. 21.2. Besuch Bundesrat Koller im Kreis 5. 22.7. Einwilligung des RR zur Bildung einer Arbeitsgruppe Kanton-Stadt zur Auflösung der offenen Drogenszene Letten. 13. und 14.8. Eskalation in der offenen Szene Letten. August 1994: Die Stadt reinigt erstmals das Lettenareal von zehn Tonnen Abfall. September 1994: Einsetzung der übergeordneten Projektorganisation aktuelle Drogenprobleme (Bund Kanton Stadt). Oktober 1994: Forderungsklage der Migros und Arc Hotel wegen Drogenszene. 1.11.: Inbetriebnahme Notgefängnis Waid.

1995 Januar: Forderungsklage Holzreuter für Geschäfte am Limmatplatz 15.2. Schliessung der offenen Drogenszene Letten.