Der StadtpräsidentJosef Estermann

«Ich stand unter grossem Druck»

1990 trat Josef Estermann, heute 66, die erste seiner drei Amtsperioden als Zürcher Stadtpräsident an. Von seinem Vorgänger erbte er die grösste offene Drogenszene Europas. Sein Verdienst war es, dass die Stadt bei der Lösung des Drogenproblems von Kanton und Bund unterstützt wurde. Die Zerschlagung der Drogenszene am Letten gelang dank begleitenden Massnahmen, die eine Betreuung der Süchtigen sicherstellten.

Der PolizistJosef Mächler

«Es ist jeder selber schuld»

Polizist, das war Josef Mächlers Traumberuf. Der 72-jährige gelernte Modellschreiner trat 1963 der Zürcher Stadtpolizei bei. Anfang der 1990er-Jahre patrouillierte er regelmässig auf dem Platzspitz. Noch heute erschüttern ihn die katastrophalen Zustände. Obwohl ihm das Leiden naheging, hatte er jedoch kein Erbarmen mit den Süchtigen.

Der PfarrerErnst Sieber

«Die Spitze des Eisbergs»

Der protestantische Pfarrer Ernst Sieber (87) setzt sich seit Jahrzehnten für Drogensüchtige und Randständige in Zürich ein. Er organisierte unter anderem Notschlafstellen, gründete ein Aids-Hospiz und kümmert sich um die Wiedereingliederung.

Die SüchtigeUrsula Brunner

«Es war ein ewiges Gehetze»

Ursula Brunner, ehemalige Drogenabhängige, heute 47 Jahre alt, begann mit 17 Heroin zu spritzen. Bereits mit 14 schluckte sie Amphetamine. Sie war 1994 Protagonistin im Dokumentarfilm «Bericht von der Drogenfront» von Felix Karrer. Seit sieben Jahren nimmt Ursula Brunner keine harten Drogen mehr. Heute pflegt sie ihre an Demenz erkrankte Mutter.

Der GärtnerChristian Heule

«Man nahm ihnen alle Habseligkeiten ab»

Als Angestellter des Gartenbauamtes organisierte Christian Heule (49) zweimal täglich die Reinigung des Platzspitzes. Diese Arbeit belastete ihn schwer. Er wurde von Süchtigen angegriffen, einmal trat er in eine Spritze. Mit der Zeit zweifelte er am Sinn seiner Aufgabe. Heute arbeitet Heule als Grünflächenverwalter bei Grün Stadt Zürich.