Die Sache mit der Penalty-Regel

Vor Schussabgabe darf kein Spieler den Strafraum betreten. Es ist eine Regel, die ignoriert wird.

Der Schiedsrichter hält die Spieler zurück, sie ignorieren ihn. Penalty von Alioski gegen Sion.

Der Schiedsrichter hält die Spieler zurück, sie ignorieren ihn. Penalty von Alioski gegen Sion. Bild: Keystone

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Kürzlich hat das Fussballmagazin «Sportbild» alle Penaltys der Bundesliga dieser Saison analysiert. Das Resultat verblüffte: Alle 77 Elfmeter wurden regelwidrig geschossen. In sämtlichen Fällen liefen die nicht direkt beteiligten Spieler schon vor der Schussabgabe in den Strafraum, bei 33 Penaltys verliessen die Torhüter vor der Schussabgabe die Linie, um den Winkel zu verkürzen. Beides ist verboten, nicht einmal der Halbkreis am Strafraum darf betreten werden – alle Elfmeter hätten wiederholt werden müssen.

Der deutsche Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich sagt dazu: «Die Schiedsrichter sollen generell nicht zu kleinlich reagieren, wenn mal ein Spieler zu früh einen Meter in den Strafraum läuft. Aber es stimmt schon, dass diese Toleranz von den Spielern inzwischen ein wenig überstrapaziert wird.»

In der Schweiz nicht anders

Ein Blick in die höchste Schweizer Liga zeigt: Das ist bei uns nicht anders. Ob bei Alioskis zwei Penaltys gegen Sion, ob bei Hoaraus Versuchen gegen Vaduz und St. Gallen oder wenn Rapp für Thun gegen Lugano anläuft – die Regeln werden nicht eingehalten.

Den Schiedsrichter-Chef der Super League, Cyril Zimmermann, überrascht das nicht, er möchte es aber nicht dramatisieren. «Solange es um ein paar Zentimeter geht und kein Vorteil resultiert, sollten die Schiedsrichter ein Auge zudrücken.» Er weist darauf hin, dass die Clubs dies akzeptieren und noch keine Beschwerde an ihn gelangt sei.

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Soll der Schiedsrichter Penaltys wiederholen lassen, wenn Spieler zu früh loslaufen oder sich Goalies nach vorne bewegen?




Das Gleiche sei bei Einwürfen der Fall; es komme vor, dass Spieler 15 Meter «klauen», reklamieren würde aber niemand, sagt Zimmermann. «Krasse Fälle sollen die Schiedsrichter aber unterbinden.» Zimmermann meint den Fall, wenn etwa der Torhüter bei Elfmetern mit Schritten oder Sprüngen nach vorne den Winkel verkürzt.

Luigi Ponte ist so etwas wie das Gewissen der Amateurfussball-Schiedsrichter, der frühere Fifa-Schiedsrichter regt sich jeweils fürchterlich auf, wenn er wieder Spieler zu früh in den Strafraum stürmen sieht: «Es gibt Regeln, die soll man einhalten.» Er sorgt sich deshalb, weil im Breitensport alles übernommen wird, was die Stars den Amateuren am Fernseher vormachen.

Zimmermann ist sich dessen bewusst. Was die Fifa an der WM durchgehen lässt, wird auch auf tieferem Niveau toleriert. Fazit der beiden Schiedsrichter: Will man das Problem lösen, muss die Fifa eingreifen. (czu)

Erstellt: 21.04.2017, 14:44 Uhr

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