Müssen Apotheken alte Medikamente zurücknehmen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Rücknahme.

Auf Medikamente bezahlt man - anders als bei Elektrogeräten - keine Entsorgungsgebühr.

Auf Medikamente bezahlt man - anders als bei Elektrogeräten - keine Entsorgungsgebühr.

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Letzte Woche wollte ich unsere abgelaufenen Medikamente bei einer Apotheke in der Stadt Zürich zum Entsorgen abgeben. Mir wurde indes beschieden, dass man aus Kostengründen nur die in ebendieser Apotheke erworbenen Medikamente zurücknehme. Da das Aussortieren mit einigem Aufwand verbunden gewesen wäre, nahm ich den Sack enttäuscht wieder mit. Nun frage ich mich, ob die Apotheken tatsächlich frei entscheiden dürfen, was sie zurücknehmen, oder ob es nicht doch einen Zwang gibt. Elektrogeräte müssen ja heutzutage auch von allen Verkaufsgeschäften zurückgenommen werden.

Das ist richtig, allerdings ist bei Medikamenten im Gegensatz zu Elektrogeräten keine vorgezogene Recyclinggebühr im Preis enthalten. Deshalb geht die Rücknahmepflicht der Apotheken weniger weit. Sie müssen grundsätzlich nur Medikamente zum Entsorgen zurücknehmen, die sie selber verkauft haben, und dürfen sogar einen Unkostenbeitrag verlangen. Nicht gestattet ist es hingegen, mit der Entsorgung einen Gewinn zu machen. Der Apothekerverband des Kantons Zürich empfiehlt seinen Mitgliedern, für die Rücknahme kleiner Medikamentenmengen von Privatkunden auf eine Gebühr zu verzichten. Selbstverständlich steht es Zürcher Apotheken auch frei, Altmedikamente entgegenzunehmen, die nicht in ihrem Geschäft gekauft wurden, und dafür kein Entgelt zu verlangen. Diese Haltung ist denn auch weit verbreitet. Zusammenfassend lässt sich somit sagen: Die Auskunft Ihrer Apotheke war korrekt, wenn auch nicht gerade kundenfreundlich.

Anders als Zürich kennen Kantone wie Aargau oder Genf konsumentenfreundlichere Regelungen. Hier kann man Medikamente generell unentgeltlich bei jeder Verkaufsstelle abgeben. Die kantonalen Unterschiede führen laut dem Schweizerischen Apothekerverband Pharmasuisse dazu, dass Patienten und Ärzte zum Teil ganze Säcke mit alten Medikamenten zum Entsorgen über die Kantonsgrenze bringen, etwa von Zürich in den Aargau. Der Verband plädiert daher für eine schweizweite Regelung mit einer vorgezogenen Recyclinggebühr, wie sie bei Elektrogeräten seit Jahren funktioniere. Eine einheitliche Handhabung würde auch die Stiftung für Konsumentenschutz begrüssen. «Bezüglich einer Recyclinggebühr sind wir aber skeptisch, ob es nicht einfach in eine Margenerweiterung münden würde», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder. Wichtiger wären ihrer Ansicht nach kleinere Medikamentenpackungen.


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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.02.2017, 08:46 Uhr

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