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«Gell, ihr chömit scho wider?»
7. Mai 2011
Hirschen, Oberiberg SZ
14 Uhr, viele Wirtschaften servieren bis zum Abend nichts mehr. In dieser Dorfbeiz ist das kein Problem. Beim Abschied, als sich alle satt und glücklich hochrappeln, sagt die mütterliche Serviererin: «Gell, ihr chömit dänn scho äinisch wider?» Man verspricht es gern.
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17. Mai
Adler, Krummenau SG
Das Haus datiert von 1539, die Fassade ist mit historischen Ornamenten bemalt. Drinnen macht Ländlermusik Laune. Die hübsche Serviererin – sie heisst, wenn man recht hört, Lenka – beseelt die Stube. Sie sagt: «Hani hüt gueti Flädlisuppe.» Einen Senn fragt sie: «Wiso luegsch du truurig?» Er: «Will du en Fründ hesch!»
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10. Juni
Rössli, Mogelsberg SG
Eine bekannte Ex-Genossenschaftsbeiz. Das Schoggibrügeli, liebevoll-farbenfroh verpackt, ist hausgemacht.
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5. Juli
Alpen Tower, Hasliberg BE
Das Bergrestaurant auf Planplatten ist halb leer. Die Bedienung deckt mehrere Tische frisch auf. Sie braucht elf Minuten, bis sie es zu einem schafft.
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30. Juli
Eintracht, Nunningen SO
Ein grosses Dorf, doch alle Wirtschaften haben zu. Bis auf die Eintracht. Die Wirtin, eine alte Frau, klagt über einen Todesfall in der Familie. Sie wartet auf die Stammtischler, die auf den Verstorbenen trinken wollen. Man schluckt leer. Per Telefon erreicht man den zwei Gehstunden entfernten Eigenhof in Seewen: «Momoll», tönt es, «wir servieren auch nachmittags warmes Essen!»
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11. August
Degenried, Stadt Zürich
Man ist in Zürich und wähnt sich doch weit draussen; das Restaurant steht mitten im Wald. Es ist ein wenig retro, ein wenig Wirtshaus im Spessart mit Hirschgeweih an der Wand und rot-weiss karierten Tischtüchern. Man kriegt Hörnli mit Brösmeli. Toll, wo gibts das sonst?
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17. August
Chrüzegg, Wattwil SG
Eine klassische Wanderer-Anlaufstelle zwischen Töss und Toggenburg. Ein Zaun begrenzt die Wirtschaft aus verwittertem Holz. Der Kartoffelsalat mundet. Doch beim Abstieg nach Ricken kommt es zu unschönen Szenen: Bauchkrämpfe, Darmschlottern, heftige Entleerungen im Gebüsch. Wars nicht der Kartoffelsalat, so das indische Buffet vom Vortag.
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19. August
Gipfelbeiz, Grosser Mythen SZ
Die Frau im Bestell- und Ausgabefenster hat eine Laune, die nicht zum Prachtspanorama auf dem Schwyzer Hausberg passt: Mürrisch fertigt sie einen ab. Die Gespräche am Freiluft-Stammtisch oszillieren zwischen rechts und rechtsextrem; dafür kann der Beizer nichts.
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26. September
San Gottardo, Gotthardpass TI
O nein, dieses Riz Casimir mag ich gar nicht! Die Currysauce ist giftgelbe Künstlichkeit, das Huhn hart an der Kaubarkeits-Grenze. Hier, unweit der Gotthard-Passhöhe, stoppen die Gäste halt automatisch. Die Bratwurst vom nahen Grilleur an der Strasse tröstet.
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4. Oktober
Café Fédéral, Curtilles VD
In der Broyegegend unterwegs, wird man von einer Fassade in Blassrosa gelockt. Fast alle Tische sind besetzt. Der Kalbsbraten, den man aus den Augenwinkeln sieht, wirkt okay: «Le plat du jour, s’il vous plaît.» Man hätte besser genau hingeschaut, das Fleisch ist undefinierbar. Zungenwurst? Die dicke Sauce pilzelt vage. Man tut, als ässe man, deckt das Fleisch mit der Serviette zu und winkt bald dem Kellner: «L’addition!»
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2. November
Petit Hôtel de Chaumont NE
Grosse Fenster erlauben den Blick auf den Alpenkranz. Das Rumpsteak ist comme il faut. Das dicke Paar am Nebentisch isst Fleisch vom heissen Stein. Der ist so heiss, dass Fett herüberspritzt. Man riecht hernach wie ein Grill.
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8. November
Tschiertschen und Molinis GR
Hunger in Tschiertschen, doch alles ist zu. Der Postauto-Chauffeur bestätigt es; es sei halt nicht Saison! Molinis, anderthalb Gehstunden später: Die Dorfwirtschaft hat auch zu. Gott sei Dank kommt schnell der Zug nach Chur.
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16. November
Avant Porta, Mon GR
Glücksaufwallung: Der Ort wirkt total verschlafen, doch die Wirtschaft mit dem Prachtblick hat offen. Die Aargauer Wirtsleute kochen bio, die «Faulenzer-Capuns» für 19.50 Fr. (Käse, Pizokel, Salsiz und Mangold gratiniert) sind Gaumenpoesie. Man will wiederkommen.
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19. November
Ahornalp, Eriswil BE
Im Säli wird man systematisch vernachlässigt. Die Rösti, die endlich doch noch kommt, versöhnt nur halb mit dem Kellner und seinen Vertröstungssprüchen.
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1. Januar 2012
St. Martin, Tafers FR
Alles an und in der Gaststube ist jung, licht, frisch; inklusive des Beizerteams. Die Karte gibt es auch in der Mundart des Sensebezirkes. «Schwingerhörnli mit Fäderchou u Schwarzwuurzle anera Nydlesoossa»: Das Gericht ist himmlisch. Die Meringues aus Botterens mit Crème Gruyère gar göttlich.
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14. Januar
Zur Stube, Rüdlingen SH
Man sitzt am Holztisch beim Kachelofen, draussen wintert es, der Egli hat Biss und der Teig drum herum einen feinen Gout. Und halleluja: Die Wirtschaft serviert Wein aus dem Ort, einen Rüdlinger Federweissen. Diese ehrwürdige Dorfbeiz empfiehlt man gerne weiter.
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28. Januar
Hochwacht-Pfannenstiel ZH
Ein uraltes Paar fährt im Wagen gehobener Klasse vor. Es sind Stammgäste oder einstige Stammgäste. Der Mann wirkt wie ein vormaliger Wirtschaftsanwalt. Er mag es rustikal, bestellt Bratwurst. Seine Frau hat den Zitteri. Parkinson? Sie murmelt, sie wolle nur ein Salätli. Der Kellner macht sich nun einen Spass daraus, ihr immer neue, besonders schwere Speisen vorzuschlagen. Er lacht laut. Sie lacht nicht mit. Ihr Mann auch nicht.
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4. Februar
Uto Staffel, Uetliberg ZH
Für 40 Franken gibt es Fondue à discrétion mit Kartoffeln und Silberzwiebeln. Die Vielesser kriegen subito ein zweites Caquelon vorgesetzt. Die Kirschgläser stehen von Anfang an auf dem Tisch, die Serviererin geht mit der Flasche um: «Wollen Sie auch?» Besser ein forscher als ein träger Service: Man will.
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11. Februar
Kreuz, Altbüron LU
Die Linde ist zu. Das Kreuz hat offen. Aber klamm ist es, man fröstelt sich durch den Mittag. Nachdem man darüber in der Wanderkolumne geschrieben hat, mailt die Wirtin: Die Heizung sei an dem Tag kaputt gewesen, es tue ihr leid. Das versöhnt; so etwas kann jedem Beizer mal passieren.
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15. Februar
Peppino, Landquart GR
Schneetreiben wie in Irkutsk, die Bahnhofstrasse von Landquart trostlos. Bei Peppino bekommt man ein simpel-korrektes Menü – Salat und Pasta – für 15 Franken. Viele Handwerker sitzen an den Tischen.
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18. Februar
Freiburger Falle, Murten FR
Eine Einheimische empfiehlt das Altstadtlokal. Abstieg in einen Keller, der nicht düster, sondern hell und gut beheizt ist. Viel altes Holz, die Tische haben Risse, in die man Ware entsorgen könnte. Ist nicht nötig, das Schnitzel mit «rustikalen», grob geschnittenen Pommes frites ist erstklassig.
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25. Februar
Frohsinn, Udligenswil LU
Das Güggeli mit Risotto mundet. Trotzdem denkt man: Was ist daran «Gault Millau»? Irritierend die Serviererin. Auf die Frage, ob der Wein, den man im Auge hat, empfehlenswert ist, antwortet sie; «Ja, den verkaufen wir oft.» Mehr kann sie nicht sagen.
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14. März
Laténium-Café, Hauterive NE
Eine einfache Buvette mit einer Terrasse, von der man den Neuenburgersee wie ein Meer geniesst. Eine Besucherin leert vor Wonne ihren Milchkaffee aus.
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16. März
Bahnhof, Meilen ZH
Nachmittagswanderung von der Forch nach Meilen. Im Weiler Wetzwil findet man keine Wirtschaft. Die Buech, ebenfalls Herrliberg, öffnet erst am Abend wieder und schreckt prinzipiell durch ihre Preise ab. Die Luft über Meilen, ein traditionelles Ausflugsrestaurant, ist an einen deutsch-russischen Ölhändler verkauft worden, der privat umbaut. Im Bahnhof Meilen trinkt man frustriert ein Bier.
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24. März
Krone, Wittnau AG
Ein Strassendorf im Fricktal. Die Krone ist das einzige Restaurant. Ein Car steht vor dem Haus, das ist fatal. Man setzt sich an den einzigen noch freien Tisch. Die vorbeiwetzende Serviererin ruft: «Wenn Sie essen wollen, dauert das mindestens 45 Minuten.» Man kauft im Volg Brot und Käse und isst auf einer Bank.
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31. März
Randenhaus, Siblingen SH
Ein Holzbänkli vor dem Haus trägt den Schriftzug «Claude und Sandra», daneben ein Herz und ein Datum. Das Wirtepaar habe damals geheiratet – und ja, die zwei seien noch zusammen, sagt die Serviererin. Sie schwäbelt mit charmanten Wendungen wie der anfänglichen Grundsatzfrage: «Wollten Sie etwas essen?» Das Gegenüber am Tisch findet den Rehburger mit Bärlauchspätzle «super».
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5. April
Ochsen, Geiss LU
Blau-weiss gestreifte Läden. Eine Landbeiz. Karfreitag. Hier fesselt man die Bohnen noch mit Speck. Das Filet mignon ist zu stark gebraten, dafür ist die Rösti spitze: Butter und Brandgout in Harmonie. Und der Service ist enorm freundlich. Für E., der keine Vorspeise bestellt hat, kommt aus der Küche ein Bärlauchsüppli. E., ein Zürcher halt, vermutet Kostenfolge: «Das han ich nöd bschtellt!» Er wird beruhigt. Zum Schluss offeriert der Wirt auch noch Grappa.
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10. April
Sternen, Bühler AR
Flinker Service. Die junge Wirtin schaut, das Söhnchen auf dem Arm, am Tisch vorbei – ob alles recht ist? Nachdem man toll gegessen hat, verabschieden sie und ihr Mann, der Koch, einen an der Tür. Man geht froh heim.
Thomas Widmer ist als TA-Wanderkolumnist («Zu Fuss») unterwegs, meist mit einer festen Gruppe von Freunden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.04.2012, 19:01 Uhr
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