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Läckerli, Ems und Mörgeli

Von Von Maurice Thiriet . Aktualisiert am 17.01.2012

«Lex Weltwoche»: Parteipräsidenten fordern Besitzertransparenz bei Medien. Doch bei der «Weltwoche» ist das eigentlich überflüssig.

Der Rücktritt von Nationalbank-Direktor Philipp Hildebrand ist zu einem guten Teil auf die Berichterstattung in der «Weltwoche» zurückzuführen. Diese druckte den Screenshot ab, der die fragwürdigen Devisentransaktionen und Aktienkäufe dokumentierte, die über Hildebrands Konto getätigt worden waren. Schon der kommentarlose Abdruck des Screenshots hätte gereicht, um die Ereigniskette in Gang zu setzen, die mit Hildebrands Rücktritt endete. Doch die «Weltwoche» gab sich einem Furor hin, bezeichnete Hildebrand als «auffällig geschniegelten Gauner», der «illegale Insidergeschäfte» tätige. Dies trägt «Weltwoche»-Chef Roger Köppel jetzt erneut den Verdacht ein, er sei gar nicht der «Weltwoche»-Chef. Vielmehr sei das Christoph ­Blocher, der schon lange versucht hatte, Philipp Hildebrand zu stürzen.

Blocher halte wie bei der «Basler Zeitung» (BaZ) auch bei der «Welt­woche» die Fäden in den Händen, vermuten laut der «SonntagsZeitung» die Präsidenten aller Parteien ausser der SVP. Deshalb fordern sie Transparenz von Köppel, der solche Behauptungen entschieden dementiert und strafrechtlich ahnden lässt. Er solle Darlehensgeber oder Bürgschaftsgaranten nennen, falls es solche gebe. Tut er das nicht, befürworteten «einige der Parteipräsidenten» der «SonntagsZeitung» zufolge eine «Lex Weltwoche», die Medienunternehmen zur Offenlegung der Besitzverhältnisse zwingt.

Dasselbe Anliegen hat der Bundesrat im Fall der BaZ bereits vor einem Jahr abgelehnt, das Parlament hat das akzeptiert. Deshalb wird sich die Forderung nach einem Transparenz­gesetz für Medien erst recht nicht im Fall «Weltwoche» durchsetzen: Deren Nähe zu Blocher und den Positionen der SVP ist für die Leserschaft evident – und Blochers Einfluss viel weniger bestritten als bei der BaZ. Die Werbung der Blocher-Töchter (für Ems-Chemie und einst für das Läckerli-Huus) ist nicht zu übersehen. Die «Weltwoche» verfügt mit Christoph Mörgeli über einen SVP-Nationalrat als Kolumnisten und mit Peter Keller als einzige Zeitung der Schweiz auch über einen SVP-Nationalrat als festangestellten Redaktor. Und die «Weltwoche» tut seit Jahren wenig anderes, als SVP-Hardliner zur Wahl, Eveline Widmer-Schlumpf zur Abwahl und das Bankgeheimnis als Allheilmittel zu empfehlen.

Zwar hat Köppel tatsächlich nie transparent gemacht, wie er die «Weltwoche» bezahlt hat. Doch arbeitet Köppel mit Luxus-Sonderheften und einer kleinen Redaktion effizient und gewinnbringend, sodass er bestimmt nicht von der Unterstützung Blochers abhängig ist, wie manche vermuten.

Recherche schafft Klarheit

Es fragt sich auch, ob ein Gesetz das richtige Mittel ist, die Besitzverhältnisse transparent zu machen. Es wäre ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit der Verleger – und doch könnte ein solches Gesetz nie alle Tricks erfassen, mit denen Leute wie Blocher oder Tito Tettamanti sich die Kontrolle über Unternehmen sichern.

Die Geschichte der BaZ hat gezeigt, dass auch die Konkurrenz verschleierte Besitzverhältnisse offenlegen kann, wenn der öffentliche Druck da ist und die Beteiligten in Streit geraten. Man sollte es auch im Fall der «Weltwoche» der Zeit und den Medien überlassen, Transparenz zu schaffen. Zuhanden der Parteipräsidenten hier ein erster Einblick in das Unternehmen «Welt­woche»: 2010 zahlte sich Verleger und Chefredaktor Köppel 414'463 Franken Nettolohn, 16'000 Franken Repräsentations- und 9600 Franken Autospesen aus. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.01.2012, 21:26 Uhr