Beuys’ Kunst verlieh der geschändeten Natur eine Stimme
Von Feli Schindler. Aktualisiert am 13.05.2011 1 Kommentar
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Am 12. Mai wäre der charismatische Düsseldorfer Bildhauer und Kunstprofessor Joseph Beuys (1921–1986) neunzig Jahre alt geworden. Just zu diesem Zeitpunkt ruft das Kunsthaus Zürich den Erfinder der sozialen Plastik in Erinnerung: den Mann mit dem Filzhut, der auf Barrikaden stieg, Kunst zum Kapital erhob und einem toten Hasen schon mal die Bilder erklärte.
Metapher für die Natur
Beuys, früher Anhänger der Grünen, beschäftigte sich in seinem Spätwerk zunehmend mit der Erhaltung der Natur. Höhepunkt seines Engagements bildete die aufsehenerregende Aktion an der Documenta 7, als er 1982 in Kassel 7000 Eichen pflanzte und «Stadtverwaldung» anstatt Stadtverwaltung propagierte. Dass diese Pflanzaktionen auch in Bolognano, einem kleinen Ort in den Abruzzen, ihren Niederschlag fanden, zeigen nun über hundert Werke aus der späten Schaffensperiode des Künstlers. Zwischen 1973 und 1985 besuchte Joseph Beuys mehrere Male das befreundete Ehepaar Buby und Lucrezia Durini auf dessen Landgut in Bolognano.
Hier fanden Diskussionen und gemeinsame Aktionen mit dem Meister aus Düsseldorf statt, der Kreativität und Agrikultur in Einklang zu bringen versuchte. Buby Durinis zahlreiche Fotografien zeugen von dieser Zeit und bilden nun einen wichtigen Bestandteil der Zürcher Ausstellung. In Bolognano entstand auch die monumentale Plastik «Olivestone», die die Durinis über den gemeinsamen Freund Harald Szeemann 1992 dem Kunsthaus Zürich schenkten. Die Kalksteinwannen, die im 18. Jahrhundert zum Dekantieren von Olivenöl dienten, füllte Beuys mit Steinmonolithen und Olivenöl. Im Lauf der Jahre sollte sich der Stein zersetzen, und die organischen Materien sollten ineinander übergehen. Eine Metapher für die sich ewig erneuernde Natur.
Schutz des Individuums
Um dieses monumentale Werk gruppieren sich in der von Lucrezia Durini und Tobia Bezzola konzipierten Schau weitere Exponate: Spruchbanner, ein alter Kornzylinder, Weinkartons mit dem Siegel der von Beuys gegründeten Freien Internationalen Universität. Sie erinnern an die Aktionen, die der Verteidigung der Natur galten. «‹Difesa della natura› meint nicht nur Ökologie, sondern vor allem auch Schutz des Individuums», erklärte die Sammlerin Lucrezia Durini, welche die Betreuung des Werkes ihres berühmten Freundes zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hat. «Beuys liebte Italien, aber Italien liebte Beuys nicht», sagte die Baronessa an der Ausstellungseröffnung. Nun überlässt sie dem Kunsthaus Zürich ihre ganze Beuys-Sammlung. Ein grossartiges Geschenk und ein wahrer Überraschungscoup. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.05.2011, 08:47 Uhr
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1 Kommentar
Die Frau Durini sagt nur die halbe Wahrheit: Beuys liebte Napoli über alle Massen, er hat mit seinem Freund und Galeristen Lucio Amelio in Napoli wunderbare Ausstellungen gemacht und auch viele Werke an Ort geschaffen. Sie sind halt eitel, die Sammler, und wollen ganz alleine 'Freund' des Küsntlers gewesen sein....... Antworten
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