«Der Flughafen ist eine Welt für sich»
Von Ulrike Hark. Aktualisiert am 08.03.2010 1 Kommentar
«Nicht luxuriös, sondern premium»: Riken Yamamoto.
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Noch werden Investoren gesucht
Am Fuss des Hügels Butzenbüel will Unique bis 2016 für 1 Milliarde Franken einen Grossbau errichten, mit zwei Hotels, rund 100 000 m2 Büroflächen und einem Dienstleistungszentrum von rund 50 000 m2. Premium-Anbieter aus wachstumsstarken Branchen sollen internationale Gäste anziehen. Noch ist die Finanzierung des Projekts nicht gesichert. Den Wettbewerb gewann der 65-jährige japanische Architekt Riken Yamamoto, der in Tokio ein Büro führt. Er ist für seine experimentellen Stahlbauten bekannt und hat in Asien Siedlungen, Universitäten und Museen gebaut. Ziel seiner modularen Architektur ist es, flexible, dem Grossstadtleben angemessene Beziehungen zwischen Menschen zu ermöglichen. Seit 1997 hat er eine Partnerschaft mit dem Zuger Architekten Beda Fässler. (uh)
Herr Yamamoto, Sie haben in Asien und Europa etliche Grossbauten realisiert – was hat Sie speziell am Projekt The Circle gereizt?
Zum einen ist Europa für uns Japaner ein sehr stimulierender Ort, und wir schätzen die Schweiz für ihre Landschaft und ihre Eigenarten. Zudem liebe ich grosse Projekte, die viele verschiedene Funktionen erfüllen müssen – Gastronomie und Hotellerie, Wellness, Beauty, Shopping, Bildung. Der Zürcher Flughafen ist von grosser Bedeutung – und er ist eine Welt, eine Kultur für sich.
Gibt es einen japanischen Aspekt in Ihrem Entwurf?
Schwer zu sagen, ich bin ein gemischtes Wesen, manchmal fühle ich mich als Europäer, manchmal als Japaner.
Aber es gibt eine Grundidee, die Ihrem Entwurf zugrunde liegt.
Präzision ist die herausstechende Eigenschaft der Schweiz, und ihr möchte ich mit meiner Architektur einen Ausdruck geben. Mit einem feingliedrigen, strukturellen Bausystem, das sich aus kleinen Einheiten zur Grossform zusammensetzt. Mit dieser Bauweise habe ich gute Erfahrungen gemacht.
Der Circle wirkt von vorn wie ein verglastes Stadion und von hinten wie ein kleines Dorf. Haben Sie sich tatsächlich vom Zürcher Niederdorf inspirieren lassen?
Das stimmt. Ich war erst gestern wieder in der Altstadt und war fasziniert von der Kleinteiligkeit, den verschiedenen Formen und Farben, die ein stimmiges Ganzes ergeben. Beim Circle ist die Front zum umtriebigen Flughafen gebogen – der Zirkelschlag, ein Symbol für Bewegung. Nach hinten, zum Hügel, öffnet sich der Komplex feinkörnig wie ein Quartier mit Ecken, Nischen, Plätzchen.
Der Circle wird riesig. Werden sich die Menschen hier wohlfühlen?
Davon bin ich überzeugt. Der Bau ist kein Ort des rationalisierten, ökonomisierten Highendbereichs, er soll auf sympathische Weise den hohen Lebensstandard und die zeitgenössische Schönheit der Schweiz zeigen.
Also wird er luxuriös sein.
Nicht luxuriös, sondern premium, das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied. Ich will Menschen nicht ausschliessen, sondern zusammenbringen.
Wie äussert sich diese Premiumship? In Materialien?
Wir sind derzeit noch nicht in der Phase, wo alles schon definiert ist; Materialien sind sicher ein Aspekt. Aber auch ein exklusiver Blick in die Landschaft oder auf den Flughafen kann premium sein. Die Leute sollen merken, dass sie hier an einem ganz speziellen Ort sind. Sie sollen aus dem Circle etwas anders herauskommen, als sie hineingegangen sind.
Ein Argument der Jury zu Ihren Gunsten war, dass Japaner und Schweizer eine ähnliche Auffassung von Luxus haben. Stimmt das?
Ja, da gibt es grosse Ähnlichkeiten. Wir teilen die Begeisterung für Details, sind fasziniert von handwerklichen Fähigkeiten, von der Sorgfalt für das Objekt.
Dennoch gibt es immer mehr Bauten, die vor allem sich selbst darstellen. Sie praktizieren das Gegenteil, haben keinen skulpturalen Anspruch, sondern arbeiten mit Modulen. Es ist nicht einfach, einen Yamamoto zu erkennen. Marketingmässig ist das nicht optimal.
Das mag nach aussen so wirken, aber ich nehme für mich dennoch in Anspruch, dass meine Bauten einen starken Charakter haben, denn ich habe sie ja entworfen! Man muss ins Gebäude immer auch hineingehen, sich darin aufhalten, um den Spirit und die Qualität zu erkennen und zu spüren.
Was ist für Sie gute Architektur?
Architektur kann die Welt nicht grundsätzlich verändern, aber sie kann Support geben, zum Beispiel zur Kommunikation, zur Interaktion. Ich glaube an die Wirkung von Architektur. Letztlich entscheidet der Nutzer, der Bewohner, ob sie gut ist. Er muss durch die Architektur einen Gewinn haben.
Aber Architektur wird austauschbar – wir sitzen hier im Flughafen- hotel Radisson, und das könnte auch in Rio de Janeiro oder in Stockholm stehen.
Ja, dieses Hotel ist in seiner architektonischen Sprache international; auch die Arne-Jacobsen-Stühle, auf denen wir sitzen, gibts auf der ganzen Welt. Das soll im Circle anders sein, spezifischer.
Mehr Swissness?
Ja, aber keine Folklore mit Kuhglocken, sondern raffinierter. Die Besucher werden immer wieder Orte vorfinden, wo sie sich schweizerisch erinnert fühlen. Sie werden familiäre Seiten der Schweiz entdecken wie in der Altstadt.
Sie schwärmen von der Schweiz – gibt es etwas, das Ihnen missfällt?
Ja, die Menüs sind zu gross! Zu gut und zu gross!
Mit Riken Yamamoto sprach Ulrike Hark
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.03.2010, 04:00 Uhr





Hugo Reichmuth
Sieht gut aus. Endlich etwas Anderes als diese auswechselbaren Bauhaus-Verschnitte von offensichtlich sehbehinderten Architekten. Ein Neubau, auf den man sich freuen kann. Antworten