Die Box, die das Schloss ankündigt
Von David Nauer. Aktualisiert am 30.06.2011 3 Kommentare
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Die Berliner Schnauze, die ist direkt. Besonders, wenn ihr etwas nicht passt. «Kotzbrocken» nennen manche Einheimische den markanten Bau, der heute Donnerstag im Herzen der deutschen Hauptstadt eröffnet wird. Die sogenannte Humboldt-Box soll für das grösste kulturelle Bauprojekt der Bundesrepublik werben, den Wiederaufbau des Berliner Schlosses (offiziell: Humboldt-Forum).
Gewollte Aufmerksamkeit
Auf 3000 Quadratmetern gibt es hier ein Café mit Blick auf den (noch) leeren Bauplatz, eine Ausstellung zum Projekt, ein Atelier. Ebenfalls präsentieren sich in der Box die künftigen Nutzer des Schlosses: Die Humboldt-Universität, zahlreiche Museen, die Zentral- und Landesbibliothek. Die Idee des Info-Zentrums unmittelbar bei der Baustelle hat ein erfolgreiches Vorbild in Berlin. Von 1995 bis 2001 stand eine auffällige rote Kiste beim Potsdamer Platz – und bot Aussicht auf den gigantischen Wiederaufbau dieses im Krieg zerstörten Quartiers. Neun Millionen Menschen besuchten damals den Ort.
Die Humboldt-Box soll ähnlich viele Besucher anlocken. Bisher dominiert aber die kontroverse Debatte über die äussere Gestalt des 28 Meter hohen Bauwerks. In der Tat wirkt die Box neben dem ehrwürdigen Dom, den Museumsbauten aus preussischer Zeit und dem romantischen Spree-Ufer etwas fehl am Platz. Diese Auffälligkeit freilich sei gewollt gewesen, verteidigt Baustadtrat Ephraim Gothe den temporären Bau. Schliesslich sei die Humboldt-Box dem «bedeutendsten Kulturbauvorhaben seit der Wiedervereinigung gewidmet».
Städtebaulicher Donnerschlag
So gesehen ist die Box nur ein Vorspiel für den eigentlichen städtebaulichen Donnerschlag. Das Schloss soll wieder zum zentralen Gebäude Berlins werden. Den Plänen des italienischen Architekten Franco Stella zufolge werden drei der vier Barock-Fassaden originalgetreu wiedererrichtet. Eine gewaltige Kuppel soll wie einst zum Blickfang werden. Der Innenausbau freilich wird modern sein, wie die Ostfassade – mit diesem architektonischen Trick sollen die «Brüche der Geschichte sichtbar» gemacht werden. Das Ganze hat seinen Preis: Deutlich über eine halbe Milliarde Euro.
Für Nicht-Berliner mag es seltsam erscheinen, dass sich die Stadt fast 70 Jahre nach Kriegsende auf ihre alten Wurzeln besinnt – statt einen modernen Palast zu errichten. Doch für die Befürworter würde der Neubau im alten Stil eine Wunde in der Stadt heilen. Das Schloss, einst Residenz der preussischen Könige und später der deutschen Kaiser, war im Zweiten Weltkrieg durch Brandbomben schwer beschädigt worden. Die kommunistischen Machthaber in der sowjetischen Besatzungszone liessen die Ruine abreissen und erstellten erst einen Platz für Massenaufmärsche, dann in den 70er-Jahren der DDR den Palast der Republik. 2006 beschloss der Bundestag, das hässliche Stück sozialistischen Realismus abzureissen, damit an seiner Stelle das Stadtschloss erblühen kann.
Viel Kritik
Der Weg ist steinig. Derzeit sehen Touristen nur eine grosse Wiese. Der Baubeginn des Schlosses wurde aus Spargründen auf 2013 verschoben, es ist frühestens 2018 bezugsbereit. Und die Finanzierung ist noch ungeklärt. Zwar hat der Bundestag 554 Millionen Euro bewilligt. Doch inzwischen liegen die Kosten deutlich höher. Die klamme Hauptstadt hat kein Geld übrig, die Stiftung, die mit der Bauleitung beauftragt ist, sammelt deswegen Spenden.
Inzwischen wächst auch die Kritik am Nutzungskonzept. Das Ethnologische Museum und jenes für Asiatische Kunst sollen in den Neubau ziehen, die anderen Häuser auf der Museumsinsel sollen altgriechische, römische und deutsch/germanische Werke zeigen. Diese Teilung von Kunst und Kultur in europäisch und aussereuropäisch entstamme dem 19. Jahrhundert und sei längst überholt. Andere bemängeln die wenig flexible Raumaufteilung oder stören sich an der «pseudohistorischen» Aussenhaut. Seit der Finanzkrise wird immer öfter die Frage gestellt, ob sich Deutschland den Luxusbau überhaupt leisten soll. Was sagen dazu die Betreiber der Humboldt-Box? Sie schreiben in einer Mitteilung: Die engagierten Debatten hätten gezeigt, wie wichtig es sei, die Öffentlichkeit «intensiv und anschaulich über das Projekt zu informieren». (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.06.2011, 08:12 Uhr
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3 Kommentare
-Weder "wächst hier Kritik" noch werden "immer öfter Fragen" gestellt. Richtig ist, dass das Schloss-nach dem Beschluss des Bundestags-kommt und dass es das größte Konjunkturpaket für die Hauptstadt sein wird. Richtig ist auch, dass die Kosten in etwa ein paar Kilometern Autobahn entsprechen und daher eine Diskussion über Geld, die die Presse versucht anzufachen, nur kleinmütig wäre. Antworten
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