Kultur

Die UBS ruht nicht – und geht gegen Künstler vor

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 01.10.2010 23 Kommentare

Eine Künstlergruppe liess in London ein Plakat aufhängen, auf der das UBS-Logo zu sehen war, darunter die Aufschrift «lügt». Die Grossbank hatte keine Freude daran.

1/5 Für die UBS ist dieses Bild im öffentlichen Raum inakzeptabel: «UBS lügt» der Mediengruppe Bitnik.
Bild: Florian Bachmann/Bitnik

   

Das Original: «Polizei lügt» (1977) des Österreichers Peter Weibel. (Courtesy of Phoenix Kulturstiftung/Sammlung Falckenberg, Hamburg)

Wanzen im Opernhaus

Die Mediengruppe Bitnik erlangte in Zürich Bekanntheit, als sie 2007 heimlich das Opernhaus verwanzte und Opernaufführungen per Telefon live übertrug. Mehrere Tage dauerte es, bis das Opernhaus alle Wanzen fand. Mit «Opera calling» wollte die Gruppe das abgeschlossene System der Oper öffnen und allen zugänglich machen. Das Projekt wurde von einer Installation im Zürcher Cabaret Voltaire begleitet.

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Die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) ist seit vielen Jahren Hauptsponsor der Art Basel, pflegt eine eigene Kunstsammlung und wirbt in ihrer neuen Kampagne «Wir werden nicht ruhen» gerne mit Künstlern. Die Kunstaffinität der Bank hört aber auf, wenn sie selbst Gegenstand von Kunst wird. Die Künstler der Schweizer !Mediengruppe Bitnik hat drei Monate lang in London nach der Wirkungsweise der Banken und den Ursachen der Finanzkrise recherchiert und ihre Erkenntnisse im Projekt «Too Big to Fail / Too Small to Succeed» künstlerisch umgesetzt. Ein zentrales Bild in dem Projekt ist «UBS lügt» (siehe oben) in Anlehnung an das berühmte Foto «Polizei lügt» des österreichischen Künstlers Peter Weibel aus den 1970er-Jahren. «Weibel prangerte damals den Missbrauch des staatlichen Gewaltmonopols an, wir wollen zeigen, wie sich die Machtverhältnisse seither verschoben haben», erklärt Carmen Weisskopf von Bitnik.

Das «UBS lügt»-Bild war in London grossformatig auf einer offiziellen Plakatstelle vor der Galerie Space angebracht, wo Bitnik eine Ausstellung bestritt. Just während der Vernissage am 2. September erschienen Mitarbeiter der Plakatgesellschaft und entfernten das Werk. Die Entfernung wurde zur unfreiwilligen Kunstperformance vor den 200 bereits leicht alkoholisierten Vernissagebesuchern. Die UBS habe Druck auf die Plakatgesellschaft Primesite ausgeübt, schreibt die Wochenzeitung (WoZ) in ihrer aktuellen Ausgabe. Die Bank bestätigt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet, dass man mit der Plakatgesellschaft gesprochen habe, will aber nichts über den Inhalt dieses Gesprächs sagen. Carmen Weisskopf: «Uns liegt ein Auszug eines Mails der UBS an die Plakatgesellschaft und der Galerie vor, in welcher die UBS klar mit rechtlichen Schritten gedroht hat.»

UBS unfreiwillig Teil des Kunstprojekts

Für die Künstlergruppe ist die Intervention der UBS ein Glücksfall. «Die UBS hat ihre Macht und damit den Inhalt unseres Werks unter Beweis gestellt», sagt Weisskopf. Die Reaktion der UBS ist nun Teil des Kunstprojekts, sie gibt ihm ein ganz neues Gewicht.

Doch was bringt die UBS dazu, gegen ein einzelnes Plakat in der Nähe einer kleinen Galerie vorzugehen? Hierzu wollte sich die UBS gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht äussern. An jener Stelle, an der das «UBS lügt»-Plakat hing, hängt jetzt ein Abbild des Originals von Peter Weibel. Die Plakatgesellschaft hatte den Künstlern nach ihrem Kniefall vor der Grossbank angeboten, ein neues Poster anzubringen. Reklamationen hat es seither nicht mehr gegeben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.10.2010, 14:03 Uhr

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23 Kommentare

Peter Müller

01.10.2010, 14:13 Uhr
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Mit dieser Aktion hat die UBS bewiesen das noch einige Leichen im Keller liegen mögen. Denn nur wer etwas zu Verbergen hat droht mit rechtlichen Schritten. UBS Nein danke und hoffentlich stolpern Sie über eine der Leichen im Keller. Antworten


Urs Gerber

01.10.2010, 14:19 Uhr
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Lasst ihn doch laufen und konzentriert Euch (UBS) ums Geschäft! Es grüsst ein UBS-Aktionär Antworten




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