Kultur

Herzog & de Meuron wegen Kostendesaster unter Druck

Von Zacharias Zacharakis, ddp. Aktualisiert am 06.04.2010 42 Kommentare

77 Millionen Euro wollte Hamburg für die Elbphilharmonie von Herzog & de Meuron ausgeben. Die Kosten haben sich mehr als verdreifacht – nun sollen die Schweizer Architekten zur Kasse gebeten werden.

1/6 So sollte er dereinst mal aussehen, der Elbphilharmonie genannte Kulturtempel im Hamburger Hafen.
Herzog & de Meuron

   

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Leicht und weiss und spitz wie eine nach oben gefaltete Serviette soll die Glaskonstruktion einmal auf dem schweren Backsteinbau liegen. Bisher aber sieht man wenig davon im Hamburger Hafen. Baukräne drehen sich, Planen verdecken den Rohbau der monumentalen Elbphilharmonie, die das neue Wahrzeichen der Stadt werden soll und ein Prestige-Projekt für Bürgermeister Ole von Beust. Doch keiner glaubt mehr an eine rechtzeitige Fertigstellung wie einst geplant im Mai 2012. Die Kosten explodieren, für den CDU-Politiker könnte es zum Desaster statt zum Denkmal werden.

77 Millionen Euro wollte die Stadt Hamburg eigentlich für ihr Prestigeprojekt ausgeben. Zusätzliche Mittel sollten über Spenden und private Investoren aufgebracht werden. So stand es 2005 in einer Machbarkeitsstudie, die der Senat in Auftrag gegeben hatte. Nach fünf Jahren haben sich die Kosten allerdings mehr als verdreifacht: 323 Millionen Euro werden nun allein als Posten für die Stadt veranschlagt, weitere 36 Millionen sollen nach neuesten Forderungen von Hochtief hinzukommen. Wie konnte die Kostenplanung eines Bauprojekts so katastrophal aus dem Ruder laufen?

Architekten sollen an Mehrkosten beteiligt werden

Einen Grund nennt Marcel Schweitzer, der Sprecher des Hamburger Bunds der Steuerzahler. Viele Aktenordner hat er zum Fall Elbphilharmonie gewälzt, mit Gutachtern, mit Sachverständigen, mit Behörden gesprochen. «Das grösste Problem liegt bei den Generalplanern», sagt Schweitzer. «Man hätte die gesamte Ausführungsplanung nicht den Architekten überlassen dürfen.» Das Basler Büro Herzog & de Meuron hatte den kühnen Entwurf für die Elbphilharmonie vorgelegt, die milchweisse Aussenhaut, die einmal über dem alten Kaiserspeicher am Hafen emporragen soll. Doch üblicherweise übernimmt nicht das Entwurfsbüro die Leitung der Ausführung. Bei vergleichbaren Projekten bestimmt der Bauunternehmer über den Architekten.

«Mit der Umsetzung eines solchen Projekts haben die keine Erfahrung», erklärt Schweitzer, zumal viele Einzelheiten in der Elbphilharmonie absolute Prototypen seien. Der grosse Konzertsaal etwa stellt eine besondere Herausforderung dar mit seinen fliessenden Formen und einer Innenauskleidung, bei der kein Bauteil dem nächsten gleicht. «Wir fordern daher, die Architekten an den Mehrkosten zu beteiligen», sagt Schweitzer.

Haushaltsloch von sechs Milliarden Euro

Bei der Kulturbehörde in Hamburg ist Karl Olaf Petters zuständig für das Projekt. Er kommentiert solche Ideen zurückhaltend, allerdings nicht ablehnend: «Da wo es ein Verschulden gibt, werden wir Forderungen aufstellen.» Auch umgekehrt, bei der neuesten Nachforderung von Hochtief, den 36 Millionen Euro, sagt Petters, müsse jeder einzelne Posten genau geprüft werden. Allerdings hat sich der Essener Baukonzern bisher mit seinen Nachberechnungen der Baukosten meist durchsetzen können. Für Hamburg und seine Steuerzahler ist dies höchst unerfreulich, zumal sich in der Stadt bis zum Jahr 2013 eine Haushaltsloch von mehr als sechs Milliarden Euro öffnet. Die Neuverschuldung hat ein Rekordhoch erreicht.

Trotz der insgesamt breiten Zustimmung für den Bau in Politik und Bürgerschaft hat die Opposition im Hamburger Landesparlament vor wenigen Tagen entschieden, einen Untersuchungsausschuss einsetzen zu lassen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Neumann sagt dazu: «Der Senat nimmt schulterzuckend hin, dass immer mehr Steuergeld in einen offensichtlich schlecht geplantes und schlecht kontrolliertes Projekt fliesst. Wir wollen herausbekommen, weshalb es zu diesem Kostenfeuerwerk kommen konnte.» Selbst die Regierungsfraktion der Grünen unterstützt dieses Vorhaben, dass «mehr Transparenz» in die Situation bringen solle.

Gefahr für Bürgermeister Ole von Beust

Ein langwieriger parlamentarischer Untersuchungsausschuss aber dürfte das Letzte sein, an das Bürgermeister Ole von Beust bei der Vorstellung seiner Vision für Hamburg gedacht hatte. Eher sah sein Plan so aus: Mit der vorgesehenen Fertigstellung im Winter des kommenden Jahres und den folgenden üppigen Eröffnungsfeierlichkeiten hätten sich die Hamburger kurz vor der Bürgerschaftswahl im Frühjahr 2012 wie im Rausch befunden. Wer hätte da noch daran gedacht, gerade denjenigen Bürgermeister abzuwählen, der das neue Wahrzeichen der Stadt durchgesetzt hat?

Nun aber sieht sich von Beust mit ganz anderen Fragen konfrontiert. Warum waren die Kosten für das Vorhaben bei der Machbarkeitsstudie im Jahr 2005 viel zu niedrig angesetzt? Marcel Schweitzer vom Bund der Steuerzahler nennt darauf eine Antwort. «Es war absolut klar, dass das Ding so günstig nicht sein kann», sagt er. «Wir sind damals ausgelacht worden, als wir von einer halben Milliarde Euro gesprochen haben.» Der Senat aber habe die Machbarkeitsstudie leichtgläubig durchgewunken. Schliesslich wollten alle in Hamburg das neue Wahrzeichen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.04.2010, 12:33 Uhr

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42 Kommentare

Hans Bär

06.04.2010, 17:47 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Liebe Hamburger, die Folge- und Unterhaltskosten, die so einPrestigbau, gebaut von Stararchitekten, nach sich ziehen, werden euch die Entstehungskosten bald vergessen lassen.... Antworten


Peter Ammon

07.04.2010, 10:16 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Der Lack bröckelt ab. Ein guter Architekt zeichnet sich nicht aus dass er sich ein Denkmal setzt. Oberste Priorität ist die Kosten jederzeit im Griff zu haben. Ich denke dieses Büro ist so stark abgehoben dass sie die Realitäten nicht mehr sehen. Wir in Basel tun gut daran diese Architekten zu meiden (siehe Museumsbau) sonst kann es jeweils sehr teuer werden. Ich bin kein Neider nur Realist. Antworten




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