Herzog/de Meuron-Partner von Polizei verprügelt

Aktualisiert am 16.09.2009

Nach Prügel durch chinesische Polizisten ist der international bekannteste chinesische Künstler und Architekt Ai Weiwei in München wegen einer Gehirnblutung operiert worden.

«Schwer auf den Kopf geschlagen»: Künstler Ai Weiwei.

«Schwer auf den Kopf geschlagen»: Künstler Ai Weiwei.

Der Eingriff erfolgte am Montagabend im Klinikum Grosshadern, wie Ai Weiwei der «Süddeutschen Zeitung» (Mittwochausgabe) und im Kurznachrichtendienst «Twitter» berichtete.

Der Bluterguss im Kopf sei die Spätfolge der Schläge gewesen, die ihm Polizisten im August in der Provinz Sichuan zugefügt hätten, sagte Ai Weiwei, der das «Vogelnest» genannte Olympiastadion in Peking zusammen mit den Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron entworfen hatte.

Gegen den Widerstand örtlicher Behörden bemüht sich der Künstler nach der Erdbebenkatastrophe in Sichuan um Aufklärung, wie viele Kinder in Schulen ums Leben gekommen sind, die wegen Pfusch am Bau eingestürzt waren. Er hat schon mehr als 5000 Namen dokumentiert.

«Schwer auf den Kopf geschlagen»

Am 12. August war Ai Weiwei in die Provinzhauptstadt Chengdu gereist, um den Prozess gegen einen seiner Mithelfer, den Aktivisten Tan Zuoren, wegen «Subversion» zu verfolgen. Im Hotel hätten ihn Polizisten abgefangen und «schwer auf den Kopf geschlagen», sagte der 52-Jährige telefonisch vom Krankenbett der «Süddeutschen Zeitung».

Seitdem habe er unter Kopfschmerzen gelitten und sich nicht mehr konzentrieren können. Bei einem Deutschland-Aufenthalt hätten sich die Schmerzen verstärkt. In Grosshadern habe ihm der Direktor der Neurochirurgie zu einer dringenden Operation geraten.

Es seien zwei Löcher in die Schädeldecke gebohrt worden, um den Druck zu reduzieren. «Die Operation ist reibungslos verlaufen», berichtete Ai Weiwei auch auf «Twitter». «Mir geht es gut.»

«Sie haben mich so hart geschlagen, dass ich auch leicht bleibende Schäden hätte davontragen können», sagte Ai Weiwei ferner der «Süddeutschen». «Welches Licht wirft das auf unseren Staat, der sich gerade anschickt, sein sechzigjähriges Jubiläum zu feiern, wenn dies die Antwort auf legale Nachforschungen ist?»

Er könne sich die Behandlung zwar leisten, aber «tausende Landsleute, die jedes Jahr von der Polizei misshandelt werden, können das nicht». Ai Weiwei will am 11. Oktober eine Ausstellung im Münchner Haus der Kunst eröffnen und auf der Frankfurter Buchmesse vom 14. bis 18. Oktober auftreten. (phz/sda)

Erstellt: 16.09.2009, 15:45 Uhr

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