Zumthor macht sich klein

Der Architekt erweitert die Fondation Beyeler in Riehen mit einem Stampfbetonbau und Glaspavillon. Die Hauptrolle spielt aber der Park.

Drängt sich nicht in den Vordergrund: Das Erweiterungsprojekt von Peter Zumthor. Visualisierung: Atelier Peter Zumthor & Partner

Drängt sich nicht in den Vordergrund: Das Erweiterungsprojekt von Peter Zumthor. Visualisierung: Atelier Peter Zumthor & Partner

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Endlich ist die Katze aus dem Sack. Dass Peter Zumthor die Fondation Beyeler erweitert, ist seit letztem Herbst klar. Doch das Museum wollte das Projekt erst zeigen, nachdem der Architekt es überarbeitet hatte. Seit gestern ist klar: Es wird ein Dreiklang aus Stampfbeton und Glas. Doch der Reihe nach.

Die Fondation Beyeler ist mit jährlich 300 000 Besuchern das meistbesuchte Kunstmuseum der Schweiz. Um die wachsende Sammlung einem noch grösseren Publikum zu präsentieren, will das Museum expandieren – als Geschenk zum 20-Jahr-Jubiläum sozusagen. Die Erweiterung, die rund 100 Millionen Franken kostet, wird privat finanziert. Den Grundstein dafür legen Schenkungen der Wyss Foundation und der Daros ­Collection, aus der die Fondation Beyeler regelmässig Werke präsentiert. Insgesamt hat die Stiftung feste Zusagen von über 50 Millionen Franken.

Für den Ausbau hat die Fondation den Iselin-Weber-Park erworben. Der private Garten am Ende des lang gezogenen Grundstücks ist ein regelrechter Glücksfall. Die Wohnhäuser am Rand werden abgebrochen, die alten Bäume und der Seerosenteich bleiben erhalten. So wird der Ort noch stärker Museum im Park – dessen Fläche sich verdoppelt.

Der italienische Architekt Renzo Piano war bereits ein Star der Szene, als die Fondation Beyeler 1997 eröffnet wurde. Nun setzt diese erneut auf einen grossen Namen. Allerdings musste sich Zumthor erst in einem Studienauftrag gegen zehn Architekten durchsetzen, zu dem auch ein paar jüngere Büros geladen waren. Die Jury, in der unter anderen Jean Nouvel und Roger Diener sassen, entschied sich für die Weisheit des Alters und für lokale Wurzeln. Der Auftrag ist für Zumthor eine Art Rückkehr: Aufgewachsen in Basel, gründete er sein Büro 1978 in Haldenstein im Bündnerland, von wo aus er in der ­halben Welt plante. Bis er im Heimatkanton bauen konnte, musste er 74 Jahre alt werden.

Ein Monolith aus Stampfbeton

Anders als Piano, der mit seinem Bau die eine grosse Geste suchte, bricht Zumthor die Funktionen auf drei Häuser herunter: Ein kleines Betriebsgebäude, ein Pavillon für Veranstaltungen und ein Ausstellungshaus. Sein Projekt macht sich klein, damit der Piano-Bau und die Natur weiterhin die Hauptrolle spielen: Der verglaste Pavillon senkt sich in die Erde, das Ausstellungshaus winkelt sich dreiflügelig ab. Es ist aus Stampfbeton konstruiert, einem «richtigen Material», wie Zumthor sagt. Das Projekt zeigt, ­welche Themen ihn in den letzten Jah-­ren beschäftigten. Die monolithische ­Erscheinung hat etwas vom Kolumba-­Museum in Köln, der Glaspavillon nimmt Aspekte seines Werkhauses im Bregenzer Wald auf, den Stampfbeton verwendete Zumthor bereits bei der Bruder-Klaus-Kapelle.

Renzo Pianos Thema war die Mauer, erdenschwer mit rotem, rauem Naturstein verkleidet. Auch die Erweiterung versprüht etwas Archaisches. Und doch unterscheiden sich die Gebäude grundsätzlich. Piano baute linear, Zumthor punktuell. Der Italiener dachte strukturell, der Schweizer skulptural. Statt auf orthogonalen Kammern basiert die Erweiterung auf verwinkelten Räumen. Piano liess ganze Wände weg als Öffnungen zum Park, Zumthor dagegen setzt Lochfenster.

Der Entwurf ist grundsolide, da gibt es nichts zu rütteln. Aber er ist keine Erfindung. Diese war aber auch gar nicht gefragt. Der Architekt nimmt die Aufgabe ernst, die eine andere ist als vor zwanzig Jahren. Es gilt die Anlage, die nun näher an den Dorfkern von Riehen rückt, einzufügen. Und eben dies tut Zumthor mit grosser Subtilität.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.05.2017, 18:41 Uhr

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