Von Baslern, Zürchern und Längenvergleichen
Aktualisiert am 25.11.2008 12 Kommentare
Der Turm ist tot. Nicht, dass die Basler dem geplanten Bauwerk in Doppelhelix-Form besondere Sympathien entgegen gebracht hätten. Ganz im Gegenteil. Angesichts des geplanten, 154 Meter hohen, 155 Millionen teuren Turms mit 8000 verschiedenen Fensterformen und einem extremem Design, orteten die Basler Gigantismus. Und das sehen sie nicht gern, besonders wenn es sich um moderne Architektur handelt.
Das Volk hätte zwar zu den privatwirtschaftlichen Roche-Plänen gar nichts zu sagen gehabt. Aber wehe, es darf darüber entscheiden, ob ein modernes Bauprojekt realisiert wird. Ein Multiplex-Kino von Herzog de Meuron? Ein Casino-Neubau von Zaha Hadid? Nein danke, sagten die Basler an der Urne zu diesen Projekten, wir mögen keine Klötze.
Und doch. Jetzt, da der Roche-Ständer abgesägt wurde, dürfte sich der Basler im Grunde seines Herzens doch ein kleines bisschen grämen. Denn trotz der Aversion gegen das allzu Grosse, sehnt er sich nach Grösse. Und der Zweck heiligt vor allem dann die Mittel, wenn es darum geht, anderen Giganten zu begegnen. Zum Beispiel den Zürchern. Hier hätte der Turm entscheidende Vorteile gebracht: nämlich 154 Meter. Mit dieser Höhe hätte der Roche- Turm den geplanten Zürcher Prime-Tower um 28 Meter überragt. 28 Gründe für den Basler, sich auf die Schulter zu klopfen und zu freuen, dass Basel zwar verschlafener ist als Zürich und auch nicht so schön. Aber dort, wo es drauf ankommt, hat man den Längeren.
Hätte man gehabt. Wird jetzt eben nichts draus. Roche ist zum Schluss gekommen, dass das Ding zu sperrig ist, nicht funktional, zu teuer. Nüchterne Rechnerei brachte das vermeintlich beste Argument der Basler gegen die Arroganz der Zürcher zu Fall. Letztlich macht es wohl keinen Unterschied. Die Zürcher nämlich hätten den Basler Turm jenseits ihrer Stadtgrenzen gar nicht bemerkt und sich fröhlich weiter für die Grössten gehalten. Die und die Basler hätten, statt sich über den höchsten Wolkenkratzer der Schweiz zu freuen, doch nur über seinen Gigantismus lamentiert.
*Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Redaktorin Michèle Binswanger lebt in Basel und arbeitet in Zürich
Erstellt: 25.11.2008, 15:09 Uhr
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