Kultur

«Adolf Muschg ist ein Heuchler»

Adolf Muschg sorgte für einen Eklat, als er sich kurz vor der Verleihung des Schweizer Buchpreises aus dem Wettbewerb zurückzog. «Reines Marketing», meint SVP-Nationalrat und Autor Oskar Freysinger.

Klare Worte: Oskar Freysinger.

Klare Worte: Oskar Freysinger. (Bild: Keystone)

Zog sich einen Tag vor der Verleihung des Buchpreises aus Protest gegen solche Wettbewerbe zurück, obwohl er seit Wochen nominiert war: Schriftsteller Adolf Muschg.

Zog sich einen Tag vor der Verleihung des Buchpreises aus Protest gegen solche Wettbewerbe zurück, obwohl er seit Wochen nominiert war: Schriftsteller Adolf Muschg. (Bild: Keystone)

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Herr Freysinger, was denken Sie über Adolf Muschgs Vorgehen?
Offenbar hat er gewusst, dass er den Preis nicht erhält. Das ist reines Marketing. Indem er sich vom System distanziert und grosse Theorien bringt, hält er sich im Gespräch. Wohlgemerkt distanziert er sich von einem System, das ihn lange gut ernährt hat.

Schon sein plötzlicher Rücktritt als Präsident der Deutschen Akademie der Künste vor einigen Jahren war ähnlich mit einem Protest begleitet.
In der Politik braucht man oft solche Strategien, wenn man Aufmerksamkeit generieren möchte. Aber soll man dies auch im Literaturbetrieb machen? Eigentlich würde man meinen, dass die Literatur einer anderen Logik folgen sollte. Aber es ist eine effiziente Strategie, die Medien springen sofort auf. Ob diese Strategie in dem Zusammenhang aber moralisch ist, das ist eine andere Frage.

Sie finden das unglaubwürdig?
Ja. Muschg blieb lange im Wettbewerb, erst einen Tag vor der Verleihung zog er sich zurück. Wenn keine Linie erkennbar ist, dann ist man mit der Zeit nicht mehr glaubwürdig. Was er in seinen Texten propagiert, ist nicht kohärent mit dem Handeln.

Der Autorenverband hat Sie als Mitglied abgelehnt, Adolf Muschg ist einer seiner stärksten Vertreter. Bestätigen die jetzigen Vorkommnisse Ihre bisherigen Erfahrungen mit jenen Künstlerkreisen?
Ja klar. Was Muschg macht, ist Heuchelei. Wir wissen, die Politik ist ein Saugeschäft. Es tut mir Leid, aber das ist so, das kenne ich gut. Aber hier sind wir nicht in der Politik, sondern im Literaturbetrieb. Und ich habe immer noch das Ideal, dass Intellektuelle so etwas wie ein geistiges Gewissen einer Gesellschaft sind. Wenn Intellektuelle sich dazu herablassen, noch schlimmer zu handeln als Politiker, dann steht es um die Literatur und um die Gesellschaft nicht gut.

In Anbetracht dessen, dass Sie auch nicht ganz unumstritten sind und schon Leute brüskiert haben, setzen Sie sehr hohe Massstäbe.
Ich bin in die Politik eingestiegen, bevor ich mein erstes Buch veröffentlichte. Mittlerweile habe ich gemerkt, dass die zwei Bereiche Politik und Literatur kaum miteinander zu vereinbaren sind. Wenn ich zum Beispiel meine satirischen Gedichte publiziere, so wird mir dies im politischen Bereich zum Strick gedreht. Stichwort: Pissoir-Poet. Politik verträgt nur das Offenkundige, der übertragene Bereich wird da nicht verstanden. Erst kürzlich hat man das wieder gesehen, als Berlusconi sagte, Obama sei jung, sportlich und gebräunt. Das war bestimmt nur ein Witz, aber im politischen Bereich geht das nicht. Da habe ich tatsächlich ein Problem: Als Autor bin ich wegen der Politik unglaubwürdig und als Politiker wegen dem Schreiben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.11.2008, 14:31 Uhr

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16 Kommentare

Roland Keller

22.03.2010, 00:13 Uhr
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Muschg ist ein verwirrter alt-achtungsechziger. Solche Leute hatten vor 40 Jahren ihre Berechtigung. Heute kann man sie nicht mehr ernst nehmen und man sollte sie einfach ignorieren. Das gleiche gilt für Cohn-Bendit. Antworten


Felix Dutli

19.11.2008, 07:55 Uhr
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Für mich ist das Statement von O.F. erfrischend, verständlich und auf den Punkt gebracht. Unverständlich, dass in diesen Kommentaren mehr über die Person Freisinger diskutiert wird als über den Inhalt. Schön, dass einer es versteht, sich in knappen Sätzen auszudrücken. Antworten


Marcel Wild

17.11.2008, 17:31 Uhr
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Dass man Oskar Freysinger zu diesem Thema vom Tagi überhaupt zu Wort kommen lässt ist mir mir völlig schleierhaft. Oder qualifiziert man sich beim Tagesanzeiger tatsächlich literarisch wenn man sich an alkoholgeschwängerten Fondueabenden zotige Gedichte einfallen lässt ?? Antworten


Peter Wolf

17.11.2008, 16:56 Uhr
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Ich versteh nicht wieso Freysinger nicht in den Autoren-Club aufgenommen wird? Gilt dies als Qualitätssiegel für gute Schreiberlinge? Wohl kaum. Ausschluss hat nie was gebracht. Er soll doch Mitglied sein können. Das Publikum kann selber entscheiden, ob es für seine Texte Geld ausgeben will. Nicht dass ich den O.F. besonders mag. Doch was er über Muschg sagt ist nicht ganz verkehrt. Antworten


Roland Horni

17.11.2008, 16:37 Uhr
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An Mark Müller: Was wird denn hier immer von "Seiten des Tagesanzeigers" gesprochen, ich denke, hier lese ich Beiträge der Basler Zeitung....? Antworten


Christoph Forster

17.11.2008, 16:34 Uhr
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Wer ist Oskar Freysinger? Muss man den kennen? Steht der im Kindler Lexikon? Antworten


Ruedi Burkhard

17.11.2008, 15:57 Uhr
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@Thom Dahinden: "Man hat offenbar lieber Leute wie Adolf Muschg, welche die Schweiz nicht nur dauernd hinterfragen (was legitim ist), sondern der Schweiz im In- und Ausland schaden." Da kann ich nur beistimmen. Lob und Berühmtheit haben offenbar die Eigenschaft 'zu steigen'; manchmal auch in den Kopf.... Antworten


Elmar Stocker

17.11.2008, 15:45 Uhr
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Ich mag Muschgs Erzählungen trotz seiner ausgezeichneten Sprache nicht sonderlich, aber er hat trotzdem das Recht, einen Preis nicht entgegenzunehmen, oder sich aus einer Nomination zurückzuziehen. VIel heisse Luft um nichts also. Was aber die pawlowschen Hunde nicht vom Bellen abhält, wie die einschlägigen Kommentare ja beweisen. Lest Dürrenmatt, das tut gut! Antworten


Mark Müller

17.11.2008, 15:41 Uhr
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Dass einem Herrn Freysinger in diesem Zusammenhang ein Podium gegeben wird, ist für mich von Seiten des Tages-Anzeigers nichts anderes als reines Marketing: Kreieren einer billigen Schlagzeile. Ich fühle mich in meinem Beschluss bestätigt, das Tagi Abo vor einigen Monaten gekündigt zu haben. Antworten


Sabina Brändli

17.11.2008, 15:37 Uhr
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@Thom Dahinden: Irrtum, ich sass im Publikum, als er im Cabaret Voltaire auftrat. Der Politiker Freysinger war für mich bei diesem Auftritt völlig irrelevant. Aber der anwesende "Literat" Freysinger war öd und simpel. Was Freysinger gut kann, ist (sich) inszenieren - wie mit dieser Muschg-Schelte. Freysinger ist theatralisch und rhetorisch begabt. Aber er würde besser fremde Texte rezitieren. Antworten


Thom Dahinden

17.11.2008, 15:26 Uhr
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Ich bin froh, dass es sowohl in der Politik, als auch der Schriftstellerei Querköpfe wie Freysinger gibt, welche man nicht in das übliche Schema einordnen kann. Beliebt machen sich solche Leute allerdings nicht, wie man hier sieht. Man hat offenbar lieber Leute wie Adolf Muschg, welche die Schweiz nicht nur dauernd hinterfragen (was legitim ist), sondern der Schweiz im In- und Ausland schaden. Antworten


Thom Dahinden

17.11.2008, 15:24 Uhr
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Die Kommentare unter diesem zeigen wieder deutlich: Nur weil Freysinger als Autor nicht die übliche links-intellektuelle, blasierte Weltanschauung der meisten Autoren vertritt, wird er heruntergeputzt, bzw. werden ihm jegliche Qualitäten als Autor abgesprochen. Dies von Leuten, welche wahrscheinlich nur seine "Blödel-Reime" kennen, und sonst nichts von ihm gelesen haben. Antworten


Oli Sooli

17.11.2008, 15:17 Uhr
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Und wenn Freysinger über Muschg herzieht ist das noch billigeres Marketing und wer um Gottes Willen ist auf die Idee gekommen ausgerechnet Freysinger dazu zu befragen. Antworten


Sabina Brändli

17.11.2008, 15:13 Uhr
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Freysinger ist schlicht nicht Teil des Literaturbetriebs. Ein paar holprige Reime und etwas Sex & Crime ergeben vielleicht ordentliche Schulaufsätze aber noch lange keine Literatur. Seine Gedichte haben dieselbe poetische Ästhetik wie seine Postulate - nämlich gar keine. In der Politik ist das egal, in der Literatur nicht. Antworten


Gabriel Züllig

17.11.2008, 15:09 Uhr
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Ich wüsst eine Lösung für Freysingers Dilemma: Zurücktreten und alle seine Schriften verbrennen. Antworten


Alois Hugentobler

17.11.2008, 15:03 Uhr
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Bravo Oskar Freysinger. Endlich jemand, der die Sache beim Namen nennt! Antworten



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