«Adolf Muschg ist ein Heuchler»
Interview: Rico Bandle. Aktualisiert am 17.11.2008 16 Kommentare
Klare Worte: Oskar Freysinger. (Bild: Keystone)
Zog sich einen Tag vor der Verleihung des Buchpreises aus Protest gegen solche Wettbewerbe zurück, obwohl er seit Wochen nominiert war: Schriftsteller Adolf Muschg. (Bild: Keystone)
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Herr Freysinger, was denken Sie über Adolf Muschgs Vorgehen?
Offenbar hat er gewusst, dass er den Preis nicht erhält. Das ist reines Marketing. Indem er sich vom System distanziert und grosse Theorien bringt, hält er sich im Gespräch. Wohlgemerkt distanziert er sich von einem System, das ihn lange gut ernährt hat.
Schon sein plötzlicher Rücktritt als Präsident der Deutschen Akademie der Künste vor einigen Jahren war ähnlich mit einem Protest begleitet.
In der Politik braucht man oft solche Strategien, wenn man Aufmerksamkeit generieren möchte. Aber soll man dies auch im Literaturbetrieb machen? Eigentlich würde man meinen, dass die Literatur einer anderen Logik folgen sollte. Aber es ist eine effiziente Strategie, die Medien springen sofort auf. Ob diese Strategie in dem Zusammenhang aber moralisch ist, das ist eine andere Frage.
Sie finden das unglaubwürdig?
Ja. Muschg blieb lange im Wettbewerb, erst einen Tag vor der Verleihung zog er sich zurück. Wenn keine Linie erkennbar ist, dann ist man mit der Zeit nicht mehr glaubwürdig. Was er in seinen Texten propagiert, ist nicht kohärent mit dem Handeln.
Der Autorenverband hat Sie als Mitglied abgelehnt, Adolf Muschg ist einer seiner stärksten Vertreter. Bestätigen die jetzigen Vorkommnisse Ihre bisherigen Erfahrungen mit jenen Künstlerkreisen?
Ja klar. Was Muschg macht, ist Heuchelei. Wir wissen, die Politik ist ein Saugeschäft. Es tut mir Leid, aber das ist so, das kenne ich gut. Aber hier sind wir nicht in der Politik, sondern im Literaturbetrieb. Und ich habe immer noch das Ideal, dass Intellektuelle so etwas wie ein geistiges Gewissen einer Gesellschaft sind. Wenn Intellektuelle sich dazu herablassen, noch schlimmer zu handeln als Politiker, dann steht es um die Literatur und um die Gesellschaft nicht gut.
In Anbetracht dessen, dass Sie auch nicht ganz unumstritten sind und schon Leute brüskiert haben, setzen Sie sehr hohe Massstäbe.
Ich bin in die Politik eingestiegen, bevor ich mein erstes Buch veröffentlichte. Mittlerweile habe ich gemerkt, dass die zwei Bereiche Politik und Literatur kaum miteinander zu vereinbaren sind. Wenn ich zum Beispiel meine satirischen Gedichte publiziere, so wird mir dies im politischen Bereich zum Strick gedreht. Stichwort: Pissoir-Poet. Politik verträgt nur das Offenkundige, der übertragene Bereich wird da nicht verstanden. Erst kürzlich hat man das wieder gesehen, als Berlusconi sagte, Obama sei jung, sportlich und gebräunt. Das war bestimmt nur ein Witz, aber im politischen Bereich geht das nicht. Da habe ich tatsächlich ein Problem: Als Autor bin ich wegen der Politik unglaubwürdig und als Politiker wegen dem Schreiben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.11.2008, 14:31 Uhr
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16 Kommentare
Freysinger ist schlicht nicht Teil des Literaturbetriebs. Ein paar holprige Reime und etwas Sex & Crime ergeben vielleicht ordentliche Schulaufsätze aber noch lange keine Literatur. Seine Gedichte haben dieselbe poetische Ästhetik wie seine Postulate - nämlich gar keine. In der Politik ist das egal, in der Literatur nicht. Antworten












