Amendt : «Die CIA hat mit LSD experimentiert»

Interview: Rico Bandle. Aktualisiert am 21.10.2008 7 Kommentare

Der deutsche Drogenexperte Günter Amendt will mit seinem neuen Buch das LSD entmystifizieren. Der streitbare Autor über den Einfluss der Droge auf die Gesellschaft, die RAF und seine eigenen Drogenexperimente.

LSD als Mythos: Günter Amendt.

LSD als Mythos: Günter Amendt.

Das Buch

Günter Amendt: Die Legende vom LSD. Verlag Zweitausendeins. 144 Seiten.

Zur Person

Günter Amendt, geboren 1939, ist Sozialwissenschaftler, Therapeut und Autor. Er gilt als bekanntester Drogenexperte Deutschlands.

Wie erklären Sie sich die anhaltende Faszination für LSD?
Zum 100. Geburtstag von Albert Hofmann war ich an einem Kongress in Basel und habe dort erlebt, wie die amerikanischen Experten Dinge über die Rolle von LSD in den 60er-Jahren sagten, die für Europa absolut nicht zutreffen. All das, was in den 60er-Jahren passiert ist, wäre ohne LSD nicht möglich gewesen, sagten die. Eine absolute Überbewertung der Droge. Dem wollte ich etwas entgegensetzen, deshalb das Buch.

Was war denn genau der Einfluss von LSD auf die 68er-Generation?
Ich würde auch die anderen Drogen einbeziehen, vor allem Cannabis, neben Alkohol die am weitesten verbreitete Droge. Die Drogen haben die Wahrnehmung der Protagonisten damals entscheidend beeinflusst und verändert. Um von mir zu reden: Ich bin ein sehr rationaler und analytischer Mensch, durch die Drogen habe ich auf der emotionalen Ebene auf gewisse Dinge einen neuen Blick bekommen. Etwa auf das Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Die Haltung, mit der ich erzogen worden bin, wie «Macht euch die Erde Untertan» oder «Der Mensch ist die Krone der Schöpfung», hat sich relativiert. Plötzlich begann man sich als Teil dieser Zusammenhänge zu begreifen.

Tragen sie damit nicht selbst zu dem Mythos LSD bei, den sie eigentlich relativieren wollten?
Nein. Einerseits wehre ich mich gegen die Dämonisierung der Drogen – das tue ich schon mein Leben lang –, deshalb muss man die Wahrheit über Drogen sagen, auch die positiven Seiten. Andererseits kämpfe ich gegen die Mystifizierung, dass Drogen die Welt verbessern, dass man plötzlich den besseren Durchblick hat, dass alles, was passiert, das Ergebnis einer Pille ist.

Oft werden die grossen Verbrechen aus jener Zeit, zum Beispiel die Morde der RAF oder von Charles Manson in Verbindung mit LSD gebracht. Was halten Sie davon?
Baader und Ensslin habe ich beide gekannt – bei allen, die damals aktiv waren, haben Drogen eine Rolle gespielt. Ausser vielleicht bei Ulrike Meinhof, die habe ich nicht einmal je trinkend gesehen. Trotzdem kann ich überhaupt keinen Zusammenhang sehen zwischen den Taten der RAF und der Tatsache, dass RAF-Mitglieder LSD und andere Drogen konsumiert haben. Den Zusammenhang halte ich für konstruiert. Ebenso bei Charles Manson. Er ist ein Psychotiker, seine Taten sind für mich jene eines Psychotikers, auch wenn die Psychosen durch Drogen ausgelöst worden wären. Hätten diese Taten einen Zusammenhang mit Drogen, so müsste man den Umkehrschluss machen: Warum sind all die anderen Leute, die tausendfach Drogen genommen haben, nicht zu Terroristen geworden?

Ein Aspekt in Ihrem Buch ist die militärische Nutzung von LSD. Das sind grausige Schilderungen.
Alle Geheimdienste suchten damals eine Wahrheitsdroge. Man wollte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein Mittel finden, um in das Bewusstsein der Menschen einzugreifen. Die CIA hat in einer Form mit LSD experimentiert, die nach der heutigen Definition Folterforschung gewesen ist. 1974 hat der US-Kongress diese Experimente verboten. In der Anwendung wurde auch versucht, LSD in die gegnerische Linie zu schiessen. Dabei hat man festgestellt, dass das Zeug auch zurückkommt und die eigenen Leute kontaminiert. Heute gilt LSD in der militärischen Anwendung als zu unpräzise, zu wenig genau anwendbar. Als Verhördrogen gibt es mittlerweile viel wirksamere Substanzen. Bei den US-Geheimdiensten gibt es immer noch ein riesiges Lager an LSD, aber als Kampfstoff ist LSD längst überholt.

Sie haben selber LSD genommen, beschreiben die Erfahrung im Buch durchaus positiv. Dennoch haben sie nur zwei Trips genommen. Weshalb?
Ich hatte die Trips in den 60er-Jahren genommen, mit absolut reinem LSD, unter der Beobachtung von Experten. Tatsächlich habe ich es als positive sinnliche Erfahrung erlebt. Mit Albert Hofmann habe ich diskutiert, wie oft eine solche Erfahrung wiederholbar ist. Er und auch andere Experten waren sich einig, dass gerade bei LSD nach ein oder zwei Trips nur noch eine dumpfe Wiederholung möglich ist. Sie müssen sich vorstellen, ein solcher Trip ist eine Erschütterung. Ich habe Tage, Wochen gebraucht, um zu reflektieren, was da passiert ist. Das ist sehr anstrengend. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.10.2008, 15:07 Uhr

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7 Kommentare

Dotor Trips

21.10.2008, 15:58 Uhr
Melden

Wie will der "Drogenexperte" den wissen, dass nach ein oder zwei LSD-Trips nur eine dumpfe Wiederholung möglich ist, wenn er in seinem Leben nur deren zwei geschluckt hat...? Da möchte einer sein müdes Buch verkaufen geschmückt mit berühmten Namen anderer: Albert Hofmann, Baader, Ensslin, Meinhof. Antworten


MK Ultra

21.10.2008, 16:03 Uhr
Melden

Und was gibt's neues, ausser dass die Gesellschaft bzgl. medizinsch nutzbaren "Drogen" immer noch in der Repressionphase steckt? Dass die CIA u.a. mit allem möglichen Mindcontrol-Substanzen rumhantiert ist ja nix neues... MK Ultra ähnliches wird wohl immer noch gemacht... Antworten



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