Kultur

Da knallt des Junkers rhetorische Peitsche

Von Linus Schöpfer. Aktualisiert am 01.12.2011 49 Kommentare

Karl-Theodor zu Guttenberg publizierte ein Interview-Bändchen namens «Vorerst gescheitert». Besonders irritierend ist dabei der ungebrochene Herrenreiter-Duktus.

1/7 Publizierte ein langes Gespräch mit Guttenberg: Giovanni di Lorenzo, Chefredaktor der Wochenzeitung «Die Zeit». (Aufnahme vom 6. Juni 2005, Hamburg)
Bild: Keystone

   

Vorerst gescheitert: Karl-Theodor zu Guttenberg im Gespräch mit Giovanni di Lorenzo. Herder-Verlag, 2011. Ca. 32 Franken.

Video (Quelle: Youtube)

Vielbeachtet: Guttenbergs Rücktrittsrede.

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Anfang Jahr noch sahen viele in ihm den «gefühlten Bundeskanzler», ja den Hermes einer neuen, integeren, sauberen Politik. Doch dann kam ans Licht, dass sich in Guttenbergs 393-seitigen Doktorarbeit nicht weniger als 371 Plagiate befanden, und Baron Theodor von und zu Guttenberg trat von allen seinen Ämtern zurück.

Im Interview-Bändchen «Vorerst gescheitert», das sein Comeback einleiten soll, versucht Guttenberg nun wenig überraschend, die Plagiatsaffäre zu beschönigen. Guttenbergs altbekannte und wortreich erneuerte Erklärung: Er sei ein Schussel gewesen und habe ob der schieren Fülle des Materials die Übersicht verloren. Das will dem Plagiator allerdings weiterhin niemand so recht glauben; die Reaktionen der deutschsprachigen Presse schwanken zwischen Mitleid und Häme.

Er, Guttenberg

Neben dem teils störrischen, teils verklausulierten Umgang mit der Plagiatsaffäre irritiert am Bändchen aber vor allem eins: Guttenbergs ungebrochene Herrenreiter-Rhetorik. Mehr denn je durchsetzt der frühere Verteidigungsminister seine Rede mit altbackenen Phrasen und Floskeln, in hochtrabendem Duktus doziert Guttenberg über Wehrpflicht und Hochschullandschaft, über Geopolitik und Weltwirtschaftskrise.

Und Guttenberg will das Pathos. Ständig legt er «grössten Wert» auf irgendwelche Nebensächlichkeiten, und «von ganzem Herzen» kommt bei ihm nicht weniges. Ab und an wird diese Gefühlsdudelei aufgebrochen von herrischen Einwürfen, beispielsweise bei der Anekdote über jene Bundeswehr-Blaskapelle, die «eine Gruppe Protestler» (Guttenberg) zum Schweigen brachte. «Danach war Ruhe», hält der Baron befriedigt fest – da knallt des Junkers rhetorische Peitsche.

Unverkennbar ist auch Guttenbergs Tendenz zur Selbststilisierung, mit Bewunderung blickt er zurück, voller Stolz, eine «solche Karriere» gemacht zu haben. Warum er eigentlich von sich in der dritten Person spreche, fragte einmal Interviewer und «Zeit»-Chefredakteur Di Lorenzo. Dieses von ihm verwendete «man», erklärt Guttenberg daraufhin, sei «ein anerzogener Sprachgebrauch, der sich bei mir wahrscheinlich über die Jahre hinweg eingeschliffen hat, der eine gewisse Form von Zurückhaltung zum Ausdruck bringen soll.»

Elitärer Anspruch

Guttenberg – und das weiss er selbst nur zu gut – hebt sich mit seiner gestelzten Rhetorik von allen übrigen deutschsprachigen Politikern ab. Die überhebliche Ideologie, die Guttenbergs Stil prägt, wird am Ende des Buchs evident. In seiner Familie «gab und gibt es den expliziten Anspruch, Elite sein zu wollen», erklärt der Spross eines alten fränkischen Adelsgeschlechts.

Diesen familiären Anspruch muss und will Guttenberg als «Politikschaffender», wie er sich in «Vorerst gescheitert» bezeichnet, nun einlösen – komme, was wolle. «Und die Kräfte kehren wieder zurück», lautet Guttenbergs letzter Satz. Es klingt fast wie eine Drohung.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.11.2011, 12:26 Uhr

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49 Kommentare

Nadine Bisegger

30.11.2011, 13:55 Uhr
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Wusstet ihr schon? Das neue Buch von Guttenberg kauft man nicht. Man kopiert es sich einfach! Antworten


Hanspeter Kruesi

30.11.2011, 13:02 Uhr
Melden 61 Empfehlung

Endgültig gescheitert. ;-) Antworten