«Das Werk eines Genies»
Aktualisiert am 19.08.2010 2 Kommentare
«In seinem neuen Roman zeigt er uns, wie wir heute leben»: «Time» über Jonathan Franzen.
Buch
Jonathan Franken: Freedom. Die englische Ausgabe erscheint am 31. August. Die deutsche Übersetzung Mitte September.
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Einst schauten literarische Schwergewichte wie James Joyce, Ernest Hemingway oder J. D. Salinger aus dem «Time»-Titelbild heraus. In letzter Zeit war diese Ehre jedoch vor allem Politikern und Unternehmern vorbehalten. Nun hat es Jonathan Franzen als erster Autor seit zehn Jahren auf das Cover des renommierten US-Nachrichtenmagazins geschafft.
Gefeiert wird nicht nur Franzen, sondern sein neuster Roman «Freedom»: Ein 500 Seiten starker, handlungsarmer Familienroman, der von der kunstvollen Zeichnung seiner Figuren lebt, von sozialem Realismus und vor allem von der Sprachgewalt des Autors. «Das Buch wäre wahrscheinlich unerträglich langweilig, wäre es nicht das Werk eines Genies», schrieb das «New York Magazine».
«Time» sieht denn auch Erklärungsbedarf: Franzen sei «nicht der Reichste und auch nicht der Berühmteste», und seine Romanfiguren hätten auch keine «Zauberkräfte». Warum er dennoch aufs Cover darf? «In seinem neuen Roman ‹Freedom› zeigt uns Jonathan Franzen, wie wir heute leben.»
Einmaliges Gespür
Schon zwei Wochen vor dem Erscheinungstermin von «Freedom», seinem ersten Roman seit seinem vor neun Jahren erschienen Bestseller «Die Korrekturen», rollt in den USA ein beispielloser Hype um das Buch und seinen Autor an. Der «Tagesspiegel» sieht darin den «Wunsch nach einem neuen, allgemeingültigen, die Leser verbindenden Epochenroman im Zeitalter der fragmentierten Öffentlichkeit von Twitter und iPhone». Der Wunsch ist berechtigt: Genau dies ist Franzen mit den «Korrekturen», dem Roman, der die Lebensbedingungen der 90er so beeindruckend auf den Punkt brachte, bereits einmal gelungen.
Wie die «Korrekturen» handelt auch das neue Buch von einer dysfunktionalen Mittelklassefamilie. Wie damals die Lamberts in St. Louis kämpfen nun auch die Berglunds in St. Paul mit den Zumutungen der zeitgenössischen Welt. Alkohol und verbotene sexuelle Verlockungen, Irakkrieg und Überbevölkerung.
Porträt unserer Zeit
Michiko Kakutani, eine Art Marcel Reich-Ranicki Amerikas, nennt das titelgebende Leitmotiv «schwerfällig», auch der «verdrehte dickensianische Plot» sei es nicht, was das Buch zu Franzens «bisher am tiefsten empfundenen» mache, zu einem «unvergesslichen Porträt unserer Zeit». Es seien vielmehr die auf fast unheimliche Weise lebendigen Charaktere und Franzens einmaliges «Gespür für die Absurditäten des zeitgenössischen Lebens».
Im «New York Magazine» klingt es ähnlich: «Seine Charaktere», so wird der Autor gepriesen, «springen über die Kunst-Wirklichkeit-Schwelle.» Dann hebt das Magazin zu einer hymnischen Würdigung Franzens Erzählkünste an: «Manche Sätze sind so gut geschrieben, dass man sie herauspflücken, auf kleine Spiesschen stecken und essen will.» (phz)
Erstellt: 19.08.2010, 11:19 Uhr
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Anna Huber
hat jemand das buch schon gelesen? tönt verlockend, aber war bisher immer enttäuscht von amerikanischer literatur neueren datums. diese dauernde, als weltöffentlich relevant zur schau gestellte kriegstraumaverarbeitung und selbstbeweihräucherung geht mir nicht nur zwischen buchdeckeln, sondern auch auf bühne und leinwand zusehends auf die nerven. ist franzen anders? Antworten