Der Ghostwriter
Von Raffael Schuppisser. Aktualisiert am 21.04.2011 57 Kommentare
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An ihn wenden sich Studenten, wenn sie nicht mehr weiterwissen. Wenn sie an einer akuten Schreibblockade leiden. Wenn sie keine Lust auf eine weitere Seminararbeit haben. Oder wenn sie sich schlicht nicht imstande fühlen, eine Lizenziatsarbeit zu schreiben. Sie finden ihn über Kleinanzeigen im Internet: «Ghostwriter – zuverlässig, diskret, preiswert – erstellt für Sie akademische Texte», heisst es da. Dahinter verbirgt sich der in der Nähe von Zürich lebende Autor Achim H. Pollert – 52, Halbglatze, Hornbrille.
Eine 15-seitige Arbeit zur Ausprägung des Steuerwesens unter Kurfürst Albrecht zwischen 1470 und 1480 in der Mark Brandenburg? – Kein Problem für Pollert. Ein 20-seitiger Vergleich zur Kritik des ontologischen Gottesbeweises bei Kant und Hegel? – Nicht sein Spezialgebiet, aber machbar. Eine Masterarbeit in internationaler Politik über Unterschiede zwischen der demokratischen Revolution in Ungarn und jener in der Republik Jugoslawien? – Eher einfach.Pollert ist ein Schnellschreiber. 10 Seiten schafft er problemlos am Tag, manchmal gar bis zu 20. Vorausgesetzt, er weiss, was er schreiben soll. Doch manchmal wissen das die Studenten selber nicht. Sie kommen dann lediglich mit einem vagen Themenvorschlag zu ihm. So auch eine Frau, die eine Lizenziatsarbeit über die Verhältnisse der Zwischenkriegszeit in Europa geschrieben haben wollte, aber keine Ahnung hatte, was man da genau schreiben könnte.
5000 Euro für 100 Seiten
Pollert kam das Thema gelegen. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts zählt zu seinen besonderen Interessen. Für die ganze Arbeit – 100 Seiten plus Literaturverzeichnis und Anhang – hat Pollert 5000 Euro verlangt. Kein schlechter Deal für die Auftraggeberin, sitzen doch Studenten gut und gerne neun Monate an ihrer Lizarbeit. Für Pollert hat sich der Auftrag auch gelohnt. Nur 10 Tage hat er dafür gebraucht.
Nicht immer können sich aber Ghostwriter und Auftraggeber einigen. Vielen sei nicht bewusst, dass Ghostwriting eine qualifizierte und aufwendige Arbeit sei, sagt Pollert. Ein Student wollte jüngst in weniger als einer Woche eine 20-seitige Arbeit über die Marketingkonzepte von zwei Firmen, Pollert verlangte 2500 Euro. So viel könne er nicht aufbringen, sagte der Student. Er hätte aber gerade ein Praktikum bei einer Nobeltextilfirma gemacht und geniesse dort Sonderkonditionen. Ob Pollert statt Geld einen Markenmassanzug wolle?
Wikipedia und Google Books
Pollert lehnte freundlich ab. Einen Markenanzug braucht ein Ghostwriter nicht. Für seine Arbeit muss er nicht einmal das Haus verlassen. Der Gang in die Bibliothek für die Recherche ist heute dank Internet nicht mehr nötig, Wikipedia ist immer für eine erste Annäherung gut und führt zu diversen weiteren Quellen. Auf Amazon findet man aktuelle Literatur – oft können einige Seiten eingesehen werden. Das reicht schon, um ein Zitat in die Arbeit einzubauen. Dasselbe gilt für Google Books, wo ältere Werke auch vollständig zur Verfügung stehen, mit Stichwortverzeichnis. So kommt rasch ausreichend Material zusammen.
Pollerts erste akademische Auftragsarbeit war gleich eine Dissertation. Ein bekannter Ethnologe sollte für das berufliche Fortkommen eine Doktorarbeit verfassen, sah sich dazu aber nicht recht imstande. Pollert schon. Mit ethnologischen Studien hatte er sich vorher noch nie beschäftigt. Die europäischen Volksbräuche, über die er schreiben sollte, waren ihm bis dahin völlig fremd. Doch nach drei Monaten war das 200-seitige Buch fertig. Erstaunt hat Pollert vor allem, wie wenig fachliche Kenntnisse eigentlich nötig seien, um eine Doktorarbeit zu schreiben, aber mit wie viel formalem Aufwand das verbunden war.Es folgten eine weitere Dissertation in Betriebswirtschaftslehre und Lizenziatsarbeiten in Geschichte, Philosophie, Soziologie, Psychologie und Wirtschaft. Pollert schreibt alles, was er sich zutraut. Ob er auch eine Arbeit in den «harten» Naturwissenschaften verfassen könnte, weiss er nicht, weil er nie einen solchen Auftrag erhalten hat.Selber war er nie auf einer Universität. Der Betrieb, bei dem es viel mehr um «das Spuren als um das Können ankommt», ist ihm von jeher suspekt. Eine wissenschaftliche Laufbahn war nie ein Thema, weshalb er Banker wurde. Damit begann auch seine «Karriere» als Ghostwriter. Für seine Vorgesetzten hat er Vorträge geschrieben, welche diese ganz selbstverständlich als ihre eigenen ausgaben. Irgendwann machte sich Pollert dann als Ghostwriter und Autor selbstständig. Unter seinem Namen veröffentlicht er Sachbücher, unter einem Pseudonym Romane, als anonymer Ghostwriter akademische Schriften für andere.
Verständnis für Guttenberg
Moralische Bedenken hat er nicht. Es sei anerkanntes Allgemeingut, dass Politiker ihre Reden schreiben lassen. Warum sollten Akademiker nicht dasselbe tun dürfen? Das Tamtam, wenn wieder einmal herauskommt, dass bei einer Doktorarbeit «gemogelt» wurde, versteht er nicht. Nur weil der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bei seiner Dissertation abgeschrieben hat, soll er kein qualifizierter Minister mehr sein? Wenn er für das Amt qualifiziert war, dann doch hoffentlich durch andere Leistungen. So jedenfalls sieht das der Ghostwriter.
Die von ihm verfassten Arbeiten bezeichnet Pollert als «mittelmässig». Zu einem gewissen Teil sei das Strategie, um keinen Argwohn zu erzeugen. Dabei schreibt Pollert immer im gleichen Stil – egal ob Proseminararbeit oder Dissertation. An seinen kurzen, konzisen Sätzen und dem leicht ironischen Unterton könnte ihn womöglich ein Dozent erkennen, falls zufällig schon einmal ein Student bei ihm eine von Pollert geschriebene Arbeit abgegeben hat. Doch dass sich der Dozent noch so genau erinnert, ist wohl eher unwahrscheinlich. Also besteht kaum Gefahr für die Studenten. Zumindest solange sie gegenüber ihren Kommilitonen den Mund halten und nicht mit ihrer dreisten Tat angeben. Doch das wäre dann einfach zu dumm. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.04.2011, 07:53 Uhr
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57 Kommentare
Die Entscheidung, eine Dissertation zu schreiben, war wohl eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Über mehrere Jahre so intensiv an einem Thema zu arbeiten war hoch spannend und brachte am Ende auch die Gewissheit, in diesem Gebiet wirklich Fachmann zu sein und etwas zu sagen zu haben. Die Arbeit hätte sich schon gelohnt ohne Titel... Dieses tolle Gefühl kann kein Ghostwriter liefern... Antworten
Wenn ich das so lese kommt mir das Grauen ein Berufsmann muss eine Meisterarbeit ablegen die dan von mehreren Personen geprüft wird und dies unter Aufsicht. Ein Koch z. B. kocht ein Menu und das wird dann von den Experten Auch gegessen nichts von da von Geisterköchen!!! Aber eben je weiter unten auf der Hühnerleiter un so verschiss.... Antworten
Ich zähle spontan mindestens zwölf Rechtschreibefehler bei fünf Zeilen, wobei zumindest ein Satzteil sprachlich keinen Sinn ergibt. Aber ich gebe Ihnen durchaus Recht; wissenschaftliche Arbeiten schreiben ist sowas von kinderleicht! So einfach wie die Deutsche Grammatik.
Was lernt man in einem Studium, wenn man ohne Ausbildung in einem Gebiet eine genügende Arbeit schreiben kann? Es scheinen wohl nur formale Kriterien zu gelten, nicht fachliche. Zum Glück ist die Masterarbeit bzw. Dissertation nicht der einzige Qualifikationsnachweis eines Absolventen. Antworten
Achim Pollet hat nur den Finger auf die Wunde gewiesen, damit auch der rechtschaffener Mensch nicht so ein Minderwertigkeitsgefuehl hat waehrend seines Lebens. So viele Flaschen die studiert haben, da muss doch etwas nicht stimmen! Ein normaler Lehrabgaenger ist mir simphatischer und hat bestimmt mehr geleistet, der Huehnerhaufen auf dem Uni Gelaende kann sich jeder selbst ansehen und staunen!!!!! Antworten
Ein bewundernswerter Mann dieser Achim Pollert, der meine ganze Beachtung hat. Offensichtlich ein Schreibgenie - und ein wenig Lebenskünstler. Wow, da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Auf die "moralische Seite" will ich mich nicht einlassen... Antworten
Wenn es keine faulen oder unfähige Studenten geben würde, dann wäre auch der Herr Pollert arbeitslos. Meine Frau schreibt für Politiker Reden und hat ebenfalls schon Meisterarbeiten und eine Dissertation geschrieben für ihren Chef. In anderen Ländern ist das noch viel mehr verbreitet, da dort vielfach studieren damit zu tun hat, dass die Eltern reich sind und nichts mit Qualifikation. Antworten
Falls das stimmt, was im Artikel steht, handelt es sich bei den Werken des Herrn Pollert weder um Lizentiatsarbeiten noch um Dissertationen, sondern um Pfusch. Akademische Arbeiten sind Knochenarbeit. Ich habe an meiner Lizentiatsarbeit (in einer Geisteswissenschaft) fast ein Jahr intensiv gearbeitet, dafür über hundert Bücher gelesen und mit meiner Professorin diskutiert, revidiert, korrigiert. Antworten
Dieser Meinung kann ich mich nur anschließen. Eine wissenschaftliche Arbeit - z.B. eine Dissertation - ist ein Knochenjob. Das schüttelt keiner aus dem Ärmel.
Menschen wie Herr Pollert sind doch nur die absolute Ausnahme zur (guten) Regel.
Wie unverständlich ist es, dass nun schon wieder über die "unfähigen" Studenten gewettert wird. Über einen Kamm scheren ist so einfach...
Das Problem sind nicht die Ghostwriter sondern die Unis bzw. Professoren. Anscheinend wurde K-T. zu Guttenbergs Diss gar nicht seriös kontrolliert worden. Pollert kann nur so viele Seiten pro Tag schreiben, indem er grossartig Fremdtexte abkupfert. Sowas lässt sich per Software schon seit 10 J. überprüfen. Zudem kann jeder Prof. nur eine sehr beschränkte Anzahl von Doktorarbeiten seriös betreuen. Antworten
Nö, der Mann schreibt mit grösster Garantie nicht ab. Sehen Sie mal seine Texte an. Das ist nicht direktes Abschreiben.
Das ist langfädiges, nett-ironisches Argumentieren und Umformulieren bekannter Banalitäten.
So wie fast jede Arbeit in den Geisteswissenschaften.
Das ist richtig. Bei den Naturwissenschaften kommt noch dazu, dass im Labor geforscht werden muss, 2, 3 Jahre lang. Da besteht Kontrollmöglichkeit für den Doktorvater, er kann die Anwesenheit und die Fortschritte des Doktoranden überwachen, oder er sollte es. Der Doktorand sollte seine Fortschritte periodisch an Institutsworkshops vorstellen. Plagiate werden da erschwert wenn die Führung stimmt.
Ich teile die Entrüstung der meisten KommentatorInnen. Schade finde ich hingegen, dass gewisse (Natur)wissenschaftler die Sache dazu brauchen, die Geisteswissenschaften nun allgemein als weniger anspruchsvoll darzustellen. Es ist bei naturwissenschaftlichen Arbeiten vielleicht schwieriger, Betrug aufzudecken, aber Naturwissenschaftler sind gewiss nicht von "Natur" aus gescheiter oder ehrlicher... Antworten
Es braucht schon etwas Mut und Selbstbewusstsein, nach diesem Artikel von Wissen-schaften und Wissen-schaftlern zu schreiben. Darf sich nun der Auftraggeber oder der den Auftrag zur Zufriedenheit ausführende dazu zählen?
Das habe ich auch geglaubt, bis ich mich intensiver mit geisteswissenschaftlichen Fragestellungen auseinandergesetzt habe. Die Denktiefe und die Detailgenauigkeit ist bei Naturwissenschaften i.d.R tiefer, resp. grösser. Dafür entwickeln Geisteswissenschaftler eher ein Blick für das Ganze, da sind Plagiate nun mal einfacher. Ausserdem ist in den GW Originalität nur bedingt gefragt.
Liebe Frau Derron, als promovierter Biologe (UNI Zch., Prof. Thomas und Prof. Burla) gebe ich Ihnen recht. Die beiden Richtungen sollen und können nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wichtig ist die ehrliche Selbstleistung und nicht das Einkaufen beim Betrugshelfer Pollert.
Das moralische Empfinden des Herrn Pollert scheint ziemlich unterentwickelt zu sein. Er ist nichts anderes als ein Betrugshelfer. Er gehört ins Gefängnis. Bei den Naturwissenschaften z.B. kann es bis zu 5 Jahren Arbeit brauchen (Forschung, Recherche, Schreiben) bis zum Abschluss. Pollert bastelt was für einige Tausend Euros mit Drittmaterial innert einiger Wochen bis Monate zusammen. No comment. Antworten
Über Pollert gibt es da nichts zu richten. An den Pranger gehören unsere Akademien und deren Sprösslinge. Es darf angenommen werden, dass die dünkelhaftesten unter ihnen zu Pollerts Klientel gehören.
Na da sieht man ja nur, was die Qualitätsniveaus dieser Schulanstalten und die (fehlende) Enge der Betreuung sind.
Das moralische Empfinden des Herrn Pollert?
Entspricht oder übersteigt die Moral unserer Leitkultur.
"Moralische Bedenken hat er nicht. Es sei anerkanntes Allgemeingut, dass Politiker ihre Reden schreiben lassen. Warum sollten Akademiker nicht dasselbe tun dürfen?" Das zeigt, dass Hr. Pollert auch nach zwei Doktorarbeiten nicht begriffen hat, was ein (echter) Akademiker ist... Politiker sein ist ein Job, eine Funktion; 'Akademiker' ist eine Qualifikation, die - ohne Betrug - auf Leistungen beruht Antworten
Wieso sollte er auch? Die formale Beurteilungsinstanz konnte den Unterschied auch nicht erkennen, und bestand aus lauter Akademikern.
Wenn ein Doktorvater so einfach düpiert werden kann, hat zuallererst dieser versagt.
Leider können wir nicht nachvollziehen, ob der Pollert tatsächlich die geforderte Leistung liefern kann.
Sonst müsste man ihm doch tatsächlich noch einen Doktortitel geben!
Ich finde, dass es ethisch korrekt ist, Schreibarbeit an jemand anderes zu delegieren oder solche anzunehmen, auch im akademischen Bereich. Das (schwere!) Vergehen wird nur von der Person begangen, welche die Arbeit als seine eigene Leistung ausweist. An sich ist nur das un-akademisch.
Zum Thema zu Guttenberg gebe ich dem Herrn Ghostwriter recht. Warum zurücktreten, wenn ihn doch andere Qualifikation befähigten Minister zu sein. Je mehr Druck auf den Studenten lastet, desto stärker wird sich dieser in Form von Ghostwritern kanalisieren. Durch Google wird klar: Es taumeln sich unzählige Ghostwriter, Vermittler und Plattformen zu dem Thema im Netz, geduldet, oder gar akzeptiert. Antworten
Es geht nicht darum, dass Herr zu Guttenberg nun keinen Doktortitel hat, diesen benötigt er selbsverständlich nicht für seine Rolle als Politiker. Herr zu Guttenberg musste zurücktreten, weil er als Betrüger überführt worden war und somit nicht mehr tragbar ist. Wie soll man Kindern erklären dass Lügen und Betrügen falsch ist, wenn der Verteidigungsminister selbst einen Titel ergaunert hat?
"Nur weil der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bei seiner Dissertation abgeschrieben hat, soll er kein qualifizierter Minister mehr sein? "
Nun ja, der Herr hat das auch noch mehrmals(!) vehement(!) abgestritten, obwohl die Beweislage zwingend war.
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Ist das cool. Wirklich. Bei Pollert würde man sicher nie eine Diss in Mathematik oder Physik in Auftrag geben, die ginge weit über schöne Worte hinaus. Dass aber ein belesener Laie so locker vom Hocker sich als Profi ausgeben kann und damit durchkommt, sagt schon einiges aus über die Geisteswissenschaften, habe ich so den Eindruck. Was? Der geneigte Leser frage sich selbst... Antworten
Nur Literatur-Arbeiten können so gemacht werden. Sobald ein eigener Forschungsteil gefordert ist (und in den Naturwissenschaften ist das Standard für Bachelor- und Masterthesen, sowie Dissertationen), lässt sich eine Arbeit nicht mehr an Herrn P. delegieren. Oftmals brauchen die Studenten auch spezielle Apparaturen, Programme und Software, welche für Herr P. unbezahlbar wären. Antworten
Ich weiss, dass es auch Leute gibt, die die Experimente/Umfragen/Versuche etc selber durchführen, die Auswertung der Resultate und vor allem das Schreiben und Formalisieren der Arbeit einem Ghostwriter überlassen. Das passiert in den Natur- und Geisteswissenschaften! (Ich studiere Umweltnaturwissenschaften an der ETH und bin kein Fan von Geisteswissenschaften, beschissen wird immer)
Naturwissenschaften sind sicher anspruchsvoller.
Nobelpreise, à la Madame Curie bekommt man fuer solche Arbeiten sicher nicht.
Gleiches gilt für die quantitativen empirischen Sozialwissenschaften.Ebenso ist es nicht vorstellbar,dass in Disziplinen,welche formale mathematische Modelle verwenden,zum Beispiel in Mikro- oder Makroökonomie oder auch in spieltheoretischen Ansätzen der Politikwissenschaft,die Arbeiten an Ghostwriter delegiert werden können.Eine Pauschalisierung ist völlig unangemessen.
Warum sollte dies nun alles der Wahrheit entsprechen? Warum erscheint dieser Ghostwriter allen automatisch glaubwürdig? Ansonsten sind die werten Kommentatoren auch sehr skeptisch gegenüber medialen Inhalten. Ich habe auch studiert und bei vielen Arbeiten ist ein empirischer Teil unumgänglich - da reichen Amazon, Google Books und Wikipedia niemals aus!
Sicher, es gitb Ghostwriter - aber solche!?
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Sie schreiben mir aus dem Herzen. Das ist ja sowas von unglaubwürdig.
Sicher gibt es die.
Ich habe mir selber mal so etwas nebenbei verdient und ein Kollege hat sich sein Studium finanziert in dem er für andere deren Prüfungen geschrieben hat.
Da wird zwar die Legi kontrolliert, aber ob das Foto ordentlich angebracht wurde oder nur das eigene über das fremde geschoben wird, interessiert da schon niemanden mehr.
"Wenn er für das Amt qualifiziert war, dann doch hoffentlich durch andere Leistungen."
Genau, zu den anderen Leistungen gehören Integrität und Ehrlichkeit. Und auch wenn da allg. nicht viel vorhanden ist, so offensichtlich dagegen zu verstoßen ist nun einmal ziemlich doof und sollte für eine Demokratie auch nicht tolerierbar sein.
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Die Bemerkung von Pollert, man könnte "seine" Arbeiten an seinem Stil erkennen, das passiere aber nicht, beweist für mich, dass die Professoren die vielen Arbeiten gar nicht lesen. Sie blättern von der ersten gleich zur letzten Seite und geben dann eine (Phantasie-)Note. Der akademische Elfenbeinturm hat durch diesen Beitrag eine gewaltige Delle erhalten. Antworten
Ich habe bis jetzt erst eine Seminararbeit geschrieben. Der Dozent hat mir eine Kurz-Kritik geschickt, bei der er sowohl einige grössere Punkte (diesen Aspekt hätten sie noch einbringen sollen) wie auch einige kleine Details (das Wort sollten sie vermeiden, dort hatten sie ein Wort doppelt) angesprochen hat, das wäre nicht gegangen ohne die ganze Arbeit zu lesen.
Dass in meinen zahlreichen Arbeiten an der Uni von den jeweiligen Profs und Dozierenden sogar Kommafehler korrigiert wurden (sei es in einer Seminararbeit oder einem Essay als Leistungsnachweis für eine besuchte Veranstaltung), beweist meiner Meinung nach eher das Gegenteil. Nämlich dass Arbeiten durchaus gelesen werden.
Bedenklich scheint mir in erster Linie die herangezogene Ignoranz zu sein, die an Unis gefoerdert wird. Auf Konkurrenzdenken folgt Neid, Missgunst . . . und auch Niedertracht. Ich kenne Professoren an der IT-Fakultaet in Lugano, die diesbezueglich auch hemmungslos manipulieren. Das ist Fakt! Eines Tages werde ich nicht mehr der einzige sein, der dieses himmeltraurige Spiel erkannt haben wird. Antworten
Bin mit den Kommentaren nur halb einverstanden. Für meine Lizentiatsarbeit in Soziologie war ein empirischer Teil sehr wohl auch Pflicht, und den könnte ein Ghostwriter wohl nur schwer übernehmen, sonst müsste er sich dann mit logistischen Regressionen etc. rumschlagen. Gerade in Soziologie sind die statistischen Methoden recht anspruchsvoll... Antworten
Bei Guttenberg ging es auch um die absichtliche Lüge und Täuschung, trotz der vorhandenen Nachweise. DAS hat ihn politisch disqualifiziert.
Hmm... Besonders dirskret ist der Artikel ja gerade nicht. Wieviele 'bekannte Ethnologen' haben wohl über 'europäische Volksbräuche' promoviert. Würde s mich interessieren, wäre das sicher leicht rauszukriegen. Viel Spaß bei der Jagd, GutenPlagWiki... Antworten
@ P. Ferhadi: Das sagt uns prinzipiell mal nichts über die Qualität des Studiums. Das Thema einer solchen Arbeit ist sehr eng gefasst. Ein entsprechend begabter Mensch, der schreiben kann, gut recherchiert und über den Aufbau einer solchen Arbeit bescheid weiss, ist selbstverständlich dazu im Stande, ohne an einer Uni gewesen zu sein. Dies sagt nichts über die Wissensvermittlung an der Uni aus. Antworten
Parvaneh Ferhadi, 10:41 Uhr: da haben sie recht. aber leider nicht zu ende gedacht. mit diesen erworbenen diplomen kriegen sie die besseren jobs und eine bessere bezahlung! sonst bleiben sie an der "kasse" sitzen, oder servieren dem direktor kaffee... auch wenn sie mehrere gesänge der aeneis in original gelesen, verstanden und übersetzt haben.
Man geht im Normalfall nicht an die Uni um danach wissenschaftliche Arbeiten niederschreiben zu können, resp. dies zu lernen. Studiert wird zur Wissensaneignung, um eine gewisse Methodenkompetenz aufzubauen und (teilweise) um zu forschen. All dies kann man auch ohne Uni, richtig. Das veringert den Mehrwert eines Studiums aber nicht. Ausnahme: Mehrwert für Autodidakten = Wissenszugriff + Abschluss
Doch natürlich tut es das. Es sagt uns dann man sich die Uni eigentlich sparen kann und lediglich Interesse und Fleiss notwendig ist um sich die Kenntnisse zu erwerben. Die Uni leistet demnach keinen Mehrwert in der Ausbildung der Menschen, sondern ist lediglich eine Diplom-/Abschluss-/Titelfabrik.
In den Wissenschaften (nur auf Deutsch heissen sie "Naturwissenschaften") wird es einiges schwieriger sein, ohne genügenden Hintergrund eine Arbeit zu schreiben, denn meist ist dazu eine Forschungsarbeit notwendig - und letztendlich muss man die Resultate i.d.R auch sehr formal, d.h. mathematischi nachweisen können. Da fällt natürlich auf, wenn aus 1 + 1 = 2.03 wird. Antworten
Ja, Literaturwissenschaften, Sprachwissensch., Geschichtswissensch., Gesellschaftswissensch., etc. Master- und Doktorarbeiten beruhen meist auch auf eigenen Forschungen. Im persönlichen Gespräch und nach einer schon oberflächlichen Prüfung der Methoden und benutzten Quellen dürfte einem/r ProfessorIn schnell klar werden, ob hier jemand was altes verwurstet oder selber Arbeit reingesteckt hat.
Das sollte allen Geistes-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaftlern zu denken geben. Interessanterweise verfasst der Mann keine Arbeiten in Mathematik und Naturwissenschaften. Da reichen nämlich Wikipedia und Google nicht. Solche Arbeiten haben einen echten intellektuellen Anspruch, es wurde effektiv Arbeit geleistet und was neues erforscht und nicht einfach vorhandenes rezitiert und umformuliert. Antworten
Was sagt uns das über die Qualität der Ausbildung und Lehre? Jemand, der nie eine Hochschule besucht und darin nie das betreffende Thema studiert hat, schreibt eine als genügend (oder sogar gut) anerkannte Arbeit und die angeblich qualifizierten Bewerter und Leser der Arbeit merken den Unterschied nicht! Dafür werden dann selbst verfasste/recherchierte gute Arbeiten durchfallen gelassen? Antworten
Richtig. Ein richtiger Tritt ans Bein für all die armen, schwerchrampfenden Büezer, die den ganzen Tag im Büro sitzen und sich acht Stunden täglich die Zeit auf Facebook oder in den Kommentarteilen von Tagesanzeiger vertreiben müssen. Wir haben es alle ja sooooo unglaublich streng und stehen jederzeit kurz vor einem Burnout.
@Markus Büchi: Das ist doch das Schöne am Studieren: Ein Jahr Freizeit, zwei Wochen lernen, Prüfung bestanden.
Psst. Nicht weitersagen.
Eigentlich bedenklich wie einfach und erfolgreich so ein Schwindel ist. Das relativiert jedes Studium. Ich habe eigentlich nur vor Physikern und Mathematikern Respekt, alles andere ist doch nur ein Auswendig lernen. Logisches und analytisches Denken lernt man an den meisten Unis nicht mehr, nur noch Stoff pauken. Ich kenne Leute, die lernen den Stoff von einem Semester in 2 Wochen und holen ne 5.

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