Bundesrat Leuenberger zum Tod von Hugo Loetscher

Der Schriftsteller und Publizist Hugo Loetscher ist tot. Er starb drei Tage vor Erscheinen seines neusten Buches im Alter von 79 Jahren. Moritz Leuenberger, der ihn gut kannte, würdigte den politischen Poeten.

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Bundesrat Moritz Leuenberger bedauerte in der Sendung «10 vor 10» von Schweizer Fernsehen SF Loetschers Tod. Loetscher sei nicht Journalist, Schrifsteller oder Politiker gewesen, sondern alles zusammen. Er habe sich als Poet mit der Politik auseinandergesetzt - und zwar auf eine humorvolle Art.

Dies habe Loetscher zu einem tollen und faszinierenden Menschen gemacht, sagte Leuenberger, der Loetscher persönlich kannte. Der Tod Loetschers sei ein grosser Verlust für die Schweiz. Leuenberger hielt die Rede an Loetschers 70. Geburtstag und hätte dies auch beim 80. im Dezember wieder tun sollen. Er sei sehr traurig, so der Bundesrat.

Kurz vor der Veröffentlichung

Am kommenden Freitag erscheint die intellektuelle Bilanz Loetschers: «War meine Zeit meine Zeit» ist der Titel des jüngsten Werkes von Loetscher, in der er die Themen seines Lebens und seines Werks zu einer weltumspannenden Autogeographie entfaltet hat, wie sein Verlag Diogenes schreibt. Die Summe eines grossen literarischen Werks und eines unerschöpflich neugierigen Geistes, wie es weiter heisst.

Hugo Loetscher wurde am 22. Dezember 1929 in Zürich als Sohn eines Mechanikers geboren. Seine proletarische Herkunft hielt er immer hoch und ass beispelsweise das Bündnerfleisch an Verlagsveranstaltungen stets mit den Fingern, während alle andern edel mit Gabel speisten. Er studierte Politische Wissenschaften, Wirtschaftsgeschichte, Soziologie und Literatur in Zürich und Paris und war in der Studentenbewegung aktiv. Nach seiner Promotion war er Literaturkritiker bei der «Weltwoche» und der «Neuen Zürcher Zeitung». Von 1958 bis 1962 arbeitete er als literarischer Redaktor der Zeitschrift «du» und leitete die von ihm begründete Beilage «Das Wort».

1960 erfolgte die Uraufführung seines Stückes «Schichtwechsel» am Zürcher Schauspielhaus. Nach Aufgabe der Redaktionstätigkeit für die Zeitschrift «du» blieb er freier Schriftsteller. Es folgten Reisen nach Italien, Griechenland und Portugal. Von 1964 bis 1969 war er Feuilleton-Redaktor und Mitglied der Chefredaktion der «Weltwoche».

Verdienste um die brasilianische Kultur

Ab 1964 folgten regelmässige Aufenthalte in Lateinamerika. Ab 1969 war Loetscher als freier Schriftsteller tätig. Daneben arbeitete er als Kritiker und Publizist für «NZZ», «Tages-Anzeiger», Radio und Fernsehen sowie verschiedene Zeitschriften. Ab 1976 bereiste er den Fernen Osten und Südostasien. 1979/80 erfolgte eine Tätigkeit als «Writer in residence» an der University of Southern California. 1981 war er Gastdozent an der Universität Fribourg, 1981/82 erster Inhaber des «Swiss Chair» an der City University New York. Von 1986 bis 1989 war Loetscher Präsident des Schweizerischen Schriftstellerverbandes. Er war auch Mitglied der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung.

Loetschers Werk umfasst unzählige Publikationen und auch Theaterstücke. Zu seinen bekanntesten Werken zählen unter anderem «Der Immune», «Der Waschküchenschlüssel», «Lesen statt klettern» oder «Der Buckel». Loetschers Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, so etwa 1992 mit dem grossen Schiller-Preis der Schweizerischen Schillerstiftung oder 1994 mit dem Kreuz des Südens, einem Orden für Verdienste um die brasilianische Kultur. 2004 wurde Loetscher Ehrenbürger der Luzerner Gemeinde Escholzmatt. 2006 gewann er den ersten Preis des Lyrikwettbewerbs des Festivals Rilke in Siders für «Es war einmal die Welt».

Frankophil und retour

«Ich bin meinem Land gegenüber kritisch, wie das ein intelligenter Franzose auch dem seinem gegenüber wäre», sagte Loetscher einmal. Die Liebe zum frankophonen Raum ist gegenseitig. In nur acht Jahren (1989-1997) wurden Loetschers Werke nahezu vollständig ins Französische übersetzt.

Die erste Auflage von «Le Déserteur engagé» (Der Immune) war innerhalb einiger Monate vergriffen. Und «Si Dieu était Suisse» - die Dramatisierung seiner bekannten Essaysammlung «Der Waschküchenschlüssel» - war in der Westschweiz ein Theaterhit. (sam/sda)

(Erstellt: 18.08.2009, 22:40 Uhr)

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