Kultur

Der Seite-99-Test: Nie mehr ein mieses Buch kaufen

Eine neue Bücher-Website behauptet: Schlägt man ein Buch auf Seite 99 auf, offenbart es seine wahre Qualität. Wir haben Dürrenmatt, Dan Brown und weitere Autoren dem Seite-99-Test unterzogen.

1/7 Jonathan Franzen: «Freiheit». Rowohlt, 2010.
Franzens neuster Streich «Freiheit», so war sich die Kritik einig, ist ein Meisterwerk an Originalität, Tiefe und Dichte. Auf Seite 99 lernt Hauptfigur Patty an einem Konzert ihres späteren Liebhabers ihren zukünftigen Mann kennen. Ein spannender Moment also, der mit eleganten Sätzen wie diesem garniert ist: «Er hatte eine grotesk hübsche Blondine in einem paillettenbesetzen Minikleid im Schwitzkasten.» Der Test hat funktioniert.

   

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Buchhandlungen können einen in den Wahnsinn treiben. Tausende von Büchern buhlen um unsere Aufmerksamkeit. Mit immer grelleren Umschlägen und marktschreierischen Schlagzeilen. Auf die Klappentexte ist schon gar kein Verlass. In oft schlecht geschriebenem Deutsch wird dort die Handlung so zusammengefasst, dass sie möglichst viele potenzielle Käufer anspricht.

Wie beurteilt man also, ob es sich lohnt, ein bestimmtes Buch zu lesen? Man kann natürlich auf Meinungen von Kritikern hören. Doch sind solche subjektiv und somit wenig verlässlich. Also selber reinlesen. Die meisten Kunden nehmen sich deshalb vor Ort in der Buchhandlung die erste Seite eines Romans vor – ein grosser Fehler! Schon vor hundert Jahren wies der englische Schriftsteller Ford Madox Ford daraufhin, dass die erste Seite von Autoren mit besonderer Sorgfalt geschrieben werde. Um die Qualität eines Buchs schnell und zuverlässig zu bestimmen, soll der Leser deshalb jeweils die 99. Seite lesen.

Im angelsächsischen Raum ist Fords Methode seither als Page-99-Test bekannt. Ob und wie verbreitet er angewendet wird, ist nicht bekannt. Das will eine Website nun ändern. Bei The Page 99 Test werden besagte Seiten veröffentlicht, analysiert und kommentiert. Die Idee dahinter ist die gleiche wie bei Ford: Ein gutes Buch ist zu jedem Zeitpunkt packend. Ausserdem gelingt es einem richtigen Schriftsteller, seine ihm eigene Stimme in jeder Zeile zum Ausdruck zu bringen.

Wir haben uns die 99. Seite von ein paar neuen Romanen sowie Klassikern vorgenommen. Die Urteile stehen in der Bildstrecke. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.09.2010, 13:21 Uhr

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15 Kommentare

Fabian Stamm

29.09.2010, 19:12 Uhr
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wieso das ganze? ich kaufe bücher in einer buchhandlungen, die mich gut beratet. da sind zwischen den tausenden von büchern auch noch menschen anzutreffen, die ganz gut bescheid wissen. tja, amazone kann das halt nicht. Antworten


René Halbheer

29.09.2010, 17:19 Uhr
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wow! ist ja ein wahnsinns-test! vielen Dank für den tip! noch was zur bemerkung von wegen stilistischer Schwächen bei dan Brown: bei einem solchen Satz sollte man eher den Übersetzer kritisieren als den Schriftsteller selber. wie wird denn ein Gesicht entrückt, und warum muss man einen printout einen Computerausdruck nennen? einfach schlecht übersetzt. aber hauptsache, sie konnten brown kritisiere Antworten


andreas furrer

29.09.2010, 16:53 Uhr
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mon dieu; ist das so wichtig, dass das buch das sie lesen gut oder schlecht ist? Antworten


Martin Waeber

29.09.2010, 16:33 Uhr
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Die Idee ein Buch aufzuschlagen und einige Seiten zu lesen würde ich voll unterstützen. So gewinnt man immerhin einen ersten Eindruck. Dass es aber genau Seite 99 sein muss ist völliger Blödsinn. Antworten


André Näf

29.09.2010, 16:20 Uhr
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Gute Sache, bei Musikalben gibt es den Test übrigens auch: Anhand von Song Nummer 3 lässt sich erkennen, wie gut eine Platte ist ... Antworten


Simon Bucher

29.09.2010, 15:52 Uhr
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@Thomas Maurer: das Werk von Dostojewski ist zuerst im deutschen Sprachraum mit dem Titel "Schuld und Sühne" erschienen, erst kürzlich ist der Titel mit "Verbrechen und Strafe" neu übersetzt worden.... Antworten


Renate Traber

29.09.2010, 15:47 Uhr
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So ein Blödsinn, wie werden die verschieden Ausgaben der Bücher denn bewertet? Antworten


Heinz Durrer

29.09.2010, 15:27 Uhr
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@ alle die das Prinzip nicht verstanden haben: Es geht nicht darum die "offizielle" Seite 99 zu beurteilen, sondern liegt m.M. nach die Idee darin, nicht etwas Seite 1 zu lesen und natürlich auch nicht den Schluss sondern mittels Seite 99 Prinzip irgendwo im Buch zu landen wo die Geschichte bereits in vollem Gange ist. Antworten


Patrick Tigri

29.09.2010, 15:12 Uhr
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Ich behaupte, dass ich die Seite 99 jedes Buchs, das ich gut finde, ebenfalls gut finde. Und wenn ich das Buch langweilig finde, ist auch Seite 99 nichts. Und oft halte ich haufenweise Stellen für Schlüsselstellen, nicht nur die von Seite 99. Ich halte diesen Test für einen Placebotest für überbeschäftigte Literaturkritiker. Antworten


Franziska Bähler

29.09.2010, 14:33 Uhr
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@ A. Mennan: und noch dümmer, dass so ziemlich alle Verlage nur Manuskipte akzeptieren, die maximal 30 - 40 Seiten umfassen :) Antworten


Alfred Mennan

29.09.2010, 14:27 Uhr
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Dumm nur, dass wenn vermehrt nach Seite 99 beurteilt wird, die Verlage auch vermehrt darauf achten werden dass auf Seite 99 etwas lohnendes steht... jedenfalls bei zukünftigen Publikationen. Antworten


Philipp Imhof

29.09.2010, 14:25 Uhr
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Das klingt ja sehr wissenschaftlich fundiert, zumal der konkrete Inhalt von Seite 99 massgeblich von der Ausfertigung (Schriftgrösse, Zeilenlänge, Anzahl Zeilen pro Seite, Format) abhängt. Ist denn schon wieder Sommerloch? Antworten


Franziska Bähler

29.09.2010, 14:13 Uhr
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Sie verbreiten Aberglauben, Herr Zweifel. Je nachdem, welche vorgefasste Meinung man vertritt, braucht man nur eine gewisse Anzahl Werke in die Hand nehmen und - voila - kann man die These entweder bestätigen oder entkräften. Antworten


Thomas Maurer

29.09.2010, 14:05 Uhr
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Ein Tipp noch zu "Schuld und Sühne" von Dostojewski: Der Titel heisst korrekt "Verbrechen und Strafe" und liegt in einer Übersetzung von Swetlana Geier vor. Ein absolut empfehlenswertes Buch, das nicht nur "auf Seite 99" spannend ist! Antworten


dan meier

29.09.2010, 13:56 Uhr
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Super Test, so schön willkürlich, merci. Allerdings: was, wenn ein einzelnes Werk, etwa in einem netten Sammelband von besipielsweise Herrn M. Goldt, gar keine hundert Seiten stark ist? Antworten



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