Der Seite-99-Test: Nie mehr ein mieses Buch kaufen
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 29.09.2010 15 Kommentare
Links
Buchhandlungen können einen in den Wahnsinn treiben. Tausende von Büchern buhlen um unsere Aufmerksamkeit. Mit immer grelleren Umschlägen und marktschreierischen Schlagzeilen. Auf die Klappentexte ist schon gar kein Verlass. In oft schlecht geschriebenem Deutsch wird dort die Handlung so zusammengefasst, dass sie möglichst viele potenzielle Käufer anspricht.
Wie beurteilt man also, ob es sich lohnt, ein bestimmtes Buch zu lesen? Man kann natürlich auf Meinungen von Kritikern hören. Doch sind solche subjektiv und somit wenig verlässlich. Also selber reinlesen. Die meisten Kunden nehmen sich deshalb vor Ort in der Buchhandlung die erste Seite eines Romans vor – ein grosser Fehler! Schon vor hundert Jahren wies der englische Schriftsteller Ford Madox Ford daraufhin, dass die erste Seite von Autoren mit besonderer Sorgfalt geschrieben werde. Um die Qualität eines Buchs schnell und zuverlässig zu bestimmen, soll der Leser deshalb jeweils die 99. Seite lesen.
Im angelsächsischen Raum ist Fords Methode seither als Page-99-Test bekannt. Ob und wie verbreitet er angewendet wird, ist nicht bekannt. Das will eine Website nun ändern. Bei The Page 99 Test werden besagte Seiten veröffentlicht, analysiert und kommentiert. Die Idee dahinter ist die gleiche wie bei Ford: Ein gutes Buch ist zu jedem Zeitpunkt packend. Ausserdem gelingt es einem richtigen Schriftsteller, seine ihm eigene Stimme in jeder Zeile zum Ausdruck zu bringen.
Wir haben uns die 99. Seite von ein paar neuen Romanen sowie Klassikern vorgenommen. Die Urteile stehen in der Bildstrecke. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.09.2010, 13:21 Uhr
Kommentar schreiben
15 Kommentare
Ich behaupte, dass ich die Seite 99 jedes Buchs, das ich gut finde, ebenfalls gut finde. Und wenn ich das Buch langweilig finde, ist auch Seite 99 nichts. Und oft halte ich haufenweise Stellen für Schlüsselstellen, nicht nur die von Seite 99. Ich halte diesen Test für einen Placebotest für überbeschäftigte Literaturkritiker. Antworten












