Kultur

«Die Bank hat Top-Angestellten Abende in Stripclubs bezahlt – während der Krise»

Von Simone Matthieu. Aktualisiert am 04.11.2009

Sie war Bankerin in London, verkehrte in den Kreisen der Top-Financiers, versuchte, als Frau in einer Männerdomäne zu bestehen. Inzwischen hat Barbara Stcherbatcheff ihren Job an den Nagel gehängt und ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben.

«Sie dachten, sie seien die Könige dieser Welt»: Barbara Stcherbatcheff.

«Sie dachten, sie seien die Könige dieser Welt»: Barbara Stcherbatcheff.

Barbara Stcherbatcheff: «Confessions of a City Girl», Virgin Books.

Barbara Stcherbatcheff: «Confessions of a City Girl», Virgin Books.

Die Krise verschonte niemanden. Von millionenschweren Investoren bis zum kleinen Arbeiter. Aber wie kam es so weit?

Die ehemalige Bankerin Barbara Stcherbatcheff versucht in ihrem Buch eine Antwort zu finden. Schon während ihrer aktiven Zeit als Bankerin in Europas Finanzmetropole London schrieb sie unter dem Pseudonym City Girl eine wöchentlichen Kolumne über das Leben als Bankerin in einer Londoner Tageszeitung.

Vor kurzem enthüllte Stcherbatcheff, dass sie hinter dem Pseudonym steckt. Sie hat ihren Job in der Finanzbranche inzwischen gekündigt. In «Confessions of a City Girl» («Beichte einer Bankerin») beschreibt Stcherbatcheff, wie vor ihren Augen Boni verschwanden, ganze Banken und Länder bankrott gingen. Das «City Girl» schaute zu, wie ihre überheblichen männlichen Kollegen «noch in der tiefsten Krise dachten, sie seien die Könige dieser Welt und ihr Geld mit vollen Händen ausgaben».

Frauen mit wenig Chancen

Aber nicht nur das eigene Geld wurde verprasst. Besonders störend: «Die Bank hat Top-Angestellten Abende in Stripclubs bezahlt, die tausende von Pfund kosteten», erzählt Stcherbatcheff gestern auf RTL. «Und das, während das ganze System schon am Wanken war».

Stcherbatcheff schreibt auch über die von Männern dominierte Finanzbranche, in der Frauen kaum Chancen haben, aufzusteigen. Ihre Löhne sind immer noch weit unter denen der männlichen Kollegen, die Boni ebenso.

«Confessions of a Citygirl» ist zurzeit nur auf englisch im Handel erhältlich. Eine deutsche Ausgabe ist in Planung.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.11.2009, 21:53 Uhr

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