Die Klassiker des 21. Jahrhunderts

17 Romane, die in den letzten 17 Jahren erschienen sind und das Zeug haben, die Zeiten zu überdauern: So könnte ein Kanon der Gegenwartsliteratur aussehen.

Ein gutes Buch lässt einen alles um sich herum vergessen. Foto: Perzon Seo (Flickr)

Ein gutes Buch lässt einen alles um sich herum vergessen. Foto: Perzon Seo (Flickr)

Klassiker des 21. Jahrhunderts – ist das nicht ein Widerspruch in sich, ein Unding gar? Klassiker, das sind doch in Ehren ergraute Werke, die den wechselnden Winden des Zeitgeistes getrotzt haben und den Heutigen ebenso viel zu sagen haben wie den ­Damaligen: «Faust», «Don Quijote», «Hamlet». Werke, an denen die Interpreten ihren Scharfsinn wetzen und die Funken neuer Deutungen sprühen lassen. Es muss gut gereift sein, was in den Kanon will, in das Verzeichnis der «massgeblichen» Werke. Und es ist die Nachwelt, die den ­Klassikerstatus erkennt – und verleiht.

Das 21. Jahrhundert ist nun aber viel zu jung für jene Distanz, die das Prädikat «Klassiker» braucht. Die folgende Liste (angeordnet nach dem Erscheinungsjahr der deutschen Übersetzung) kann deshalb nur ein Spiel sein. Ein Versuch, sich vorzustellen, was wohl in 50 oder 100 Jahren immer noch für lesenswert befunden werden könnte. Eine in die Zukunft projizierte Retrospektive.

Kulturelle Verortung in Europa

Selbstverständlich ist es eine sehr persönliche, eine subjektive Liste, die eines einzelnen Literaturredaktors, und spiegelt dessen Lektürehorizont wider, seine Belesenheit ebenso wie seine Igno­ranz, seine kulturelle Verortung in Mitteleuropa ebenso wie die vermuteten Interessen seines Lesepublikums. (Auch deshalb sind die Schweizer besonders gut vertreten.)

Natürlich sind die Lücken unübersehbar, die Unausgewogenheit ist es auch: Europa und die USA dominieren, ganze Kontinente fehlen – Ausgewogenheit kann aber kein Kriterium und auch kein Ziel einer solchen Liste sein. Die anglofone Literatur sticht heraus, Autorinnen sind in der Minderzahl. Es fehlen gewichtige Titel, die der Listen­macher schlicht nicht gelesen hat. Dafür zeigen sich die Bedeutung Osteuropas – die Wende 1990 barg ein beachtliches dramatisches Potenzial – und die Erweiterung des Literaturbegriffs hin zu All-Age-Titeln und zum Dokumentarischen.

Alternative Listen sind denkbar, Widerspruch ist erwünscht. Spielen Sie Ihr eigenes Spiel!

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.07.2017, 20:03 Uhr

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