Die Selfmade-Autoren

Schriftsteller, die im Eigenverlag Bücher veröffentlichen, werden kaum ernst genommen. Das dürfte sich bald ändern.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Einmal im Leben ein eigenes Buch schreiben – das wärs. So hat Opa Herbert seit Jahren seine Memoiren in der Schublade, Tante Margrith ihre Notizen für ein Sachbuch über Heilpflanzen und die junge Nachbarin ihren Liebesroman in Form eines Chatprotokolls. «Träum weiter», mag man da schnell denken, selbst wenn der Text gut, die Story überraschend und der Stil ansprechend ist.

Einen Verlag zu finden, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Es heisst, dass ein Autor mit 40 Absagen rechnen muss bis zu einer Zusage. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass auch in der 41. Antwort so etwas steht wie: «(...) müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir Ihr Manuskript leider nicht berücksichtigen können. Für die Zukunft wünschen wir Ihnen viel Erfolg.» Viele Verlage lehnen unveröffentlichte Autoren grundsätzlich ab.

Ältere Semester schreiben am häufigsten

Bleibt einzig, das Buchprojekt selber in die Hand zu nehmen und es bei einem «Books on Demand»-Anbieter zu versuchen. Das Self-Publishing hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Trend entwickelt. Wie viele Bücher in der Schweiz jährlich in Eigenregie veröffentlicht werden, ist zwar statistisch nicht erfasst. Doch: «Die Nachfrage hat zugenommen, weil mittlerweile auch kleine Auflagen zu einem erschwinglichen Preis möglich sind», sagt etwa André Bieri, Verkaufsleiter beim Schweizer Anbieter Edubook.ch.

Die meisten Autoren seien «älteren Jahrgangs», solche, die ihre Lebensgeschichte festhalten möchten. Aber auch Reiseberichte, Romane oder Sachbücher habe man schon gedruckt. Beim deutschen Self-Publishing-Anbieter Epubli GmbH reicht das Spektrum von Teenagern bis zu Senioren, Wissenschaftlern, Berufs- und Hobbyautoren und Kreativen wie Grafikern oder Fotografen. «Die Zahl von Self-Publishing-Autoren hat zugenommen und wird dies mit Sicherheit noch weiter tun», ist der Medienverantwortliche der Epubli GmbH, Max Franke, überzeugt.

Genau diese Autorinnen und Autoren in Eigenregie will ein neuer Buchpreis an der Frankfurter Buchmesse nun belohnen. Damit solle der zunehmenden Relevanz von Self-Publishing Rechnung getragen werden, und zudem wolle man innovative Autoren mit ihren Werken glänzen lassen, so Max Franke von der Epubli GmbH, die den Preis gemeinsam mit dem «Tagesspiegel» und «Zeit online» initiiert hat. Zu gewinnen gibt es in den vier Kategorien Belletristik, Sachbuch, Wissenschaft und Buchgestaltung insgesamt rund 22'000 Franken. Eine Jury aus acht Experten, darunter auch klassische Verleger, wählt die besten Werke aus.

Buch ab 69 Franken

Heutzutage ist der Traum vom eigenen Buch schon ab ein paar Franken möglich und für jeden erschwinglich. Die günstigste Variante ist es, sein Manuskript auf die Website eines Self-Publishing-Anbieters hochzuladen, mit ein paar Klicks ein Standardbuch zu gestalten und auf Käufer zu warten. Erst wenn jemand das Buch bestellt, wird es gedruckt. Beim Anbieter «BoD» etwa ist das bereits ab 69 Franken möglich. Wer Hilfe bei Buchgestaltung oder Cover möchte, zahlt rund 1350 Franken aufwärts, Lektorat und Zusatzwünsche wie Übersetzungen, Illustrationen oder Werbetext auf der Buchrückseite kosten extra. Das Premiumpaket startet bei rund 3500 Franken.

Wer sich nicht nur auf die virtuelle Buchhandlung beschränken möchte, kann sich sein Buch auch ausdrucken und mit einem Cover versehen lassen. Vom Format bis zur Bindung und zur Schwere des Papiers gibt es weit mehr Auswahlmöglichkeiten als in einem Coffee-Shop. Husch, husch geht also nicht, Geduld ist gefragt, um sich im Wald aus möglichen Büchervarianten nicht zu verlieren. Für eine grobe Einschätzung ist etwa der Buchpreisrechner bei der Epubli GmbH hilfreich. Ein A5-Softcover-Buch à 240 Seiten kostet beim deutschen Self-Publishing-Anbieter etwa 10 Franken bei einer Auflage von 100 Exemplaren, Mengenrabatt inklusive.

Viel höhere Autorenhonorare möglich

Den Vorwurf, dass der Büchermarkt ohne die Verlagshürden überschwemmt wird und man die Perlen nicht mehr findet, lässt Max Franke von der Epubli GmbH nicht gelten. «Hinsichtlich Qualität und Relevanz mache ich mir keine Sorgen. Hier greifen soziale Bewertungssysteme und Metadaten.» Durch Self-Publishing, Amazon, Google und Co. könnten alle Nischen belegt werden, die in einer konzentrierten Verlagslandschaft kein Gehör finden würden.

Das ändert jedoch nichts daran, dass Autoren in Eigenregie oftmals noch belächelt werden. Auch das will der Frankfurter Buchpreis namens Derneuebuchpreis.de ändern. Max Franke sagt, dass beispielsweise in den USA eine Vielzahl von Self-Publishing-Autoren schon bemerkenswerte Erfolge feiern. «Es wäre trügerisch, die Entwicklung zu belächeln.» Tatsächlich würden sich immer mehr etablierte Autoren für Self-Publishing entscheiden. Unter anderem wegen der kreativen Mitbestimmung und des schnellen Publizierens unabhängig vom aktuellen Verlagsprogramm.

Zudem erlaube der direkte Kontakt zu den Lesern, etwa via Social Media, ein effektives Vermarkten und hohe Autorenhonorare. «25 Prozent als Self-Publisher sind keine Seltenheit, bei einem klassischen Verlag sind es etwa 8 Prozent», so Franke. Bei E-Books lägen die Honorare via Verlag bei etwa 25 Prozent, beim Direktverkauf bis zu dreimal höher.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 09.08.2011, 10:58 Uhr)

Stichworte

Derneuebuchpreis.de

Am Buchpreis für innovative Autoren kann jeder ab 18 Jahren teilnehmen. Die Publikation muss bis am 7. September auf www.epubli.de hochgeladen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt können User ihre Favoriten wählen, aus denen eine Jury die Gewinner bestimmt. Diese werden an der Frankfurter Buchmesse am 13. Oktober verkündet.

Artikel zum Thema

Erfolg für zwei junge Ustermer an der Frankfurter Buchmesse

Marco Rota und Pascal Bach haben eine Auszeichnung für ihre Autorenwebsite erhalten. Trotz des Erfolgs sind sie mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben. Mehr...

Der kurioseste Buchtitel 2010

Ein Roman des Isländers Hallgrimur Helgason erhielt an der Frankfurter Buchmesse die Auszeichnung als «Kuriosester Buchtitel des Jahres 2010». Mehr...

Buch mit Goethes Handschrift auf Buchmesse gestohlen

Ein wertvolles Buch mit handschriftlichen Eintragungen Johann Wolfgang von Goethes ist auf der Frankfurter Buchmesse gestohlen worden. Mehr...

TA Marktplatz

Werbung

Kommentare

Weiterbildung

Mobil, personalisiert, emotional

Adaptives Lernen ist einer der Trends im Bildungsbereich.

Die Welt in Bildern

Panzerparade in Weissrussland: In der Nähe der weissrussischen Stadt Minsk probt das Militär den Auftritt am Tag der Unabhängigkeit am 3. Juli. (31. Mai 2016)
(Bild: Sergei Grits (AP, Keystone)) Mehr...