Kultur

Dubiose Vatikan-Bilanzen: Wie reich ist der Papst tatsächlich?

Aktualisiert am 29.03.2010 4 Kommentare

Im Keller eines abgelegenen Bauernhauses im Tessin wurden zwei Koffer mit Dokumenten über das Finanzgebaren des Vatikans entdeckt. Der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi hat ein Buch darüber geschrieben.

Geld spielt keine Rolle: Papst Johannes Paul II. lässt sich von Fiat-Bossen eine Limousine zeigen.

Geld spielt keine Rolle: Papst Johannes Paul II. lässt sich von Fiat-Bossen eine Limousine zeigen.

Buch

Gianluigi Nuzzi: «Vatikan AG», Ein Geheimarchiv enthüllt die Wahrheit über die Finanz- und Politskandale der Kirche, Ecowin Verlag, Salzburg, 356 Seiten, 39.80 Franken (UVP).

Nuzzis Buch «Vatikan AG», das 2009 in Italien zum Bestseller wurde, liegt jetzt auf Deutsch vor. «Vatikan AG» verspricht nicht weniger als «die Wahrheit über die Finanz- und Politskandale der Kirche». «Als ich die Papiere sah, habe ich gleich erkannt, dass daraus mehr zu machen war als ein Artikel», erinnert sich der Reporter der Zeitschrift «Panorama».

Nuzzi verfolgt Italiens Affären seit 1994. Der spektakuläre Zusammenbruch der Ambrosiano-Bank hatte die undurchsichtigen Finanzgeschäfte des Vatikans schon 1982 erschüttert. Damals schien es, als seien Busse und Besserung in Sicht.

«Aber die Dokumente belegten, dass die Machenschaften noch besser getarnt weitergingen», sagt Nuzzi. Das im Tessin entdeckte Archiv aus dem Nachlass von Monsignore Renato Dardozzi, bis Ende der 90er-Jahre eine führende Figur in der Verwaltung der Kirchenfinanzen, erlaubte dem Reporter einen genauen Einblick in diese Geschäfte.

Nuzzi: Auch «Helden» in der Kirche

«Ich habe mich sehr einsam gefühlt vor der Masse der Dokumente», erzählt der Journalist: «Es war ein grosses Leiden, sich mit dem Material zu befassen.» Er legt Wert auf die Feststellung, kein Buch gegen die katholische Kirche verfasst zu haben. Die Kirche sei von Menschen gemacht - «da sind sicher auch Helden dabei».

Als Journalist habe er immer versucht, das Berufliche und das Private auseinander zu halten: «Wesentlich sind die Fakten.» An den Fakten aus Dardozzis Dokumenten hangelt sich der Autor durch die Finanzwelt des Vatikans. Er versucht, das Undurchschaubare verständlich zu machen.

Der Leser bleibt gefordert, sich intensiv auf die vielfältigen Akteure und Verzweigungen einzulassen. Aber ein Glossar, zahlreiche Anmerkungen und im Faksimile dokumentierte Papiere helfen ihm dabei. Viele Leser reagierten verblüfft und fassungslos.

Versäumnisse von Johannes Paul II.

Verstrickungen mit der Mafia, Geldwäsche, Stiftungen, die nur in zynischen Namen existieren und Rechtshilfeersuchen, die an den Mauern des Vatikans abprallen - Papst Johannes Paul II. wurde auf die Fortsetzung der Missstände aufmerksam gemacht, sagt Nuzzi, aber er habe nichts getan: «Es wurde eher noch schlimmer.»

Wie im aktuellen Missbrauchsskandal kommen die Fakten erst Jahre später ans Licht: «Das ist ein Mass für die Macht, die die Kirche in der Welt ausübt.» Der gegenwärtige Papst wirke schwächer als sein Vorgänger, erkläre aber zumindest deutlich, dass fehlbare Kleriker sich auch der weltlichen Justiz stellen müssten.

Wird aus dem Reden ein Handeln? Nachdem das italienische Original von «Vatikan AG» im Mai 2009 herauskam, wurde Angelo Caloia nach 20 Jahren an der Spitze der Vatikanbank IOR aus dem Amt entlassen. Doch die Verstrickungen der Kirchenbanker sind kompliziert.

Transparente Museen, dubiose Bank

Die wahren Bilanzen des Kirchenstaats, auch das stellt Nuzzi dar, blieben in der Vergangenheit jedenfalls stets im Verborgenen: «Detailliert werden die Einnahmen aus der Vatikandruckerei und die Erlöse aus dem Verkauf der Museumstickets aufgeschlüsselt, über die Gewinne der eigenen Bank jedoch dringt nichts nach draussen.»

Sein 350 Seiten starkes Buch macht zumindest klar, dass dieses Institut hinter neun Meter dicken Mauern einige Milliarden Euro an Kundengeldern und eigenen Mitteln verwaltet. (phz/sda)

Erstellt: 29.03.2010, 16:42 Uhr

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4 Kommentare

René Bodenmann

29.03.2010, 17:16 Uhr
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So erschreckend die Geschichten über den Vatikan auch sein mögen, ist es doch nicht so weltbewegend wie es oft scheint. Es war schon immer so und wird auch so bleiben solange es "Gläubige" Menschen gibt. Ich habe das Gefühl, dass mit dem emotionalen Drama des Vatikans vom wahren Problem der Mafiabanken abgelenkt wird. Die haben Millionen um ihre Existenz gebracht. Hier sollte ausgemistet werden! Antworten


Matti Hoch

29.03.2010, 17:28 Uhr
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Tja,Katholische Kirche!Zu Unrecht trägt diese Institution den Namen "Kirche",wie übrigens auch die Scientologen keine "Kirche" sind.Eine wunderbare Erleuchtung von Vatikan AG zu sprechen!Der Vatikan pervertiert die biblisch-christliche Botschaft bereits seit seiner Entstehung und wird das"Christentum"weiter in den Dreck ziehen mit seinen Machenschaften in wirtschaftl. u. pol. Entscheiden! Antworten