Eine Standing Ovation, bitte!
«Wenn sich im Theater der Vorhang senkt, leben gute Stücke und Inszenierungen weiter. So traurig ich bin, so stolz bin ich auch, von Anfang an dabei gewesen zu sein. Der Ammann-Verlag gab mir die Möglichkeit, meinen Weg zu gehen, und hielt immer, auch in kritischen Phasen, treu zu seinem Autor. Ich habe Marie-Luise und Egon Ammann und all ihren Mitarbeitern viel zu verdanken. Jetzt, da der Vorhang fällt, sollten wir uns, wir Autoren, Buchhändler und Leser, zu einer Standing Ovation erheben! »
Thomas Hürlimann, Autor, veröffentlichte 1981 bei Ammann das allererste Buch «Die Tessinerin».
«Jenseits aller persönlicher Betroffenheit ist das ein sehr harter Schlag. Ammann war eine Topadresse für Autorinnen und Autoren und bestimmt der bedeutendste deutschsprachige literarische Verlag der Schweiz. Er hat nicht nur die bekannteren Autoren gepflegt, sondern immer wieder Bücher dem Vergessen entrissen, in aufwendige Übersetzungen investiert und Trouvaillen wie zuletzt etwa Abraham Sutzkever ermöglicht. Dass es offensichtlich nicht möglich ist, einen Verlag diesen Profils in die Zukunft zu führen, ist eine Tragödie, die sehr viel über den Markt aussagt. Wieder war eine solche Leistung und Qualität nur dank der Arbeitskraft und dem enormen Engagement des Verlegerpaars und ihrer Mitarbeiter möglich, die alles hineingaben, was sie hatten, und die sich und ihr Netzwerk mit aller Kraft für die Bücher einsetzten. Ich hätte mein nächstes Buch, das ich im Herbst 2010 herausbringen wollte, gerne wieder bei Ammann veröffentlicht. Was jetzt ist, weiss ich nicht. Ich schreibe es fertig, dann suche ich einen Verlag. »
Ruth Schweikert, Autorin
«Es ist ausserordentlich schade und bedauerlich, dass der Ammann-Verlag seine Tätigkeit einstellt. Egon Ammann ist ein ebenso begabter wie mutiger Verleger, der regelmässig Autorinnen und Autoren aufspürt, die grossartig sind und für Überraschungen sorgen. Ammann hatte auch den Mut, Schriftsteller zu fördern, selbst wenn deren Bücher keine kommerziellen Erfolge erwarten liessen. Besonders gefreut hat mich, dass er Fernando Pessoa, einen meiner Lieblingsautoren, in einer neuen Über- setzung angeboten und so sein Werk zu neuem Leben erweckt hat. »
Jean-Pierre Hoby, Kulturchef der Stadt Zürich
Erstellt: 10.08.2009, 19:39 Uhr






