Kultur

«Glauben? Glauben?? Das ist doch keine Antwort!»

Aktualisiert am 21.09.2009 1 Kommentar

Der Schweizer Hans Küng hat in seinem Leben schon manchen theologischen Streit ausgefochten. Mit 82 Jahren legt der Theologe nun eine Art Glaubensautobiografie vor.

Möchte wissen: Theologe Hans Küng.

Möchte wissen: Theologe Hans Küng.

Buch

Hans Küng: «Was ich glaube», Piper Verlag, München 2009, 319 Seiten.

«Was ich glaube» ist ein persönliches Buch, in dem der streitbare Katholik und Professor für Ökumenische Theologie in Tübingen nicht als Dozent, sondern nach eigenem Bekunden auch als Seelsorger für seine Leser auftreten will.

Dabei vergisst er das gewohnte Sticheln gegen die Kirche nicht und wendet sich ausdrücklich an Menschen, «die nichts anzufangen wissen mit dem Traditionalistenglauben römischer oder protestantischer Herkunft», wie Küng im Vorwort betont.

In dem durchgängig in der «Ich»-Form geschriebenen Buch berichtet Küng, wie er selbst über zahlreiche Umwege zu seinen heutigen Glaubenseinsichten kam. Mit seinen Erfahrungen wolle er nun anderen Menschen helfen, die vor den gleichen Glaubens- und Lebenszweifeln stehen.

Alltagsfragen

So erzählt Küng, wie er als junger Student in Rom mit seinen Zweifeln an den traditionellen katholischen Dogmen völlig alleingelassen wurde. «Man müsse glauben!», hätten ihm seine Lehrer damals gesagt - und ihn damit unbefriedigt und wütend zurückgelassen.

«Glauben? Glauben?? Das ist doch keine Antwort! Ich möchte wissen!» Inzwischen habe er gelernt, dass sich Glaube zwar nicht beweisen lasse, dass man aber doch zumindest über gute Gründe für seinen Glauben verfügen sollte, schreibt Küng.

Getreu dieser persönlichen Herangehensweise beschäftigt sich der Theologe in den zehn Kapiteln des Buches auch nicht mit Glaubenssätzen, sondern mit Fragen des Alltäglichen Lebens. Wie finde ich Freude am Leben? Wie meinen Lebensweg? Was gibt meinem Leben Sinn? Und wie gehe ich mit Leid im Leben um?

Nicht ganz einfach zu lesen

Wer den 82-jährigen Autor nicht kennt, würde beim Lesen vermutlich nur selten auf die Idee kommen, dass dort ein Theologe seine Welt- und Lebenssicht darlegt. Küng sucht Antworten in der Philosophie, der Psychologie, der Spiritualität und bei fast allen Weltreligionen, aber auch in der Astronomie, der Biologie und der Mathematik.

«Glauben» interpretiere ich also nicht kirchlich verengt oder intellektualistisch verkopft. Einfach annehmen, «was mir die Kirche zu glauben vorschreibt». [...] Glauben meint, was Vernunft, Herz und Hand eines Menschen bewegt, was Denken, Wollen, Fühlen und Handeln umfasst.» Küng ermuntert seine Leser, Glaubenstraditionen in Zweifel zu ziehen und auch Zweifel an Gott zuzulassen.

Für eine allgemeinverständliche Darlegung seiner Spiritualität, wie Küng das Buch beschreibt, hat er allerdings etwas gar viele Fachbegriffe eingebaut. Und zwischen den vielen ausführlichen Querverweisen auf Philosophen, Theologen und Naturwissenschaftler muss der Leser hochkonzentriert sein, um den roten Faden nicht zu verlieren. (phz/sda)

Erstellt: 21.09.2009, 10:28 Uhr

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1 Kommentar

Victor Egger

21.09.2009, 14:45 Uhr
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Da hat doch einer mal gesagt: "Glaube heisst nicht wissen wollen was wahr ist" Das war Nietzsche; wie recht er doch hatte. Antworten