Kultur

Hegemann geht leer aus

Ehrung für einen Selbst-Schreiber: Der Schriftsteller Georg Klein bekommt den Preis der Leipziger Buchmesse 2010. Zur umstrittenen Helene Hegemann gab es nur eine Bemerkung.

Wenig Freude am Leben im Vordergrund: Hegemann am Donnerstag bei einem Auftritt bei der Leipziger Buchmesse.

Wenig Freude am Leben im Vordergrund: Hegemann am Donnerstag bei einem Auftritt bei der Leipziger Buchmesse.
Bild: Keystone

Der 56-jährige Georg Klein erhielt die mit 15'000 Euro dotierte Auszeichnung am Donnerstag in der Kategorie Belletristik für sein Werk «Roman unserer Kindheit». «Überbordend poetisch» werde hier ein Zeitpanorama entfaltet, lobte die Jury die halb fantastische, halb realistische Geschichte über die Sommerferien einer Kindergruppe Anfang der 60er-Jahre. Der «Roman unserer Kindheit» sei das Ergebnis des Wucherns von Angst, von Freiheit und Abenteuer, vom Kampf gegen das Böse.

«Ich möchte hier Gänseblümchen des Danks aus dieser Wiese des Augenblicks rupfen», sagte Klein zu seiner Ehrung. Er wolle vor allem den Figuren im Roman danken, die nicht mehr unter den Lebenden seien: «Es braucht auch die Gunst die Toten.»

Debatte nach der Hegemann-Nominierung

Mit Klein waren Jan Faktor und Lutz Seiler nominiert worden, ausserdem Anne Weber und die umstrittene Helene Hegemann (»Axolotl Roadkill»), um die es eine Debatte wegen Plagiatsvorwürfen gegeben hatte. Die Jury-Vorsitzende Verena Auffermann äusserte sich kurz vor der Preisverleihung zum Streit über ihre Nomination – und liess offen, ob diese Entscheidung nochmals so fallen würde.

«Wir haben das Buch am 28. Januar nominiert», sagte sie, «es war ein Debüt von einer jungen Frau. Wir hatten dafür unsere Gründe. Danach erst setzte sich die Lawine in Gang, mit den ganzen Vorwürfen ... - Plagiat und so weiter. Diese Lawine hat sich aber längst verselbstständigt und abgekoppelt von der Figur», sagte Auffermann.

Sachbuch über Umfeld von George geehrt

Die Auszeichnung in der Kategorie Sachbuch/Essayistik gewann am Donnerstag Ulrich Raulff mit «Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben». Die Juroren bezeichneten das Buch über das Umfeld des Dichters Stefan George (1868-1933) als «ein ebenso lehrreiches wie glänzend geschriebenes, aufklärendes wie unterhaltendes Werk».

Er habe gedacht, «es sei literarisch ein Bastard, Sie sagen mir jetzt: Ich habe mich geirrt. Damit werde ich versuchen zu leben», kommentierte der Autor die Auszeichnung. Als bester Übersetzer wurde Ulrich Blumenbach ausgezeichnet: für die deutsche Fassung des Romans «Unendlicher Spass» von David Foster Wallace.

Blumenbach hatte sechs Jahre lang an der Übersetzung des komplexen Werkes gearbeitet. Er habe Doppel- und Dreifachcodierungen von Figuren und Sprachebenen aufgelöst und Wörter erfunden, die es bislang nicht gab, urteilte die Jury. (raa/sda)

Erstellt: 19.03.2010, 10:00 Uhr

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