«Ich beraube schonungslos mich selbst»
Aktualisiert am 09.02.2010 87 Kommentare
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- Die Schönheit des kaputten Kindes
- Die Angst, der Sex, die Zerstörung, das Kotzen und das Suchen
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Das Feuilleton feierte «Axolotl Roadkill» als Stellvertreter-Roman für die Nullerjahre-Generation. Das Buch über die Verzweiflung, Liebessehnsucht und Drogenexzesse eines 16-jährigen Mädchens wurde mit Lobeshymnen überdacht. Letzte Woche kam heraus, dass Hegemann ganze Passagen aus einem im Internet publizierten Text kopiert hatte.
«Ich selbst empfinde es nicht als geklaut, weil ich ja das ganze Material in einen völlig anderen und eigenen Kontext eingebaut habe und von vornherein immer damit hausieren gegangen bin, dass eben überhaupt nichts von mir ist», rechtfertigt sie sich in einem Interview mit «Welt Online». Und: «Wenn da die komplette Zeit über reininterpretiert wird, dass das, was ich geschrieben habe, so ein Stellvertreterroman für die Nullerjahre ist, muss auch anerkannt werden, dass der Entstehungsprozess mit diesem Jahrzehnt und den Vorgehensweisen dieses Jahrzehnts zu tun hat, also mit der Ablösung von diesem ganzen Urheberrechtsexzess durch das Recht zum Kopieren und zur Transformation.» Sie klaue nicht nur bei Autoren, sondern überall: «Da beraube ich total schonungslos meine Freunde, Filmemacher, andere Autoren und auch mich selbst.»
«Das klingt jetzt blöd»
Da bleibt die Frage, weshalb sie unterschlagen hat, dass und bei wem sie sich bedient hat. Hegemann meint schlicht, sie habe es vergessen. «Als ich das gedruckte Buch in der Hand hatte, habe ich gemerkt, so blöd das jetzt klingt, dass die Danksagung total unvollständig war, und es auf der Stelle für die zweite Auflage ändern lassen. Das war lange bevor mir diesbezüglich irgendwas vorgeworfen wurde.»
Wie oft in solchen Fällen, kommt auch Hegemann nachdem sie ertappt wurde mit dem Argument, auch andere grosse Autoren hätten sich bei Fremdtexten bedient: «Es gab auch nichtpubertierende, für extrem professionell gehaltene Klauer: Shakespeare hat Montaigne mit Übersetzungsfehlern abgeschrieben, Brecht hat Gedichte von seinen Freundinnen unter seinem Namen veröffentlicht, Goethe hat seinerseits dann Shakespeare abgeschrieben im Faust.»
Zum Erfolgsrezept ihres Buches sagt sie: «Man findet's immer spannend, wenn man Teenager in irgendwelchen sozialen Kunstformen scheitern sieht.» Die Literaturwelt findet es nun spannend, sie als Schummlerin ertappt zu haben. Für sie bedeutet dies aber alles andere als ein Scheitern: Dank dieser Angelegenheit ist Hegemann zu einem der bekanntesten Teenagern Deutschlands geworden.
(rb)
Erstellt: 09.02.2010, 12:43 Uhr
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87 Kommentare
@Dominik Fitze; Sie haben vollkommen Recht. Auch DJ BOBO hat ja seinen ersten Hit bei Michael Jackson abgekupfert. Aber damals waren alle Schweizer stolz auf den BOBO. Und ich nehme mal an, dass 3/4 der Krtiker hier, das Buch nicht mal gelesen haben, geschweige wissen, welche Sätze oder Abschnitte den gestohlen wurden und ob sie abgeändert wurden oder wortwörtlich widergegeben wurden!!. Antworten
Gemäss Heise Online seien es nur einige Sätze, etwa zwei Dutzend, die kopiert wurden. Deshalb verstehe ich die Aufregung nicht: im Musikbusiness ist das doch gang und gäbe; ebenso bei Filmen! Käme irgendjemand auf die Idee, z.B. die Band Tocotronic so niederzumachen, weil sie einen Song nach einem bekannten Buchtitel benannte? Im Hiphop gäbe es nur Plagiate; fast jeder Song enthält Beats ausandern Antworten
@Cedric Meury: anscheinend können Sie nicht nachvollziehen, wie man sich fühlt, wenn eigene hart erarbeitete Texte von anderen einfach kopiert und als eigenes Produkt verkauft werden. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie eine Erfindung machen würden, an der Sie monatelang getüftelt haben und ein anderer kopiert ungeniert Ihre Erfindung und vermarktet/verkauft sie dann als seine Erfindung?! Antworten
Einleuchtend, dass Airden seine Diebin lobt. Schliesslich besteht deren Machwerk ja aus seinen Zeilen. Schockierend, wie in den meinen vorangegangenen "Kommentaren" geradezu geistlos auf das Urheberrecht eingedroschen wird. Wer solche Äusserungen von sich gibt, der hat noch nie die Mühe auf sich genommen, etwas Eigenes zu erschaffen und outet sich als purer Konsument ohne eigene Meinung. Antworten
Mal angenommen, jemand kopiert das Werk von Hegemann. Das pdf davon verscherbelt er auf Books on Demand. Wa meint der Suhrkamp wohl dazu, dass sein Buch komplett runiert ist. Oder noch besser. Alle Suhrkamp-bücher werden als Scans gratis an alle verschickt, die sie haben wollen. Wäre mit gleicher Münze bezahlt. Fakt ist: Hegemann ist eine üble Diebin, die hart bestraft gehört. Ende der Geschichte. Antworten
Schon eine seltsame Idee, aus Mangel an eigenen Worten einfach etwas aus dem Netz zu kopieren. Heutzutage bleibt aber auch wirklich nichts mehr tabu. Fair wäre wenn der Ullstein Verlag das Werk gratis im Internet bereitstellen würde. Wer so dumm ist, sollte auch etwas bestraft werden. An den Kosten dürfen sich auch gerne die Damen und Herren Literatursachverständigen beteiligen. Antworten
Hat eigentlich Google mit Buzz nicht auch eine Art geistiges Urheberrecht verletzt? Twitter und Facebook waren erst da - ich sehe kein Quellenverzeichnis. Bei einem Buch geht es um ein Werk, das als Ganzes wirkt - oder eben nicht. Ob da einzelne Seiten abgekupfert wurden, ist zweitrangig. Wäre natürlich UMWERFEND NEU UND TOLL gewesen, wenn in der ersten Ausgabe ein Quellenverzeichnis gewesen wäre. Antworten
Lieber anonymer Blogger. Es gibt die Kämpfer im Licht und jene im Schatten. Im Schatten kämpft es sich ehrlich und ritterlich. Der Preis des Lichts ist die Aufgabe der Intimität, ein billiger Ausverkauf der Seele. Das Licht trägt tote Klamotten zur Schau. Schattenkämpfer werden beklaut und enden auf dem Scheiterhaufen des Lichts. Das muss so sein. Der Poenix steigt aus der Asche. ;-) Antworten
Das Remixen bestehender Werke ist eines der zentralen Leistungen, welche die kreativen Köpfe hervorbringen. Unsere ganze Kultur beruht auf der Inspiration und dem Abkupfern! Wer dies nicht versteht, ist auf die Gehirnwäsche der modernen Content-Industrie hereingefallen. Antworten
Ein typisches Beispiel für den langsamen aber steten Untergang der Kultur. Wer Werke und Eigentum anderer nicht schätzen kann, muss sich nicht wundern, wenn ihm gleiches widerfährt. Schade auch für den Verlag, dass er auf eine solche Hochstaplerin reingefallen ist. Wer Eigentum (auch geistiges) anderer klaut, sollte hart bestraft werden. Und diese Autorin nicht mehr rezensiert und gelesen werden. Antworten
Das Problem ist nicht, dass sich eine junge Frau aus den Schilderungen anderer von deren real durchlittenem Wahnsinn einen Text bastelt, der ihre eigenen inneren Abgründe womöglich gut beschreibt, sondern dass ein Verlag ihr dafür einen sechsstelligen Vorschuss zahlt und der Feuilleton sie für ihre Authentizität lobt. Antworten
Herr Eichhorn; auch ich als bereits etwas lebenserfahrenen und Vater von zwei erwachsenen Kindern muss davon Kenntnis nehmen, dass ohne Betrügereien und Mauscheleien in der heutigen Zeit kein Staat mehr zu machen ist. Von Ihrer studierten gesellschaftlichen Leitkultur will ich nun gar nicht reden. Trotzdem geniesse ich Literatur immer noch und verzichte weiterhin auf sogenannte fachliche Analysen. Antworten
Noch mehr als dieses Wunderkind hat sich das Feuilleton blamiert. Habe mit Vergnügen den Artikel Willi Winklers in der Süddeutschen Zeitung gelesen; die heutige Rezension Thomas Steinfelds in der gleichen Zeitung, erfasst auf brillante Weise, wie hier eine Autorin durch den Zeitgeist verheizt wurde. Gut auch die Kritik Simone Meiers im Tages Anzeiger. Antworten
@Nadine Binsberger: 'Informations-Copyrights sind ungeeignet, ja sogar innovationshemmend!' Ich kann Ihnen in diesem letzten Satz nicht beipflichten, da es sich hier um Litaratur handelt und nicht um Kunst. In der Kunstwelt gilt eine Collage als eigenständiges Kunstwerk, auch wenn z.B. Fragmente/Fotos von anderen Kunstwerken als Vorlage dem Künstler dienten. Ist bei Copy-Textpassagen illegal!!! Antworten
Der Zeitgeist wiederspigelt sich auch im heutigen Kulturbetrieb: Wichtig sind vor allem Oberflächlichkeiten: Jung müssen sie sein, schön müsen sie sein - Hauptsache die Verpackung stimmt! Inhalte? Fehlanzeige! Es lässt sich ja mit dem Schein schon genug Kasse machen, ob das ganze am Ende nur geklaut ist, interesiert wenig! Antworten
.......ich finde es traurig und armselig nicht mehr fähig zu sein, nicht mehr den mut zu haben, oder vielleicht sogar einfach aus faulheit die kompromisslose kreativität zu wagen und was ganz eigenes zu erschaffen - @roman praxus.....die wirklich leidenschaftlichen werden bestehen!!! man/frau muss alles geben und zwar das eigene, um mehr als nur eine eintagsfliege zu sein Antworten
@et al......ein zeitphänomen? also geklaute daten werden ja auch für mehrere millionen gehandelt, ganz offiziel. gesamplet werden 'geklaute' klangschnipsel schon lange - 'cut up' als schreibtechnik ist ebenfalls schon ein alter hut, aber meines wissens doch immer nur auf die authentisch erzeugten texte des/der jeweiligen autors/autorin angewandt..... Antworten
Diese junge Dame hat uns allen gezeigt wie die Welt heute funktioniert. Jedes Mittel ist recht um in den Zeitungen auf der Titelseite zu erscheinen. Ist man nicht Model oder Miss muss man halt andere Wege finden um ans Ziel zu gelangen. Verdammt ist der, der ehrlich versucht sein leiben zu meistern. Antworten
Wer nichts zu sagen vermag und dennoch Mundstuhl machen muss, vergreife sich ungeniert am Gesagten Anderer und drückt dazu ein munteres Copy-Paste: "Stehlen von einem Autor nennt man ein Literatur-Plagiat. Stehlen von zwei Autoren nennt man einen Literatur-Abgleich. Stehlen von drei oder mehr Autoren nennt man eine Literatur-Studie" - Willy Meurer, kopiert am 11-2-2010 um 13:41, www.aphorismen.de Antworten
Wir lernen also: Wenn das Internet klaut ist das schlimm, wenn man vom Internet klaut ist das, naja, irgendwie ok. Im aktuellen Beispiel geht es nicht einfach um den Klau von Ideen, sondern auch um fast identische Sätze, welche die Autorin verwendete, ohne den Urheber dafür zu erwähnen oder zu fragen. Das Internet ist, anders also viele behaupten, kein rechtsfreier Raum, wo man alles tun darf. Antworten
@Ramon Paxus: mag sein, das das Urheberrecht verschwindet. Mag aber auch sein, dass damit auch die besten Autoren und Künstler ihre Arbeit umlagern, keine Tonträger oder Bücher produzieren, halt live auftreten und Eintritt verlangen. Und für solche wie Ramon, bleibt dann das Wiederkauen von alten Büchern, immer wieder schon gehörter Musik. Viel Spass bei den Geistverkümmerungsprozess. Antworten
Angenommen ich lasse ein Hause bauen. Maurer, Bodenleger, Maler machen das. Ich verkaufe das Haus für eine Million. Wenn dann die Handwerker bezahlt werden sollen, sage ich, Sorry: habe euch nur ausgelehnt. Eure Leistung honorieren, hab ich keinen Bock. Was nennt man so ein Haltung: Diebstahl! Frau Hegemann ist simpel und einfach eine unverschämte Diebin, die hart bestraft gehört. Antworten
Sehr gut: Nun wird diese "Autorin" auch noch für den Preis der Leipziger Büchermesse nominiert- für was eigentlich? Für's Klauen? Am besten wäre es wohl für alle, Verlag, "Autorin", Rezensenten und Feuilletonisten, wenn man diese Person vergessen würde- und zwar für immer und ewig! Antworten
Gehet hin und kontrolliert eure Bibliotheken. Seid nicht enttäuscht wenn da das eine oder andere Buch erscheint, dessen Inhalt nicht ganz der Feder des Autors entspricht (Im Nachhinein). Es war trotzdem lesenswert. Im übrigen hat da Frau Hegemann offensichtlich ein literarisches Eigentor geschrieben. Wer liest schon ihre Folgewerke wenn da solche folgen sollten ? Antworten
Es ist eine grosse und wunderbare Leistung, Ausschnitte aus verschiedenen Quellen so zusammenzufügen, dass sie ein neues Ganzes ergeben. Der Mensch funktioniert ganz grundsätzlich so. Schon von Kind an kopiert er Verhaltensweisen von Erwachsenen und setzt sie zu einer neuen, eigenen Identität zusammen. Informations-Copyrights sind ungeeignet, ja sogar innovationshemmend! Antworten
Es gibt hier eigentlich nur eine Reaktion: Rausschmiss und Rückzug des Preises. Als Autor weiss ich, wie schmerzhaft es ist, wenn man beklaut wird. Wenn das nicht klar als Exempel statuiert wird, macht sich die ganze Branche lächerlich. Wobei es nicht zu leugnen ist, dass das Ganze ohnehin ein Filz ist. Antworten
@ Lucie Braun: Ich verstehe ihre Einwände, habe Wirtschaft studiert und mitbekommen, wie das da laufen kann(!). Aber wenn ich Sätze höre wie: "ganze lügen und betrügen fängt schon in der kindheit an und zieht sich durch's ganze leben, wer nicht mitmacht, bleibt auf der strecke.", so mache ich mir grosse Sorgen um unsere Zukunft. Wie kann man nur eine so pessimistische Sicht auf die Welt haben? Antworten
Plagiats und Piraterievorwuerfe im Zeitalter der digitalen Revolution welche exakte Kopien beliebig erlaubt. Waehrend frueher die Bibel noch von Hand kopiert und verbreitet wurde kopiert man heute mit zwei mausklicks enzyklopaedien oder andere digitale dateien. Sampling in der Musik laesst sich da auch einordnen. In Ordnung geht das schon nur angemerkt und gecleart muss das copyright sein. Antworten
@Ramon Paxus: Okay, es ist ein Zeitphänomen sich einen Feuchten um die Urheberschaft zu kümmern. Aber es geht hier nicht um "Branchen", sondern darum, dass der Eindruck entsteht, dass junge Leute keinen Skrupel mehr haben und über Leichen gehen, nur um berühmt zu werden. Die Beiläufigkeit, mit der die Ertappte die Untat als "normal" bezeichnet, verschlägt einem geradezu die Sprache. Antworten
@Ramon Paxus et al: wie kommen Sie auf die Idee, dass das Urheberrecht vorbei sei? Geistiges Eigentum bleibt immer dem Autor oder Verfasser vorbehalten und Abdrucke/Verwendung muss genehmigt, erwähnt und/oder bezahlt werden! Wer nicht fähig ist, eigene Kreativität und Phantasie zu entwickeln, soll die Quelle seines 'Geistesblitzes' gefälligst angeben. Alles andere ist ethisch nicht vertretbar. Antworten
@Lucie Braun: Hallo?! Ich bin 18 Jahre alt und nich einmal ein dritel so begabt wie die Autorin. Was würden Sie denn sagen, wenn ich in meinem "zarten Alter" der Gesellschaft den Spiegel vorhalten würde. Ein bisschen anmassend finde ich. Ausserdem ist dies doch nur eine Ausrede einer jungen Autorin, die vielleicht ein bisschen unter Druck steht... Antworten
@daniel eichhorn: gut das sie nicht in meiner welt leben müssen, da bin ich doch froh . um mich herum nehmen viele menschen das leben so wahr - menschen die mit offenen sinnen und augen durch's leben gehen und nicht in einer traumwelt leben wie sie offensichtlich! schön das es ihnen dort so gut geht - ich wünschen ihnen noch viel spass. mir gefällt es in meiner welt, aber ich bin auch realistisch Antworten
@ramon paxus. Sehr bedenklich ihre Aussage. in welcher Branche arbeiten Sie? Wie wäre es für Sie, wenn sie ab morgen für ihre Arbeit nicht mehr bezahlt würden? Hier geht es ja nicht einfach um die Vervielfältigung von allgemeinen Informationen. Hier klaut jemand etwas und verkauft es weiter. Antworten
@Luzia Keller: es sind eben die unbequemen Nichtmainstreamer, die faszinieren! Wie sonst konnten eine Harper Lee, Jane Austin, ein Heine, Keller (yes!) Saint-Exupéry, Hugo, Gogol, oder Fontenelle ('nouveau dialogues des morts', mein Lesetipp an Sie) die Welt verzaubern, und alle erst noch keine Plagiate? ;-) Antworten
Ich bin 18 Jahre alt. Es fällt mir auf, dass die Autorin Argumente verwendet, die für ältere Generationen (zu denen annahmsweise die meisten von euch gehören) schwer nachzuvollziehen sein können. Es ist so, dass für Menschen in meinem Altersbereich, tendierend zu den Jüngeren, das Internet eine neue Ansicht von Besitz im Textbereich hervorgebracht hat. Antworten
Na und, die Zeiten des Urheberrechts sind vorbei. Gewisse Branchen haben's noch nicht gemerkt, aber das Exklusivrecht auf vervielfältigung und weiterverbreitung von Information jeglicher Art muss verschwinden. Klar werden viel weniger 'Künstler' sich ihren Lebensunterhalt mit Ihrer Kunst verdienen können, aber die wirklich guten, und die wirklich leidenschaftlichen werden trotzdem bestehen. Antworten
Wenn das Internet so toll und frei ist, dann muss man das "Buch" auch nicht einem Verlag bringen. Dann veröffentlich man seinen Text im Internet und lässt ihn dort für alle gratis und ohne Einkünfte (ausser dem einen oder anderen Werbebanner) zum Lesen und für alle anderen zum weiterkopieren! Antworten
diese junge frau sagt ,tut und zeigt uns doch ganz einfach nur das was rund um sie herum gelebt wird. leider ist es doch so, dass wir rundum belogen, betrogen und über's ohr gehauen werden. ganze lügen und betrügen fängt schon in der kindheit an und zieht sich durch's ganze leben, wer nicht mitmacht, bleibt auf der strecke. Antworten
wenn es eigenständig, einer eigenen logik und geschichte folgt, ist das doch gut so, der inhalt muss doch nur spannend sein und gefallen....(wen intressiert schon langweilige Lyrik....sorry).....wenn von mir stellen kopiert würden wäre das ja toll, für mich eine bestätigung , dass mein text gut und spannend war.....! Antworten
wenn man sagen will, dass es normal sei, andere texte zu klauen, dann soll man doch so konsequent sein und diese texte kostenlos in einem blog oder webseite zur verfügung stellen. aber einerseits texte klauen und copyright - excesse anzuprangern, und gleichzeitig den verleger um copyright und tantiemen bitten, geht nicht auf. Antworten
Jedes weitere Beharren auf Details, jedes weitere halblegitimatorische Winden des genasführten Feuilletons macht diese Hochstaplerposse noch peinlicher. Zuerst hat das Lektorat versagt, danach sämtliche Kulturredaktionen. Was dauerhaft bleiben wird: Gelächter. Antworten
Als ich die Kritik zu ihrem Buch las, dachte ich mir - ah wow - ein neues Talent. Wunderschön! - Schade nun diese Nuller Meldung zu diesem Neulingswerk. Ich selber schreibe Lyrik und alles von mir ist echt, ich muss nicht extern nachgucken. Eines ist: Es ist nur peinlich im Auge des Betrachters oder der Leserin oder der Kritiker. Schaut e bissi besser vorher, sie wird es nie mehr tun! Antworten
@oliver keller: herzlichsten Dank, dass Sie meine Zeilen richtig interpretiert haben :-)) Wieso dies jedoch jetzt so hohe Wellen wirft, erscheint mir geradezu bigott zu sein. Die Medien und vorallem das www sind nicht unschuldig an dieser verwerflichen Entwicklung und die Wenigen, welche sich noch an die Regeln halten, werden vom Mainstreamdenken an die Wand gespielt. Wer zieht hier die Grenzen? Antworten
ojehmine! erstens ist ein roman keine seminararbeit, sondern eine auseinandersetzung mit der gegenwart, zweitens, da muss man hegemann recht geben, wären viele grosse werke der neuen literatur ohne plagiate nicht entstanden. burroughs & gysin wurden damit genervt & bellten den kleingeistern entgegen: writers don`t own their words. Antworten
In der Schweiz machen jährlich tausende von gleichaltrigen Gymnasiasten eine Maturarbeit. Da gibt es einige Talente drunter, die zum Beispiel ein Lyrikband, eine Erzählung oder ein Drama verfassen – nebst dem obligaten Journal, die Zusammenfassung etc. Richtet doch den Fokus auf diese Jugendliche, denn das ist allemal interessanter als die peinliche Rechtfertigung dieser literarischen Diebin. Antworten
"Autsch, hab ich jetzt voellig vergessen...!", sprach die ertappte Diebin. Und: "Ich habe nicht, die andern haben auch..." Fast ruehrend, diese Teenager-Ausfluechte. Dies Argument ist auch suess: "Urheberrechtsexzess." Aha! Na dann war's ja hoechste Zeit, dass da mal jemand mit solch ungesunden Angewohnheiten aufhoert und neue Standards setzt. Bin gespannt auf weitere Erklaerungen... Antworten
Da muss ich Bernadette Hauert recht geben. An jeder seriösen Uni werden die Studenten auf die Plagiats-Problematik aufmerksam gemacht. Copy/paste ist verlockend, es gibt aber auch Software welche die Arbeiten von Studenten mit anderen Publikationen abgleichen. Den Studenten wird das kommuniziert. Von 100 Studenten geraten vielleicht 2 in den Plagiatsverdacht. Ghostwriting ist viel problematischer Antworten
Es ist absolut normal, dass Blogs/Freunden das Leben einer 17jährigen und somit auch ihr Werk beeinflussen. Es ist natürlich peinlich, dass nicht alle Quellen genannt wurden. Jedoch finde ich es nicht in Ordnung, dass Hegemann hier in vielen Kommentaren in die "will-berühmt-sein"-Ecke abgeschoben wird. Ich will ja dann sehen, welche jungen Autoren der Zukunft NICHT vom Internet beeinflusst sind... Antworten
Ich hab ihr Buch zwar noch nicht gelesen, aber ich bin voll begeistert von ihr. Wieder hat die Gesellschaft etwas bekommen, wo sich die Geister scheiden. Im Gegensatz zum Grossteil der Bevölkerung: Anstatt zu kritisieren kreiert sie (mit welchen Mitteln auch immer...) Sie ist der Quentin Tarantino der Literatur. Antworten
In einer Zeit, da nicht nur Studenten, Wissenschaftler und Journalisten ihre Texte und "Recherchen zusammengooglen" wundert es nicht, dass sich ein junges Ding dieser Mittel bedient, um auch ein bisschen Prominenz abzukriegen. Erstaunlich nur, dass wir trotz mondernster Kommunikations- und Informationsmittel keinen Deut gescheiter sind. "Sit dir öpper oder googlet dir euch durchs Läbe?" Antworten
Scheinbar muss klauen eben doch voll OK zu sein. Warum sollte eine kleine, geistig und gesellschaftlich noch nicht Erwachsene kennen müssen, was sich gehört? Die sogenannt Grossen und Gescheiten leben ihr doch vor, dass man am schnellsten ans Ziel kommt, wenn man alle Mittel einsetzt. Legalität lässt sich biegen. Ob Daten- oder Ideenklau... wo liegt der Unterschied? Antworten
versteh ich da etwas falsch, oder müssten denn die kritiker ALLE geschriebenen werke (analog und digital) kennen, oder jeden satz eines buches zuerst mal bei google eingeben?? ou mann, so macht ja lesen dann gar keine freude, wenn man zuerst mal alles in frage stellen und allem misstrauen muss. Antworten
@ Susanna Kim: Zur Berichtigung: Heutige Studis kennen die Problematik mit den Plagiaten sehr wohl und sehr gut (z. B. auch die Gefahr von Plagiaten beim Übersetzen von fremdsprachigen Texten..). Und nichts mit copy-paste: In der Bibliothek sitzen & sich die Zähne ausbeissen an Texten, Klassikern & Wälzern jeglicher Art, ist nach wie vor DIE Arbeitsweise. Viele Grüsse aus der UB... Antworten
Schön. Verlage schreien, wenn Google auch nur eine einzige Seite aus einem ihrer Bücher ins Netz hängt. Aber klaut die Vertrags-Autorin ein Buch AUS dem Internet zusammen, um dann gedruckt zu werden, kann man «darüber streiten». Doppelmoral, einmal mehr perfekt in Szene gesetzt. Antworten
Vollkommen bedeutungslos, wie sehr viel, was in diesen Nullerjahren als Literatur verzeichnet wird. Jede Zeile Dürrenmatt, selbst wenn sie alkoholisiert geschrieben war, bringt mehr. Mit dem Debütanten oder Kinderbonus sollte nun mal definitiv aufgehört werden. ¨Was ist vom französischen Wunderkind Minou Drouet geblieben? Antworten
Ein Skandal, dass man nun so tut als sei Stehlen eine normale Erscheinung der jungen Generation, mit der man eben leben müsse. Klauen ist nicht Inspiration, sondern Klauen! Das weiss die Diebin selbst am allerbesten. Raison: Wenn in den Medien eine Person hochgejubelt wird, sollte beim Leser eine Alarmglocke schrillen. Antworten
Sie hat einige Passagen vom Internet verwendet, aber das Buch hat Sie geschrieben. Es werden immer wieder Ideen kopiert und weiterverwendet. Und da bitte ich zu unterscheiden. Es werden oft Ideen weiter verwendet. Sie ist eine sehr gute Autorin. Und ich denke das Buch ist für dieses Alter einzigartig. Die meisten Kritiker sind Kreaturen, die es selbst nicht geschafft haben erfolgreich zu schreiben Antworten
Als 'unersättliche Lesseratte' wurde mir eher interessieren (bezugnehmend auf dem Kommentar von Frau Wunderli) welche anderen Tiefpunkte in der Literatur habe ich nicht mitbekommen (wann, wo, Autor, Verlag, Art des Verstosses). Danke im Voraus Frau Wunderli. Was die Kritiker lesen oder nicht zeigt sich deutlich in dem Fall. Meinung: In dem Geschäft die fachmännische Beurteilung hat ausgedient. Antworten
Dumm gelaufen. Ich bin tatsächlich aufgrund den überschwänglichen Kritiken neugierig auf den Roman geworden. Doch hätte ich das Ganze auch ohne den aufgeflogenen Schwindel mit Vorsicht genossen. Wäre sowieso nicht überzeugt gewesen, klassische Underdog Literatur im Stile eines Charles Bukowskis oder Irvine Welsh, geschrieben von einer 17-Jährigen vorzufinden... Antworten
@Wunderli: Eben nicht. Die heutigen Stundenten können praktisch keine Arbeit mehr selber schreiben und recherchieren, alles wird im Internet mit copy/paste abgekupfert. Das ist an Schweizer Unis ein grosses Problem. Zwar gibt es die Plagiat-Policy, aber die meisten Studenten kennen nicht mal den Begriff "Plagiarismus". Antworten
Diese junge Frau und ihre 'Arbeitsweise' ist das Produkt der Nuller-Jahre. Wer in einer fast schon paranoid zu nennenden westlichen Gesellschaft voller Exhibitionismus, Gigantismus, Narzissmus etc. aufwächst, hat Mühe zu erkennen, wo die Grenzen von Ethik und Moral zu setzen sind. Die Erwachsenenwelt zeigt den Jugendlichen vermehrt eine Besorgnis erregende Ambivalenz im Sagen und Tun. Antworten
Eine 17-jährige Wunderschriftstellerin? C'mon, da muss man doch den Kritikern keine Vorwürfe machen. Solche Kritiken liest man ja schon gar nicht. Bevor das zweite Buch erschienen und ein wenige Zeit verstrichen ist, interessiert sich doch kein anspruchsvoller Leser für so einen Quatsch. Antworten
eher peinlich?- Wenn Kritiker auch nicht mehr lesen und sich weiterbilden wie kann man dann etwas bewerten? An unserer Uni wäre ein Student glatt herausgeflogen wenn man ihn beim Plagiat erwischt hätte- jetzt wird die Authorin noch berühmt und gefeiert? Ein neuer Tiefpunkt in der Literatur. Antworten





Ben Müller
@Luzia Keller: sie sprechen mir aus dem Herzen! Der Wertezerfall unserer Gesellschaft zeigt sich eben auch hier (obwohl ich andere Bereiche doch als wesentlicher erachte).. Antworten