Kultur

«In der Hochzeitsnacht läuft nichts mehr»

Interview: Philippe Zweifel. Aktualisiert am 13.04.2011 16 Kommentare

Was machen Kate und William in den Flitterwochen? Was war die grösste royale Panne? Und warum interessiert uns das überhaupt? Adelsexpertin und Autorin Friederike Haedecke über königliche Hochzeiten.

1/21 Königlicher Müssiggang: Kate Middleton und Prinz William.
Bild: Keystone

   

Friederike Haedecke ist Historikerin und arbeitet seit mehr als 10 Jahren beim ZDF. 2011 wurde ihr Dokumentarfilm «Supertiere» mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. 2008 verfasste sie gemeinsam mit Julia Melchior den Bestseller «Royal Weddings – Königliche Hochzeiten», der im Mai 2011 in aktualisierter Neuauflage im Te Neues Verlag erscheint.



Julia Melchior & Friederike Haedecke: Royal Weddings. Te Neues. 168 Seiten, Text in Englisch und Deutsch. ISBN: 978-3-8327-9252-7.

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Frau Haedecke, eine Royal-Meldung jagt die nächste. Haben Sie noch nicht genug?
Nein, überhaupt nicht. So ein Event wie diese Hochzeit gibt es alle paar Jahrzehnte. Ich geniesse das sehr.

Was fasziniert die Menschen an königlichen Hochzeiten?
Zum einen sicher das Pompöse und Luxuriöse. Und dass die Brautleute für ein paar Stunden gezwungen sind, für die Zuschauer ein kleines Türchen zu ihrem wirklichen Privatleben aufzumachen: Wie sie allein und aufgeregt vor dem Altar stehen und möglicherweise auch das Protokoll verletzen. So ungeschützt wie an einer Hochzeit kriegt man Royals nie zu sehen.

Laufen Prominente aus dem Showbusiness den Royals nicht den Rang ab?
Das mag zeitweise stimmen, auch weil die Royals immer öfters Bürgerliche heiraten – und sich so selbst entzaubern. Dennoch scheint mir der Reiz der Royals spezieller. Celebrity kann man werden, Royal ist man nur durch Geburt oder Heirat. Da spielt, zumindest bei den Frauen, der Aschenputtel-Faktor auch eine Rolle. Plötzlich Prinzessin – davon träumt doch jedes Mädchen einmal.

Tatsächlich werden am Hochzeitstag 800'000 Zuschauer erwartet. Wie erklären Sie sich dieses gesteigerte Interesse?
Zum einen mit den Medien. Die Hochzeit von Elizabeth II. war die erste, die am TV übertragen wurde. Seither hat das Interesse für königliche Hochzeiten konstant zugenommen. Heuer werden wohl eine Milliarde Menschen die Zeremonie verfolgen. Aber auch die Heiratenden sind für das Interesse ausschlaggebend. Es steht ja ein Thronerbe vor dem Altar. Und natürlich spielt auch der Sympathiefaktor eine Rolle.

Sind William und Kate den Engländern denn sympathisch?
Richtig nahe sind die den Leuten noch nicht, was daran liegt, dass man noch nicht viel über Kate weiss. Klar, sie ist hübsch, nett, nicht dumm. Aber alles in allem noch nicht greifbar.

Immerhin sind sie beliebter als Charles und Camilla. Stört das Charles eigentlich?
Nein. Der sieht die Sache positiv und ist froh, dass kein Skandal in Sicht ist. Dass William beliebter ist als er selbst, weiss er schon lange. Die Hochzeitspläne hat er denn auch mit typisch britischem Humor kommentiert: «Sie haben sich lange genug Zeit gelassen.»

Wer erstellt eigentlich die Gästeliste?
Das ist ein Gemeinschaftswerk. Protokollbeamte unterbreiten Vorschläge, ebenso die Queen. Und auch das Brautpaar reicht Namen ein, wobei es heute kein Problem mehr ist, seine Freunde einzuladen und einen schönen Abend mit ihnen zu haben. Schwieriger ist die Sitzordnung: Wer darf wie nahe beim Brautpaar sitzen? Immerhin wurden 1900 Einladungen für den Abend im Buckingham-Palast verschickt.

Wie probt man eine königliche Hochzeit?
Auf jeden Fall mit ganz viel Geduld. Nur schon wegen der vielen Vornamen, die sich Kate merken muss. Aber auch der Gang durch die Kirche mit dem Hochzeitskleid hat seine Tücken. In Dänemark fuhr Mary Donaldson vor der Hochzeit deswegen jeden Morgen in die Kirche, um zu üben. Wobei sie Ledergewichte an ihr Kleid hängte, um das Gewicht der Schleppe zu imitieren.

Trotzdem kommt es immer wieder zu Pannen. Was waren die grössten?
Bei Diana sicher das Kleid, das nicht knitterfrei war. In der engen Kutsche kam es deshalb zum totalen Kuddelmuddel, Helfer versuchten hysterisch, das Kleid glatt zu kriegen. Dann kriegte Maxima den Ring nicht auf den Finger. Und natürlich werden immer wieder Vornamen verwechselt. Die grösste Panne der letzten Jahre war, obwohl niemand etwas dafür konnte, das schlechte Wetter in Spanien. Als die Braut vorfuhr, goss es aus Kübeln, und man huschte richtiggehend in die Kirche. Was für ein jämmerlicher Auftritt!

Ist das Protokoll bei einer Hochzeit mit einer Bürgerlichen anders?
Die erste Rede wird wohl nicht vom Brautvater gehalten, sondern von Charles oder der Queen.

Keine leichte Aufgabe für Kates Vater.
Ja, das ist ganz schrecklich. Da sitzen ja nicht nur die Adelshäupter dieser Welt, sondern Staatspräsidenten, Elton John, David Beckham und andere Leute, die einen nervös machen. In seiner Haut möchte ich nicht stecken.

Machen die Royals eigentlich Flitterwochen?
Ja, die fahren noch am Abend auf Hochzeitsreise. Das Brautpaar verlässt bei solchen Anlässen meist den Saal über einen geschickten Fluchtweg, während die Party noch im Gange ist.

Keine Hochzeitsnacht also?
Nein, die sind ja auch nudelfertig nach einem solchen Tag. Da läuft kaum noch etwas. Immerhin wird ihnen ein bisschen Ruhe gegönnt. Queen Elizabeth wurde noch unter Geklatsche zum Bahnhof begleitet, von wo sie mit Prinz Philip nach Schottland fuhr, wo schon wieder applaudierende Menschen warteten.

Wohin verreisen Kate und William?
Sicher auf einen anderen Kontinent, wo das Interesse nicht so gross ist. Vielleicht Afrika.

Welchen Titel führen William und Kate nach der Hochzeit?
Das ist noch nicht bekannt. Vielleicht aktivieren sie einen alten Titel, der derzeit nicht getragen wird. Es gilt auf jeden Fall, jenen der Princess of Wales zu vermeiden, der ja Diana gehörte.

Wurden königliche Hochzeiten auch schon abgesagt?
Ja, die von Madeleine von Schweden. Ihr Verlobter, Jonas Bergström, war mit einer anderen Dame in Norwegen erwischt worden.

Könnte die Queen die Hochzeit noch abblasen?
Dafür ist es jetzt zu spät. Sie hätte zuvor ihre Zustimmung verweigern können. William hätte dann den Anspruch auf den Thron verloren. Aber er hat sie wohl im Vorfeld offiziell gefragt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.04.2011, 10:46 Uhr

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16 Kommentare

Ulrich H. Knobel

13.04.2011, 11:27 Uhr
Melden 42 Empfehlung

Königshäuser fristen ein völlig parasitäres Dasein. Sie nutzen - ausser der Klatschpresse - niemandem, aber sie kosten ein sündhaftes Vermögen. Zu Lasten des Bürgers, wohlverstanden . Dekadenz in seiner schönsten Form! Antworten


freddy sutter

13.04.2011, 11:20 Uhr
Melden 27 Empfehlung

was für ein wunderschönes, bewegendes ereignis für romantiker und anhänger totalitärer regierungsformen. ich bin stolz und froh, dass unsere vorfahren mit leib und leben gegen diese "geburtsprivilegiengesellschaft" gekämpft hat. ein hoch auf die bürgergesellschaft und ihre zugegebenermassen etwas bescheideren feste in kleinem kreise. Antworten