Kultur

Jelinek beschreibt Haider als falschen Erlöser

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 24.10.2008 29 Kommentare

Die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ist seit Jahren als scharfe Kritikerin des Rechtspopulisten Jörg Haider bekannt. Nun hat sie seinen Unfalltod literarisch verarbeitet.

Den Haider-Text wie im Rausch geschrieben: Elfriede Jelinek.

Den Haider-Text wie im Rausch geschrieben: Elfriede Jelinek. (Bild: Keystone)

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Ohne den verstorbenen Politiker beim Namen zu nennen, beschreibt sie auf über 150 Zeilen die letzten Minuten Haiders vor seinem Verkehrsunfall auf dem nächtlichen Heimweg und spielt dabei auf Goethes Ballade «Der Erlkönig» an. Jelinek verbietet es, aus ihrem Text zu zitieren, was rechtlich jedoch kaum haltbar ist. Zu finden ist die Schrift auf Jelineks Homepage (siehe Linkbox) unter dem Titel «Von Ewigkeit zu Ewigkeit» in der Rubrik «Aktuelles».

Jelinek schreibt von einer nicht beim Namen genannten Person, die als Erlöser gefeiert wird. Diese Person sei nun kein Mensch mehr, sie habe auch nie ein Mensch sein wollen. Der Erlöser schart eine Menge ergebener Jünger um sich. Fasziniert ist Jelinek offenbar vom Phaeton, dem Sonnenwagen, wie sie das Unfallauto Haiders bezeichnet. Das Ganze scheint wie im Rausch geschrieben, mit vielen langen Sätzen, ohne einen einzigen Absatz. Der Text endet mit der Stille nach dem Handygeklingel, der letzten Drohung des Erlösers. Keiner dürfe zweifeln, alle müssten glauben, in Ewigkeit.

Diese wütende Schrift hat eine lange Vorgeschichte, jahrelang hatten sich die Schriftstellerin und der Rechtspopulist bekämpft. 1996 hatte Jelinek aus Abscheu vor der Boulevardpresse und vor Jörg Haider ein Aufführungsverbot ihrer Stücke an österreichischen Bühnen verhängt. Andererseits griff Haider Jelinek und andere kritische Kulturschaffende einst auf Abstimmungsplakaten an, auf denen es hiess: «Wollen Sie Jelinek, Peymann, Turrini und Co? Oder wollen Sie Kunst und Kultur?» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.10.2008, 13:34 Uhr

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29 Kommentare

Kunst Spricht

24.10.2008, 14:28 Uhr
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wütend, kräftig, und etwas respektlos, schön dass es Menschen gibt die nicht schweigen Antworten


Gustl Blindtext

24.10.2008, 10:55 Uhr
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Ich hab den Text erstmal ins Word rübergenommen, um die Leserlichkeit zu steigern, dann ein paar Zeilen überflogen und bin begeistert, dass mit ein paar wenigen einfachen Bausteinen Kunst geschaffen werden kann. Jelinek baut licht-verhüllende Texttapeten. So muss sie nicht mehr nach draussen schauen und kann sich ganz ihrer Knüpf-Technik hingeben. Und alle Clichès eingiessen, kurz umrühren, fertig Antworten