«Merz ist zum Untoten geworden»

Aktualisiert am 13.01.2010

Der Schweizer Schriftsteller und Bundesratssohn Thomas Hürlimann äussert sich in der «Zeit» über Hans-Rudolf Merz und dessen Libyen-Reise.

Der Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann äussert sich in der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» zu Bundesrat Merz: «Der Mann hat mit dem Herzstillstand seinen eigenen Tod überlebt. Und jetzt hält er sich für unbesiegbar, er hat keine Angst mehr. Er merkt nicht, dass er zum Untoten geworden ist. Und in dieser Stimmung reiste er nach Libyen, ich, Besieger des Todes, erledige diese Sache schnell - nicht realisierend, dass er sich längst in ein Gespenst seiner selbst verwandelt hatte. Das passt hervorragend in das Gespensterreich der Politik. Da ist Merz natürlich die Idealbesetzung. Für uns Schweizer ist das aber leider ein bisschen blöd.»

Hürlimann, dessen Roman «Der grosse Kater» gerade verfilmt wurde, sorgt sich über das Verschwinden der Politik: «Früher genoss einer, der Geist oder ein wichtiges Amt hatte, hohes Ansehen. Diese Wertmassstäbe haben sich völlig verändert. Heute geniesst einer Ansehen, der Millionen und eine Villa in Freienbach hat. Ich weiss gar nicht, ob das, was wir Politik nennen, noch Politik ist. Die Politik verschwindet.»

Das Interview mit Hürlimann ist morgen in der «Zeit» zu lesen. Pikant: Gestern erst gab sich Merz bei der Galapremiere der Hürlimann-Verfilmung «Der grosse Kater» die Ehre. Er sei gespannt, wie nah der Film, der ja unter anderem von einer Politintrige handelt, der politischen Realität komme, hatte er vor den Medien gesagt. Bei der Beobachtung der Dreharbeiten im Bundeshaus habe er sich jedenfalls gefragt, «ob wir selber auch so lebhaft sind wie diese Schauspieler». (phz)

Erstellt: 13.01.2010, 15:46 Uhr

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